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Posse auf die «Märtyrer des Faschismus»

Lesbar Literatur

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Andrea Camilleri: Die Inschrift. Roman, Kindler, 80 S., Fr. 20.–

Eine hinreissende Satire legt Andrea Camilleri vor. Der 92-jährige Autor, der mit seinem sizilianischen Commissario Montalbano zum Bestsellerautor wurde, entblösst das aufgeblasene Angsthasentum des italienischen Kleinbürgertums zur Zeit des Faschismus. Auslöser ist ein Disput zwischen dem Dissidenten Michele Ragusano, der aus der Verbannung in seine Heimatstadt zurückkehrt, und dem 97-jährigen glühenden Faschisten Don Manueli Persico. Der sackt im Wortgefecht zusammen, stirbt und hinterlässt eine 25-jährige Witwe. Die Wogen gehen hoch, Ragusano wird krankenhausreif geschlagen und ins Gefängnis geworfen. Nach dem ehrenwerten Persico soll hingegen eine Strasse benannt werden. Nur kommt nach und nach aus, dass Persico zwar neben dem Duce in Rom einmarschiert ist, aber auch einen Faschisten ermordet hat. Der «Märtyrer des Faschismus» wird zur Schande des Städtchens, und die Honoratioren, die allzu gerne ins Bett der jungen Witwe schlüpfen, kommen in Bedrängnis. Ein kurzer Roman – prägnant und leichtfüssig erzählt. Er endet mit dem Brief einer Leserin an Camilleri, in dem sie ihn wegen seines Frauenbilds tadelt. Köstlich.

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Nell Zink: Nikotin. Roman, Rowohlt, 400 S., Fr. 29.–

Chaotische Liebe zu einem Asexuellen

Mit «Der Mauerläufer» hat die US-Autorin, die in einem Dorf bei Berlin lebt, vor zwei Jahren einen Hit gelandet: Ein schriller, cleverer Entwicklungsroman mit grotesken Vogelmetaphern. In «Nikotin» fährt sie mit ihrem rasanten, ironischen Stil fort. Penny, arbeitslose Wirtschaftsstudentin, freundet sich nach dem packend beschriebenen, langsamen Tod ihres Vaters, eines Drogen-Heilers, mit einer Kommune an. Das Familiendurcheinander mit habgierigen Brüdern und eifersüchtiger Mutter ist genauso scharf gezeichnet wie das bunt-charmante und parasitäre Milieu der Aussteiger und Aktivisten in einem Vorort New Yorks. Die leben als Hausbesetzer in Pennys geerbten Haus. Sie verliebt sich in den asexuellen Rob, was ein horrendes Gefühlschaos auslöst. Nell Zink beschreibt die explosive Mischung aus selbstgefälligem Idealismus und Materialismus, den ausufernden Debatten und der kompletten Vermischung von Öffentlichem und Privatem äusserst lebensnah und brillant.

Hansruedi Kugler

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