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Sängerin Pink: «Ich bin sicher nicht die Hübscheste, aber eine ausgezeichnete Pop-Handwerkerin»

Mit knapp 40 Jahren scheint sich Pink mit dem Leben versöhnen zu wollen. So sanftmütig und ­zuversichtlich wie auf dem Album «Hurts 2B Human» klang die Amerikanerin noch nie.
Steffen Rüth
Pink wird im September 40 und freut sich auf das Lebensjahrzehnt, «von dem meine Freunde sagen, es sei das coolste und entspannteste». (Bild: Andrew MacPherson)

Pink wird im September 40 und freut sich auf das Lebensjahrzehnt, «von dem meine Freunde sagen, es sei das coolste und entspannteste». (Bild: Andrew MacPherson)

«Maybe I’m just scared to be happy», singt Pink im Refrain von «Happy», «vielleicht habe ich einfach nur Angst vorm Glücklichsein», und jedes Mal, wenn sie es versuche, stehe sie sich wieder selbst im Weg. Weiter spricht sie in dem Stück darüber, ihren Körper zu hassen, seit sie 17 ist, und bei so ziemlich jedem Therapeuten der Welt gewesen, aber einfach zu zynisch zu sein, um sich mit ihren Gefühlen auseinanderzusetzen. Immerhin:

«Seit ich 22 bin, bin ich mit jemandem zusammen, der mich liebt, und ich versuche daran zu glauben, dass diese Liebe wahr ist. Doch mein Kopf wirbelt mein Herz immer wieder durcheinander, da kann ich machen, was ich will.»

Die Musik dazu ist wunderbar ­unaufdringlich, einfach eine akustische Gitarre, kein Lärm, kein ­Zinnober, im Mittelpunkt Pinks Stimme und ihre intimen Bekenntnisse.

Aus einer zerrütteten Familie

Man dürfte, in diesen Zeiten der auch musikalisch oft oberflächlichen Bedürfnisbefriedigung, nicht viele Alben finden, die einen so nah ranlassen an den Menschen hinter der Musik wie Pinks achtes Studiowerk «Hurts 2B Human».

Offen zu sein, bis es weh tut, war immer schon ihr Quasi-Alleinstellungsmerkmal unter den Popweltstars der letzten ein bis zwei Jahrzehnte – Pink hat 60 Millionen Alben verkauft, drei Grammys gewonnen, einen Stern auf dem «Walk of Fame» erhalten und nimmt pro Konzert gut drei Millionen Euro ein. Man erinnere sich etwa an ihr sehr persönliches Album «M!ssundaztood» aus dem Jahr 2001, auf dem sie kaum etwas ausliess, von zerrütteten Familienverhältnissen («Family Portrait»), dem Verlassen des Elternhauses in Doylestown, Penn­sylvania, bis zu frühem Drogenkonsum und dem Abhängen mit fragwürdigen Gestalten als junger Teenager.

Später dann nahm das Mädchen, das im Gegensatz zu Jungstars wie Billie Eilish oder Shawn Mendes aus keinem privilegierten Elternhaus stammt, die Kurve und kämpfte sich nach vorn.

«Ich verkaufe keinen Sex», sagte sie jüngst. «Ich verkaufe kein Parfüm. Ich bin sicher nicht die Hübscheste. Aber ich habe genug Talent für diesen Job, ich trainiere hart und ich bin überzeugt, dass ich eine hervorragende Pop-Handwerkerin bin.»

Schmerzhaft ehrlich und voller Selbstzweifel

Und noch eine Eigenschaft macht sie besonders. «Ich bin schmerzhaft ehrlich», so Pink, die als ­Alecia Moore zur Welt kam.

«Ich kann gar nicht anders. Ich bin miserabel darin, jemandem etwas vorzuspielen. Und ich bin tatsächlich eine notorische Zweiflerin.»

Mit dieser Haltung, so ihre Überzeugung, stehe sie freilich nicht allein. «Ich kenne wirklich niemanden, der sich seiner selbst oder auch seiner Beziehung zu hundert Prozent sicher ist. Es gibt Phasen, die sind verflucht hart. Phasen, in denen du alles hinterfragst. Das wird sich auch nie ändern.»

Pink ist – mit zwei kurzen Unterbrechungen – seit 18 Jahren mit dem Motocross-Fahrer Carey Hart zusammen, 2006 haben die beiden geheiratet, das Paar hat zwei Kinder: Tochter Willow, 7, und Sohn Jameson, 2. Wer Pink in den sozialen Medien folgt, bekommt den Eindruck einer fast normalen, viel reisenden Familie. Bloss, dass Mummy einen Job hat, bei dem sie abends dann vor Zehntausenden von Leuten an Seilen durch die Gegend saust und Welthits singt.

Pink wird im September 40 und freut sich auf das Lebensjahrzehnt, «von dem meine Freunde sagen, es sei das coolste und entspannteste». Der aufrichtige, ernsthafte, ja erwachsene Ton zieht sich durch das neue Album. Kein Vergleich mit dem vor anderthalb Jahren erschienenen «Beautiful Trauma», das von der volatilen Liebe zu Carey geprägt ist.

Auf «Beautiful Trauma» hadert und schimpft Pink deutlich mehr, auch musikalisch ist der Vorgänger wüster. «Kämpfe und Auseinandersetzungen», weiss Pink, «sind ein entscheidender Bestandteil des Lebens. Ich war nie gut darin, in so einem sanften, harmonischen Flow durchs Leben zu schweben.»

Ein bisschen bieder

Doch mit dem neuen Album scheint sie den Versuch zu starten. Zum Beispiel im Titelsong, einem Duett mit Khalid. Zu ruhigem Beginn und mit sich langsam steigernder Intensität beschreibt Pink das Szenario einer Zweisamkeit, die nicht frei von Fehlern ist, aber in entscheidenden Momenten halt nicht zerbricht – sondern hält. Auch in «Walk Me Home» geht es um Geborgenheit, um das Gefühl, sich auf den anderen verlassen zu können («Say you’ll stay with me tonight/ Cause there’s so much wrong, going on»). Das ist vielleicht bieder und nicht besonders Rock’n’Roll, aber es ist nun mal die Realität. Pink: «Auch ich bin ruhiger geworden. Etwas.»

Und so räumt sie im abermals entspannt-unaufgepeppten «My Attic» die Leichen im Keller auf («sober plans and one-night stands»), und das melancholische «90 Days», eine Kollaboration mit dem Singer/Songwriter Wrabel (auch er eine Entdeckung), geht richtig an die Nieren, so schön ist dieses Lied. Ja, und «Love Me Anyway», das Pink gemeinsam mit Country-Kerl Chris Stapleton singt, legt Vergleiche zu Gaga-Coopers «Shallow» aufs sprichwörtliche Silbertablett.

Überfordert von den schlechten Nachrichten

Die Politik bleibt bei Pinks introspektiven Offenbarungen aussen vor, nur im pulsierenden «Can We Pretend» (featuring Cash Cash) singt sie die hübsch-fiese Zeile «Can we pretend that we both like the president», während das hymnische «Courage» als Ermunterung an all die jungen Menschen verstanden werden könnte, die sich nichts mehr gefallen lassen.

«Die Nachrichten, die ganze Welt, das überfordert mich manchmal. Oft will ich mich nur noch in irgendeiner Ecke verstecken, weil ich das alles nicht mehr hören und ertragen kann.»

Auch keine Dauerlösung. «Und deshalb begeistern mich die jungen Menschen, die auf Demos marschieren. Das gab es zu meiner Zeit nicht. Die jungen Leute wollen an den Entscheidungen, die sie am stärksten betreffen, beteiligt werden.»

Ein paar schnelle Nummern gibt es auf «Hurts 2B Human» auch, «Hustle» ist eine coole Verbeugung vor dem Motown-Soul. Und das aus der Max-Martin-­Hitbäckerei stammende «(Hey Why) Miss You Sometime» kann auch auf Hip-Hop-Partys laufen. «Ich wollte nie in einer Schub­lade stecken. Denn dort bist du ­gefangen.»

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