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Plötzlich geschieht Unheimliches im Vorarlberg

Vor hundert Jahren wollte Vorarlberg der Schweiz beitreten. Zwei Theaterstücke nehmen das Thema am Vorarlberger Landestheater in Bregenz phantasievoll auf.
Rolf App
Skuriles aus dem Vorarlberg im Landestheater. (Bild: Anja Köhler)

Skuriles aus dem Vorarlberg im Landestheater. (Bild: Anja Köhler)

Kurz nach Rheineck über die Brücke, dann einen unbemannten Grenzübergang passieren, und schon ist man da: in Vorarlberg. Die Strassenschilder sehen ein wenig anders aus, aber sonst herrscht auffällige Ähnlichkeit zu den Verhältnissen auf der andern Seite der Grenze. Das haben sich im Mai 1919 auch die Vorarlberger gesagt – und sich in der Notsituation des Kriegsendes mit einer satten Mehrheit von 80.7 Prozent für einen Beitritt zur Schweiz ausgesprochen.

Mit «Der 27. Kanton» ist deshalb ein Abend am Vorarlberger Landestheater überschrieben, der dieses Ereignis aus zweierlei Sicht spiegelt, allerdings ohne daraus ein Historiendrama zu machen. Der Österreicher Thomas Arzt und der Schweizer Gerhard Meister haben das Wechselbedürfnis der Vorarlberger zum Anlass genommen, in zwei Theaterstücken Heimat zu thematisieren, und das Programmheft bietet reichlich zusätzlichen Stoff. Etwa zwei Texte des Kabarettisten Georg Kreisler. Im einen bittet er die österreichische Regierung, zu seinem kommenden 75. Geburtstag von Geburtstagsgratulationen abzusehen; er sei im März 1938 automatisch deutscher Staatsbürger geworden, und man habe in seinen Pass, den er immer noch besitze, einen Judenstempel gemacht.

Was will denn dieser Landvermesser?

Die Nation sei keine Haut, sondern ein Hemd, sagt Gerhard Meister. In seinem Stück «Lauter vernünftige Leute», in dem die Schauspieler grösstenteils als Chor auftreten, wechselt Vorarlberg gleich mehrmals das Hemd, immer mit voller Überzeugung und aus guten Gründen – und wird vom Schweizer im Ensemble, Luzian Hirzel, jeweils freundlich begrüsst oder mit Bedauern verabschiedet. So kommt es 1919 zur Schweiz, 1938 zu Deutschland, 1945 wieder zur Schweiz, und die guten Gründe sind: In Wien regieren die Juden und Kommunisten. Ausserdem: Das Land heisst ja Vorarlberg und nicht Hinterarlberg. Es ist kein besonders schmeichelhaftes Landesporträt, das Meister da zeichnet, aber über weite Strecken unterhaltsam und manchmal auch erhellend. Etwa wenn einer aus der rot-weiss-rot gewandeten Truppe davon träumt, nicht mehr Österreicher zu sein, sondern Kunde eines total überzeugenden Mobilfunkanbieters. Doch abgesehen von solchen überraschenden Eskapaden und einigem Wortwitz wird Meisters Stück mit der Zeit doch allzu vorhersehbar.

Rätsellhaft bis zum Schluss

Das ist bei «Die Verunsicherung» von Volker Arzt nicht der Fall. Sein Stück besticht durch leicht kafkaeske Unheimlichkeit und bleibt rätselhaft bis zum Schluss. Da taucht der Vermesser Nathanael (Luzian Hirzel) eines Tages aus dem Nichts auf. Was will der Mann, fragen sich die Wirtin Uschi (Rahel Jankowski) und ihre Gäste Marianne (Bo-Phyllis Strube), Michel (Felix Defèr) und Gsiberger (David Kopp). Die kühnsten Antworten kommen von der dementen alten Roswitha (Elke Maria Riedmann), die dann zum Ende hin Carolin Mittlers ebenso schlichte wie überzeugende Bühne überall mit der Inschrift «Erinnere dich Vorarlberg» versieht. Nathanael weiss selber nicht, wer ihn geschickt hat, Strassen werden gesperrt, es wird gegraben. Unheimliches geschieht, und die Regisseurin Patricia Benecke setzt es unheimlich in Szene. Bei der Rückfahrt über nächtlich verlassene Strassen ist Vorarlberg dann wieder so, wie man es gewohnt ist. Kein Landvermesser weit und breit, und nichts gesperrt.

bis 18.4., Landestheater Vorarlberg Bregenz

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