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«Poetry Slam war mein Ventil»

Der Schaffhauser Gabriel Vetter ist so etwas wie der Schweizer Grossvater des Poetry Slam. Vor seinem Auftritt am Luzerner Spoken-Word-Festival Woerdz erinnert er sich an seine Anfänge.
Julia Stephan

Der Schaffhauser Gabriel Vetter ist so etwas wie der Schweizer Grossvater des Poetry Slam. Vor seinem Auftritt am Luzerner Spoken-Word-Festival Woerdz erinnert er sich an seine Anfänge.

Gabriel Vetter, vor zehn Jahren war der Schweizer Poetry Slam eine Szene im Untergrund, und Sie waren ihr Star. Heute füllt man Hallen. Was ist passiert?

Darüber habe ich mich kürzlich mit der Slampoetin und aufstrebenden Comedy-Frau Hazel Brugger unterhalten. Brugger steckt momentan in einer ähnlichen Situation wie ich vor zehn Jahren. Damals wurde ich, von der Poetry-Slam-Szene kommend, plötzlich von einer breiteren Öffentlichkeit wahrgenommen. Slam-Bühnen waren zu jener Zeit noch Off-Spaces am Rand des regulären Literaturbetriebs. Dort trieben sich Leute herum, die mit dem Literaturbetrieb nichts zu tun hatten. Das machte diese Orte aber so spannend.

Ist das heute noch so?

Ich glaube, man findet dieselbe kreative Energie heute auch im Bereich Hip-Hop und in der Stand-up-Comedy-Szene.

Besuchen Sie noch Slams?

Ja, ab und an, aber nicht mehr so oft. Vor der Premiere meines ersten Comedy-Programms «Hobby» habe ich in Winterthur allerdings mal wieder bei einem vorbeigeschaut. Lauter junge Leute um die zwanzig performten da. Die Beiträge waren derart überzeugend, dass ich mich zum Schluss gefragt habe: Wer seid ihr eigentlich?

Hätte ich Sie vor fünf Jahren gefragt, ich weiss nicht, ob Sie so gut auf die Slam-Szene zu sprechen gewesen wären.

Ja, meine Liebe zur Slam-Szene kommt. Aber ich war und bin mit dieser Skepsis nie allein gewesen. Ein Teil der Slammer sagt sich nach zwei, drei Jahren von der Szene los, macht mal Pause, kommt vielleicht wieder. Andere haben dieses Format nie angezweifelt, sind ihm durchgehend treu geblieben. Etrit Hasler und Patrick Armbruster leisten mit ihrer Basisarbeit seit über fünfzehn Jahren wahnsinnig viel für den Erhalt dieser lebendigen Szene.

Würden Sie im Nachhinein sagen: Erst der Erfolg als Slammer hat mich zum Bühnenkünstler gemacht?

Poetry Slam war ein Ventil für mich. Aber ich hätte auch ein anderes für mein Mitteilungsbedürfnis gefunden. Viel erstaunlicher und herrlich finde ich rückblickend, dass die engsten Freundschaften, die ich in meinem Leben geknüpft habe, in der Slam-Szene entstanden sind. Wenn Sie wie ich mit 19 Jahren als Schaffhauser Landei in eine Stadt wie Basel kommen und nicht der soziale Ausgehtyp sind, finden Sie in der Slam-Szene mit ihrer klaren Rollenverteilung Anschluss und Sicherheit.

Die Slam-Szene war für Sie ein Familienersatz?

Kürzlich war ich an einem Slam-Festival in Rio de Janeiro. Da sassen alle zusammen: Argentinier, Brasilianer, Polen und Mexikaner. Trotz Sprachbarriere fühlte ich mich nach zwei Stunden wie zu Hause. An dieser Dynamik hat sich bis heute nichts geändert. Bei aller Exzentrik: Auf Poetry Slams treffe ich immer noch vernünftigere, schlauere und coolere Leute als in vielen anderen Bereichen des Kulturbetriebs.

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