Plattentaufe mit Goldacher Pyrit

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Musik Ist der Mensch mit einem digitalisierten Gehirn noch Mensch? Solche Fragen stellt der St. Galler Künstler Pyrit auf seinem neuen Album «Carol». Am Samstag tauft er es im Palace. Der in Goldach aufgewachsene Thomas Kuratli lebt seit 2013 in Paris. Eigentlich habe er dort Film studieren wollen, habe aber gemerkt, gute Geschichten funk-tionierten auch ohne Bild. Zu Beginn habe er nicht mal Französisch gesprochen, nur der Liebe wegen sei er an der Seine gestrandet. In Paris habe er sich in der Musik verloren, und aus Thomas Kuratli ist die Kunstfigur Pyrit geworden. Unter diesem Namen veröffentlichte er 2015 sein Début «Ufo». Diese Woche ist nun sein zweites Werk «Control» erschienen. Das neue Album klingt noch elektronischer als sein Vorgänger. «Es ist eigentlich Filmmusik ohne Film», sagt der Filmemacher, der seine Kamera mittlerweile gegen Musikinstrumente eingetauscht hat.

Wiederum ist es eine Reise in die Schwerelosigkeit des Universums und in die Gefühlswelt der Menschen. Oder besser: eine Reise in den Maschinenraum des Menschen. Wir Menschen verliessen uns zu fest auf das Digitale und verlören den Fokus auf das Analoge, sagt Kuratli. Ein zentrales Thema: «Wenn unser Hirn in Zukunft digitalisiert wird, stellt sich die Frage, ob wir dann noch Menschen sind oder lediglich eine Software, ein Algorithmus.»

Die Hörer sollen sich als Protagonisten in einem grossen Game, im Weltall oder einem digitalisierten Gehirn wiederfinden. «Control» sei eine Konfrontation mit der Welt, in der wir leben und in Zukunft leben wollen. «Control» ist nicht nur in Paris entstanden, es klingt auch nach Paris. Kuratli hat in der Stadt Geräusche aufgenommen, wie Metalltüren oder die Metro, und bis zur Unkenntlichkeit, ja «kaputt» verfremdet. Entstanden ist eine eigene Welt, eine Architektur der Töne.

Philipp Bürkler

philipp.buerkler@tagblatt.ch

Hinweis

Plattentaufe: Sa, 7.4., 21 Uhr,

­Palace St. Gallen