Prägnanz und grosse Geste

Musik von Emigranten, Kreuzzüge aus arabischer Perspektive, die aktuelle Flüchtlingsbewegung: Das Kunsthaus Bregenz plant Ausstellungen mit Brisanz.

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Aus dem Video «Cabaret Crusades» von Wael Shawky. (Bild: pd)

Aus dem Video «Cabaret Crusades» von Wael Shawky. (Bild: pd)

BREGENZ. Seit Mai steht Thomas D. Trummer dem Kunsthaus Bregenz (KUB) als neuer Direktor vor. Darum war man gespannt auf sein erstes Ausstellungsprogramm. «Mit sinnlichen Mitteln kann Kunst dazu verführen, nicht hinterfragte Urteile, gegebene Massstäbe der Moral und des Selbstverständnisses neu zu überdenken», heisst es im neuen Leitbild des Kunsthauses. Und weiter: «Wenn Kunst nur angeliefert, aufgehängt und wieder abgeholt wird, bleibt sie bezugslos. Es geht um individuelle Prägnanz und Aussage, um Passgenauigkeit, Inspiration und grosse Geste.

Kooperation mit Hohenems

2016 werden sich vier Künstlerinnen und Künstler im KUB mit aktuellen Aspekten auseinandersetzen: die Flüchtlingsbewegung, die Reibeflächen von Kulturen und Religionen, die Vormachtstellung des digital gesteuerten Kapitals und die Bruchlinien verdrängter Geschichte. Den Auftakt macht Ende Januar die schottische Künstlerin und Turner-Preisträgerin Susan Philipsz. Sie beschäftigt sich mit dem musikalischen Erbe deutschsprachiger Emigranten. Dafür wird das KUB mit dem Jüdischen Museum Hohenems kooperieren.

Differenz von Ost und West

Die aktuelle Flüchtlingsbewegung wird im Zentrum der Arbeit von Theaster Gates stehen, dem US-Shooting-Star der gegenwärtigen Kunst. Die Beschäftigung mit sozialen und urbanen Fragen wird seine Ausstellung ab April prägen.

Im Sommer folgt Wael Shawky, der sich mit der Differenz von West und Ost beschäftigt. Im Film «Cabaret Crusades» schildert er die Kreuzzüge des Mittelalters aus arabischer Perspektive. Die vierte Ausstellung im Herbst 2016 ist dann Lawrence Weiner gewidmet, einem der letzten Meister der Conceptual Art. Seine Themen sind Sprache und Schrift, die er skulptural und räumlich auffasst. (red.)