Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

PREMIERE: Gotthelf lässt trotz allem die Liebe siegen

Wenn Neid und Korruption ein Dorf fast zerstören, hat es die Liebe schwer. Jeremias Gotthelf war ein Experte des Bösen. «Gotthelf – das Musical» unter der Regie von Florian Rexer ist in Kreuzlingen ist beides: Turbulentes Drama und zarte Liebesgeschichte.
Manuela Olgiati
Peterli (Björn Reifler) und Eisi (Rita Bänziger) beobachten kritisch, ob das Verdingkind Änneli (Anja Monn) dem Bänzli (Pacifico Rodriguez) die Schuhe korrekt bindet. (Bild: Andrea Stalder)

Peterli (Björn Reifler) und Eisi (Rita Bänziger) beobachten kritisch, ob das Verdingkind Änneli (Anja Monn) dem Bänzli (Pacifico Rodriguez) die Schuhe korrekt bindet. (Bild: Andrea Stalder)

Manuela Olgiati

ostschweizerkultur

@tagblatt.ch

Ein grossartiges Schauspiel, wunderbarer Gesang, mitreissende Musik und eine gute Organisation: Die Zuschauer waren am Schluss der Musical-Aufführung ergriffen und bedankten sich mit stehenden Ovationen. Die Premiere zu «Gotthelf – das Musical» stösst auf beachtliche Resonanz. Gezeigt wird eine Geschichte aus dem Emmental, gesungen und gespielt in Berndeutsch – und doch gleicht sie einem Musical wie vom Broadway: «Die Käserei in der Vehfreude» erzählt vom Zauber einer beginnenden Liebe, die sich gut in die heutige Zeit einfügt.

Die Liebesgeschichte zwischen dem Verdingkind Änneli und des Ammanns Sohn Felix berührt die Herzen der Zuschauer. Das Hauptthema wird umspielt mit der humorvollen Nebengeschichte eines Bauerndorfes, das sich eine eigene Käserei aufbaut und dabei korrupt wird. Präsent ist auch der Pfarrer Albert Bitzius höchst persönlich – besser bekannt als Jeremias Gotthelf –, welcher seinen Mahnfinger erhebt und alle immer wieder auf den rechten Weg zu weisen vermag.

Ein Verdingkind singt sich in die Herzen der Zuschauer

In diesem Bühnenstück geht es trotz allem recht heiter zu und her. Der Gottesdienst am Sonntag wird mit Liedern umrahmt, beherzt halten die Bauern ihre Versammlung ab und selbst unter den tratschenden Frauen in der Waschküche wird ein Lied gesungen. Diese Aufführungen wurden gemeinsam mit dem Verein Symphonische Kulturevents und dem Symphonischen Blasorchester Kreuzlingen unter der Regie von Florian Rexer möglich gemacht. Bereits beim Premierenstart sind 80 Prozent der Tickets für die sechs Vorstellungen verkauft. Im stimmigen Bühnenbild gefällt Anja Monn in der Rolle des Verdingkindes Änneli. Im Nu singt sie sich in die Herzen der Zuschauer, ebenso in jenes des begehrten Junggesellen Felix, der von Matthias Salzmann charmant interpretiert wird.

In den weiteren Hauptrollen überzeugen Antonio Zeiter als cleverer Ammann mit seiner keifenden Frau Ammännin (Corinne Liss), die das Heiraten erst nur innerhalb ihres Standes akzeptieren will. Valentina Russo sorgt als die verhinderte Opernsängerin Adeline für ein Schmunzeln im Publikum. Humorvolles Schauspiel zelebrieren auch Eisi durch Rita Bänziger und deren Mann Peterli (Björn Reifler). Überzeugend tritt Mathias Ott in der mahnenden Rolle von Jeremias Bitzius Gotthelf auf. Nachhaltig ist der Auftritt von Bethi und Sepp, gespielt von Maja Beck-Bänziger und Luca Zimmermann, denn durch sie kommt Änneli als Verdingkind frei.

Der Senn wird von Simon Schroff inszeniert. Nur Ramon Sprenger lässt sich als Eglihannes bestechen. So kommt es zu einer Schlägerei. Ohne es zu wollen, verletzt Felix das Änneli schwer und macht sich Vorwürfe, dass er ihr seine Liebe noch nicht gestanden hat.

Bravourös spielt das Blasorchester Kreuzlingen

Das alles ist herrlich turbulent. Rasch wechseln die Schauplätze. Die choreografierten Tanzszenen wirken nach. Und mit diesen eine Musik mit dem über 60 Mitglieder starken Symphonischen Blasorchester Kreuzlingen, das Dirigent Stefan Roth mit Bravour hinter dem Vorhang auf der grossen Bühne leitet. Die musikalische Interpretation war ein grosses Vergnügen, auch der Gesang des Amazonas Chors und der über 30 Musicaldarsteller, darunter auch Laiendarsteller. Klar feiern dazu die Deienmooser Hexen und Teufel von der Guggenmusik Seegrusi Bodensee-Radolfzell ihren Bühnenauftritt mit.

Und es kommt schliesslich zu einem glücklichen Ende mit einer Heirat. Das gesamte rund 100-köpfige Ensemble zeigt einige markante Charakterrollen. Den Text dazu schrieb Drehbuchautor und Schriftsteller Charles Levinsky, der ebenfalls an der Premiere anwesend war. Die ursprünglich für die Thunerseespiele geschriebene Musik hat der Dirigent für das Symphonische Blasorchester Kreuzlingen und den Amazonas Chor umgeschrieben. So erklang Walzer, Swing und Marschmusik auf hohem Niveau.

Weitere Aufführungen bis 31.12. Dreispitz Sport- und Kulturzen­trum Kreuzlingen www.gotthelf-musical.ch

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.