Peter Esterhazy, Ungarns Meister der Ironie, ist tot

Der ungarische Schriftsteller Peter Esterhazy ist im Alter von 66 Jahren in Budapest gestorben. Esterhazy litt an Bauchspeicheldrüsenkrebs, wie er im vergangenen Oktober bekanntgab. Er unterzog sich einer Chemotherapie und ging mit seiner tödlichen Krankheit nach aussen hin gelassen um.

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Der ungarische Schriftsteller Peter Esterhazy ist im Alter von 66 Jahren in Budapest gestorben. Esterhazy litt an Bauchspeicheldrüsenkrebs, wie er im vergangenen Oktober bekanntgab. Er unterzog sich einer Chemotherapie und ging mit seiner tödlichen Krankheit nach aussen hin gelassen um. Bis zuletzt trat er in der Öffentlichkeit auf, so im Juni an der Budapester Buchwoche. Am Donnerstag verlor Ungarns Meister der Ironie seinen letzten Kampf – jenen gegen den Tod, der keine Ironie kennt.

Adelsspross im Realsozialismus

Geboren wurde er am 14. April 1950 im damals kommunistischen Ungarn. Als Bub erlebte er mit seinen Eltern die Enteignung der Familie und die Verbannung in ein entlegenes Dorf. Die adligen Esterhazys galten als Klassenfeinde. Zu ihren Vorfahren gehörten Fürsten, Kulturmäzene (Joseph Haydn war ihr Hauskomponist), hohe Geistliche und Politiker. Ihnen setzte Esterhazy in «Harmonia Caelestis» (2001) ein ironisches Denkmal.

Der Adelsspross studierte zunächst Mathematik, arbeitete als EDV-Techniker in der sozialistischen Industrie und wandte sich 1978 der Schriftstellerei zu. Mit dem «Produktionsroman» (1979), einer sarkastischen Betrachtung der Arbeitswirklichkeit im Realsozialismus, schaffte er den Durchbruch. In der Folge entwickelte er einen sehr persönlichen Stil, getragen von feiner Ironie und beziehungsreichen Anspielungen. Sein Thema war die von Brüchen geprägte Geschichte Mittelosteuropas, in der sich stets irgendwie seine eigene Geschichte spiegelte.

Meistgedruckter Ungar

Mit 24 Übersetzungen ins Deutsche ist Esterhazy der bisher am meisten gedruckte zeitgenössische ungarische Autor im deutschen Sprachraum. Neben der «Harmonia Caelestis» zählen dazu unter anderen «Kleine ungarische Pornographie» (1997), «Donau abwärts» (1992) und zuletzt «Die Mantel- und Degen-Version» (2015) und «Die Markus-Version» (2016). Esterhazy war Mitglied der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung in Darmstadt und der Berliner Akademie der Künste. 2004 erhielt er den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels. (sda)