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PORTRÄT: Thurgauer komponiert Songs für Depeche Mode

Der Aadorfer Kurt Uenala lebt in New York City und komponiert dort Songs für die legendäre Elektronikband Depeche Mode. Jetzt hat der Thurgauer mit prominenter Unterstützung sein erstes Soloalbum veröffentlicht.
Philipp Bürkler
Steht beruflich nicht im Halteverbot, sondern startet in New York City musikalisch durch: Kurt Uenala vor seinem ehemaligen Schulhaus in seinem Heimatdorf Aadorf. (Bild: Reto Martin)

Steht beruflich nicht im Halteverbot, sondern startet in New York City musikalisch durch: Kurt Uenala vor seinem ehemaligen Schulhaus in seinem Heimatdorf Aadorf. (Bild: Reto Martin)

Philipp Bürkler

philipp.buerkler@tagblatt.ch

Kurt Uenala steht beim Bahnhof Aadorf und fotografiert mit dem Handy seine Vergangenheit. "Die Bahnglocke und das Stellwerk mit den Schalthebeln für die Weichen stehen noch genauso da wie früher während meiner Kindheit", sagt Uenala. In Aadorf habe sich nicht viel verändert. Mehr Einwohner, ein paar neue Wohnsiedlungen – aber sonst? Da wäre höchstens noch das Café Casa Segreto. "Früher hatte das Café einen typischen 60er-Jahre-Style. Leider haben sie es inzwischen umgebaut und alles rausgerissen", sagt Uenala mit Bedauern. Seine ganze Kindheit und Jugend hat er in Aadorf verbracht, bis er vor rund zwei Jahrzehnten in die USA auswanderte. Zuerst nach Boston, um Musik zu studieren, später zog er nach New York City um, wo er bis heute lebt.

"Heute bin ich fast noch mehr mit Aadorf verbunden als damals", sagt Uenala, der derzeit auf Besuch in der Heimat ist. Die ganze Landschaft, die Weiher und Felder hätten heute für ihn eine viel grössere Bedeutung als früher. "Wenn man hier lebt, erscheint einem alles etwas langweilig.» Während seiner Besuche in der Schweiz findet er jeweils Unterschlupf bei seiner Mutter. "In meinem Kinderzimmer sieht es noch fast so aus wie früher." Die Poster an den Wänden seien zwar nicht mehr da, dafür lägen tonnenweise Erinnerungen herum: CDs, Kassetten, alte Briefe, Fotos. Dinge, die früher banal gewesen seien, hätten heute einen gewissen romantischen Reiz. "Auch im Keller nach Gegenständen zu graben, macht Spass. Ich habe gerade einen alten 80er-Jahre-Kopfhörer von meinem Bruder mit Antenne entdeckt, noch verpackt."

Freundschaft mit Dave Gahan

Aufgewachsen ist Uenala mit seiner Mutter, einer Schweizerin, und seinem Vater mit türkischen Wurzeln. Genau wie sein Bruder Erol Uenala, ehemaliges Mitglied der legendären Schweizer Metalband Celtic Frost, hat ihn Musik schon früh fasziniert.

Viele träumen von einer Musikkarriere in New York City. ­Uenala hat seinen Traum verwirklicht. Er lebt in Manhattan in der Upper West Side. "Mit dem Velo fahre ich jeweils zu meinem Studio, das in der Nähe ist", sagt der Musiker. Dort produziert und komponiert er nicht nur für sich selber, sondern vor allem für die ganz grossen der Szene: Moby oder Depeche Mode. Mit De­peche Mode hat sich über die vergangenen Jahre eine Freundschaft entwickelt. Uenala kann sich noch gut erinnern, als Dave Gahan, Sänger der Band, die im Juni am Open Air St. Gallen auftritt, erstmals mit ihm zusammen gearbeitet hat. "Das war vor zehn Jahren, Dave wollte ein paar Demos für ein neues Depeche-Mode-Album aufnehmen und suchte dafür einen Produzenten." Gahan habe ihn zu sich ins Studio für eine Besprechung eingeladen. "Ich kam rein, und wir bemerkten, dass es nur einen Stuhl gab zum Sitzen – das war wirklich lustig. Ich sagte ihm, ich wüsste einen Laden in der Nähe, der Bürostühle verkauft." Bei strömendem Regen seien sie schliesslich durch China-Town zu diesem Geschäft gegangen, erinnert sich Uenala. "Das war ziemlich irre, nur er hatte einen Schirm und ich stand darunter. Ich lief also mit dem Sänger von Depeche Mode bei strömendem Regen durch New York und redete mit ihm über Synthesizer-Pop-Bands aus den Achtzigerjahren." Depeche Mode haben damals Synthesizer populär gemacht. "Es war die erste Gelegenheit für mich, ihn über diese Instrumente auszufragen", erinnert sich Uenala.

Depeche Mode als Arbeitgeber

Auch die restlichen "Jungs der Band sind trotz ihres Erfolgs total auf dem Boden geblieben". Depeche-Mode-Hauptkomponist und Gitarrist Martin Gore lebt in Los Angeles und Keyboarder Andrew Fletcher in London. Jeder Musiker arbeite unabhängig. "Sobald Dave und Martin genügend Songideen zusammenhaben, treffen sich die drei und hören sich die Demos an." In einem zweiten Schritt, bei dem auch Uenala dabei ist, trifft sich die Band wieder und nimmt erste Songs im Studio auf. Uenala bringt dann auch seine Songideen ein.

Manchmal müsse er auch zurückstecken, nicht immer würden seine Vorschläge eins zu eins übernommen. "Damit muss ich rechnen: dass ein Song auf dem Album dann etwas anders klingt, als ich ihn mir ursprünglich vorgestellt habe.» Auf dem Albumcover stehe schliesslich "De­peche Mode" und nicht sein Name. "Ich bin bei der Band nur angestellt und werde zu Tagessätzen bezahlt, aber das ist okay für mich."

Uenala produziert auch eigene elektronische Musik. In den vergangenen Jahren beispielsweise als Kap10Kurt. Im Dezember 2017 schliesslich ist sein Elektronik-Début-Album "Cryosleep" unter seinem Künstlernamen Null & Void erschienen. Gesangliche Unterstützung erhielt Kurt Uenala bei dem von ihm selbst geschriebenen Song "Where I Wait" von Dave Gahan, dessen unverkennbare Stimme sofort an Depeche Mode erinnert. "Klar, das ist ein riesiger Boost, das weiss auch Dave." Seine Stimme sei ein tolles Startkapital und Gahans Engagement zeige die Wertschätzung ihrer Freundschaft, so der Thurgauer. "Dass er sich auch noch Zeit genommen hat, mit mir ein Video zu drehen, ist der Hammer."

Zurück von New York City in die Schweiz?

"Nach 18 Jahren in New York City denke und träume ich mittlerweile in Englisch." Ab und zu antwortet Uenala auf eine Frage mit "of course" oder "you know". Obwohl er sein halbes Leben im Big Apple verbracht habe, könne er sich vorstellen, wieder in der Schweiz zu leben. Oder auch in Berlin: "Berlin würde mir sehr gut gefallen, weil da momentan kreativ mehr passiert." Was ihn abhalte, zurück in die Heimat oder nach Europa zu kommen, sei seine Freundin und das viele Equipment von Synthesizern. "Die analogen Geräte laufen teilweise nur auf dem amerikanischen Stromnetz und können nicht auf das europäische Netz umgerüstet werden." In der Schweiz würde Uenala aber nicht in einer Stadt, sondern eher auf dem Land leben wollen. "Dafür bin ich noch zu wenig etabliert, you know", sagt er ironisch. "Ich bin noch keine so grosse Nummer, dass internationale Stars zu mir ins Appenzellerland fliegen würden." Of course!

Null & Void: «Cryosleep», 2017,

kurtuenala.com

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