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POLITTHRILLER: Schwarzweissmalerei

Theaterintendant und Afrika-Kenner Christoph Nix verquickt alten und modernen Kolonialismus in Uganda mit der Ermordung Olof Palmes. Das liest sich spannend, ist aber komplex und plakativ.
Autor und Theaterintendant Christoph Nix. (Bild: Dieter Langhart (6.3.2017))

Autor und Theaterintendant Christoph Nix. (Bild: Dieter Langhart (6.3.2017))

Wie ist die Welt doch einfach: hie weiss, da schwarz; hie hilfsbereit, da korrupt; hie Misanthrop, da Misere. Wenn es doch nur so einfach wär. Christoph Nix, umtriebiger und streitbarer Noch-Intendant am Theater Konstanz, kennt Afrika gut. Er lebte und arbeitete in Uganda, er verband Konstanz und Afrika übers Theater, dazwischen nimmt er seine kulturelle Verantwortung ernst und widmet sich der schönen Literatur. Aber schön ist es nicht, wenn Liv ­Ut­stedt, eine engagierte schwedische Ärztin im Dienste einer NGO, umgebracht wird und Oanda und Momba, zwei einfache Soldaten in Kampala, die Schuldigen finden sollen – mit einem Jeep ohne Benzin und einem Computer ohne Bildschirm und in einer dreckigen, lauten Stadt, die so voller Widersprüche ist.

Christoph Nix legt in seinem Kriminalroman «Muzungu», seinem dritten Buch, viele Spuren aus, nicht nur für Kampalas erste Mordkommission, und zeitlich springt er vor und zurück. Das ­erhöht zwar die Spannung beim Leser, vermindert aber den Überblick.

Klare Rollenverteilung bei Schwarz und Weiss

Und was Autor Nix alles in sein Buch packt, denn der wichtigen Themen, der fatalen Spätfolgen des Kolonialismus sind so viele: Im Norden werden Kinder verschleppt und wird Gold aus dem Kongo geschmuggelt, die korrupte Elite bereichert sich schamlos, Willkür herrscht statt Recht, Hilfsgelder werden veruntreut. Liv Ut­stedt hat Beweise, darum wird sie umgebracht. Nackt und erdrosselt liegt sie im Haus des schwedischen Kulturattachés.

«Die Tragödien Afrikas bestehen in der Fortsetzung der kolonialen Politik. Die schwarzen Herrscher haben die Unterdrückungsformen der Weissen übernommen. Opfer sind zu Tätern geworden.» Das schreibt Philipp Lang in der Vorrede, ein Chirurg, der kurz vor Ende des Romans von seinen Plänen für eine Universität und eine Liv-Utstedt-Stiftung erzählt. Das Ende, die Auflösung des Falls, ist dem Genre geschuldet: Es kommt gar abrupt daher und vermag nicht zu überzeugen.

Christoph Nix verquickt den erfundenen Mord raffiniert mit der Ermordung des schwedischen Premierministers Olof Palme 1986. Damals hatte Liv Ut­stedt eine Affäre mit Yakob Aseveni, der mit seiner Frau Jane vor dem Bürgerkrieg nach Schweden geflohen war, später nach Uganda zurückkehrte und die Macht übernahm. Die Ähnlichkeit mit Ugandas Präsident Yoweri Museveni, der Idi Amin gestürzt hat, und seiner Frau Janet ist gewollt.

Starke Weltretterin, blasse Nebenfiguren

Der Autor hat sich eine schwierige Aufgabe gestellt: gleichzeitig einen spannenden Politthriller und über Afrika zu erzählen. Das kann nicht gutgehen. Die zwei Ermittler Oanda und Momba samt ihrem Umfeld zeichnet Nix ­lebendig und liebenswürdig, selbstbewusst und idealistisch; auch die First Lady, eine beinharte Evangelikale, wirkt glaubhaft. Die Nebenfiguren jedoch bleiben blass, blutleer und dienen Nix bloss als Träger seiner Erzähl­absichten. Des Autors Sympathie gilt nicht den privilegierten Weissen, nicht den Diplomaten und Entwicklungshelfern, die in Afrika eher Probleme schaffen, als sie zu lösen. Sie gilt Liv Utstedt, die Olof Palme bewunderte und die Welt verändern wollte.

Dieter Langhart

Lesungen

Mi, 25.4.: Theater Konstanz

Sa, 28.4.: Überlingen

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