Pop
Adrian Stern: Die grosse Befreiung

Der Schweizer Liedermacher hat sich von seinem Label Sony und seinem Management Gadget getrennt: Für das neue Album «Meer» hat er das Heft in die eigenen Hände genommen.

Stefan Künzli
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Adrian Stern in seinem Bastelhausen, im Dachstock des Hauses der Familie Stern in Baden, wo sein neues Album «Meer» entstand.

Adrian Stern in seinem Bastelhausen, im Dachstock des Hauses der Familie Stern in Baden, wo sein neues Album «Meer» entstand.

6003 Records

«Danke für den Song, wir melden uns!» … Doch die Antwort blieb aus. Vom Label Sony, mit dem Adrian Stern seit seinem Karrierestart vor bald zwanzig Jahren zusammenarbeitete, meldete sich niemand mehr. Keine Aufmunterung, keine Kritik und keine Anregung. Einfach nichts. Nur blankes Desinteresse.

Der Schnitt, den Adrian Stern darauf vollzog, war radikal. Er hat sich nicht nur von Sony getrennt, sondern auch von Gadget, seinem langjährigen Management. «Bei Gadget hat sich der Fokus zu Grossevents verschoben. Der Schweizer KMU-Musiker hat da immer weniger ins Programm gepasst,» sagt Stern.

«Ich habe mich zuerst schwergetan, den Schritt zu machen», gibt er zu. Schliesslich gehören Sony und Gadget zu den ersten Adressen im Schweizer Popgeschäft. Die Trennung von Sony und Gadget könnte durchaus auch als Abstieg aus der «Super League» des Schweizer Pop gedeutet werden. Sein Lied «Amerika» und sein Album «Herz», mit dem er 2010 einen Swiss Music Award in der Königsdisziplin für das beste Album gewann, sind die herausragenden Höhepunkte in Sterns Karriere. Tatsächlich konnte er in der Folge aber nicht mehr an diese kommerziellen Erfolge anknüpfen.

«Ich habe Sony viel zu verdanken», sagt Stern rückblickend. Das Label hat ihm vor allem am Anfang mit den Kontakten und seinen Vertriebskanälen geholfen. «Von der künstlerischen Seite ist aber je länger je weniger gekommen. Am Schluss Null Komma nichts», sagt Stern. Die Luft war draussen.

Stern hat deshalb begonnen, Leute zu suchen, die den Kleinkunst-Groove mögen. Gefunden hat er die in Luzern beheimatete «Starfish GmbH» von Rico Fischer und Sacha Ischi, zwei Szenekenner mit einem grossen Herz für Schweizer Musik, die auch über ein eigenes Label, 6003 Records, verfügen.

Gleichzeitig hat er seine Karriere diversifiziert. Ab März ist Stern in der zweiten Staffel von «Sing meinen Song – das Schweizer Tauschkonzert» engagiert. Für Sinas letztes Album «Emma» schlüpfte er erstmals in die Rolle des Produzenten. Dazu hat er mit Frölein Da Capo, Roman Schaub und Roman Riklin die erfolgreiche Beatles-Revue «Sergeant Pepper» auf Mundart konzipiert und aufgeführt.

Aus diesen Projekten hat sich das neue Gesamtpaket für seine Solokarriere ergeben. Sinas Booking-Agentur «Damenbart» kümmerte sich um die Tour, die hoffentlich bald starten kann und im St. Galler Texter und Komponisten Roman Riklin (Heinz de Specht und Autor des Musicals «Ewigi Liebi») hat er einen Partner gefunden, der darauf brannte, mit dem Badener Musiker zusammenzuarbeiten. «Roman hat mich mit Ideen und Anregungen überschüttet», sagt Stern. Daraus sind die drei Lieder «Euses Lied», «Immer wieder Du» sowie «De Traum vo Eusem Glück», die Fortsetzung von Sterns Hit «Amerika» entstanden. «Es war eine faszinierende Zusammenarbeit», sagt Stern, «kam es mir doch oft vor, als schriebe Roman die typischeren Adrian Stern Texte als ich selbst.»

Die neue Schaltzentrale im Universum von Adrian Stern ist Bastelhausen. Hier im Dachstock des dreistöckigen Hauses der Sterns in Baden befand sich nicht nur Adrians Bubenzimmer, hier hat er sich auch mit einem Arsenal von Keyboards, einem Flügel und Gitarren ein Heimstudio eingerichtet. Hier steht neuerdings auch ein Schlagzeug, dessen Spiel er sich selbst aneignet. Hier ist aber vor allem auch das neue Album «Meer» entstanden.

Stern erfindet sich auch unter neuen Vorzeichen nicht neu. Seine melodische Sprache bleibt sofort erkennbar. Neu sind eine Prise Humor und Wortspielereien wie «Meer schaffed das» und der DJ BoBo-Tribute-Song «Chumm Adi Dance mit mir» («Somebody Dance With Me»). Verschwunden sind dagegen die elektronischen Sounds, die noch das letzte Album bestimmten. Gut so. Stattdessen konzentriert er sich auf seine Kernkompetenz. Auf das Kreieren von Liedern, von intimen Schmankerl in einem akustischen, leicht bekömmlichen Gewand. Auf das Erzählen von Geschichten voll von Träumen und Sehnsüchten. «Etwas anderes kann ich gar nicht. Das muss ich machen, unabhängig davon, ob das gerade trendy ist oder kommerziellen Erfolg verspricht», sagt Stern.

Do-it-yourself ist die neue Losung der Zeit. «Es fühlt sich gut an, meine Ideen selbst zu verwirklichen und zu verantworten. Ich bin heute Musiker mehr denn je und fühle mich nicht mehr im Dienst von jemanden anderem», sagt Stern, «es ist das Beste, was mir passieren konnte». Die doppelte Trennung sieht Stern auch nicht mehr als Rückschritt. Es ist die grosse Befreiung.

Adrian Stern: Meer (6003 Records). Erscheint am 26. Februar. Ab 3. März bei «Sing meinen Song» auf dem TV-Sender 3+. Tourstart 26. März Nordportal Baden. Allfällige Verschiebungen siehe Homepage.