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Philosophen geben sich Saures

Ende Woche treffen in Toronto die beiden Philosophen Slavoj Zizek und Jordan Peterson in einer öffentlichen Debatte aufeinander. Vorbild sind ähnliche verbale Duelle von Denkern aus der Vergangenheit.
Christoph Bopp
Der kanadische Psychologe Jordan Peterson. Foto: Getty Images

Der kanadische Psychologe Jordan Peterson. Foto: Getty Images

Der slowenische Philosoph und Theoretiker Slavoj Zizek.

Der slowenische Philosoph und Theoretiker Slavoj Zizek.

Was könnte es Erhabeneres geben, als über das Glück zu diskutieren? Gut, wenn es im Rahmen von «Marxismus vs. Kapitalismus» geschehen soll, ist die Idee vielleicht weniger verlockend. Aber die Annahme ist berechtigt, dass der Rahmen für die beiden Teilnehmer an der Diskussion so oder so zu eng ist und sie ihn so schnell wie möglich verlassen wollen. Denn so viel ist klar: Das Thema der Diskussion ist weit weniger wichtig als die Diskussion selbst. Der agonale Anlass lockt, sie wollen es einander geben.

Auch auf dem Pausenplatz stellt sich die Frage: Wer hat angefangen? Und dann muss man wohl sagen: Slavoj Zizek, der streitbare slowenische Welt-Philosoph, wars. Er hat den Psychologie-Professor der Universität Toronto, Jordan B. Peterson, herausgefordert, indem er ihn auf Podiumsveranstaltungen hart kritisierte. Aber es war Peterson, bisher eher als Youtube-Star hervorgetreten denn als scharf denkender Intellektueller, der ihn zum Kampf in der Arena gefordert hat, die er selber liebt: Vor Kameras auf einer Bühne. Und so treten die beiden denn am 19. April im Sony Centre von Toronto gegeneinander an. Die Veranstaltung ist ausverkauft, Tickets gibts nur noch auf dem Schwarzmarkt und selbst der Live-Stream soll 15 Dollar kosten.

Feuerhaken und Einsteins Uhr

Wenn Philosophen aufeinander losgehen, hat das immer einen gewissen Unterhaltungswert. Immerhin soll Wittgenstein 1946 in Cambridge Karl R. Popper mit dem Feuerhaken bedroht haben, als der nicht locker liess, dass es wirklich philosophische Probleme gäbe. Die Konfrontation ist authentisch, der Feuerhaken weniger. Weniger aggressiv, vielmehr süffisant, putzte Albert Einstein 1922 Henri Bergson ab, mit dem er über die Zeit diskutierte. «Es gibt keine Zeit für Philosophen», beschied er, nur das, was wir mit einer Uhr messen könnten. Bergson hatte sich elegante Gedanken über den Begriff der «Dauer» gemacht, die natürlich darauf beruhten, dass Zeit etwas ist, das mit persönlichem Erleben eng verknüpft ist.

1929 in Davos diskutierten Martin Heidegger und Ernst Cassirer. Man begegnete sich würdevoll, die Situation erhielt noch mehr Ernst durch das, was kommen sollte. Heidegger trat der NSDAP bei und der Jude Cassirer emigrierte. Das Vorbild für den Showdown von Toronto war aber die TV-Diskussion zwischen dem französischen Philosophen Michel Foucault und dem amerikanischen Sprachwissenschafter Noam Chomsky 1971 in Holland. Es ging um die «Natur des Menschen». Für Chomsky war der Mensch mindestens als sprachliches Wesen «vorprogrammiert», die «Universalgrammatik» garantiert, dass jeder Mensch jede beliebige Sprache lernen kann.

Keine sachliche Debatte erwartet

Foucault interessierten mehr die Einflüsse der Gesellschaft auf den Menschen. Die Debatte verlief sehr sachlich, die beiden Denker waren durchaus zugänglich für die Argumente ihres Gegenübers, aus ihr ist durchaus auch viel zu lernen. Von der Paarung Zizek-Peterson ist in dieser Beziehung wenig zu erhoffen. Beide dürften daran Schuld tragen. Zizek, weil er einem etwas erratischem Philosophieren huldigt, und Peterson, weil ihm schlicht die denkerische Tiefe fehlt. Den Zorn Zizeks hatte er erregt, weil er den «Marxismus» (die Anführungszeichen sind berechtigt) für hauptschuldig hält an der Wertekrise des Westens. Den Vorwurf hat man schon derber gehört: E seien «die versifften 68er».

Er hält es mit C.G. Jung und seinen Archetypen, sie hält er für «zugrunde liegende mythologische Gemeinsamkeiten», die unser Wissen konstituieren. Und dieses tiefe Wissen weist uns den Weg aus dem Bekannten (das uns der Mythos zeigt) ins Unbekannte (das sein soll). Wie immer, wenn tief in der Seele gegraben wird, kommen dunkle Sachen hervor. Gehuldigt wird dem, «was immer schon war», Hierarchien, Männlich-Autoritäres (der Mann ist Ordnung, die Frau ist Chaos) und Heroisch-Beharrendes. «Leben ist Leiden», wie Peterson das mit dem Glück zusammen bringt, darauf dürfen wir gespannt sein.

Slavoj Zizek ist - wie Peterson, der rhetorisch in den Videos auch besser ist, als er schreibt, - durchaus auch ein Mann des zugespitzten oder spitzen Wortes, aber in seinen Büchern bekommt man oft differenziertere Aufschlüsse als aus Petersons Ur-Gemurmel. Und was den Marxismus betrifft: In der Marxschen Kritik des Kapitalismus sei eben der Sozialismus, der nach ihm kommen sollte, nicht enthalten. Was «Sozialismus» sei, wisse heute eben keiner. Und das Wichtigste, was man vom Kapitalismus wissen müsse, sei seine erstaunliche Ver- und Anwandlungsfähigkeit. Davon sei die Linke überfordert. Die Gender- und MeToo-Aufregung hält er - wie Peterson, aber aus anderen Gründen - für einen Ablenkungs-Hype.

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