PERFORMANCEKUNST: Kunst zum Mitmachen

Das Kunsthaus Zürich zeigt bis Ende Juli «Action!». Ein weitschweifiger, interaktiver Blick auf Geschichte und Gegenwart der Aktionskunst. Begleitet wird er von zahlreichen Live-Aktionen.

Brigitte Schmid-Gugler
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Sandalen für den Ausstellungsbesuch: Eine Installation der Künstlerin Mounira Al Solh zur Schau «Action!» im Kunsthaus Zürich. (Bild: Caroline Minjolle)

Sandalen für den Ausstellungsbesuch: Eine Installation der Künstlerin Mounira Al Solh zur Schau «Action!» im Kunsthaus Zürich. (Bild: Caroline Minjolle)

Brigitte Schmid-Gugler

brigitte.schmid@tagblatt.ch

Auf Anhieb fühlt man sich in Kindertage versetzt. Die Zoggeli! Wie ein noch nicht ganz synchronisierter Stepp hatte das jeweils geklungen, wenn die Mädels, allesamt mit Holzsohlen an den Füssen, durch den Mittelgang zu ihren Bänken oder zum nickenden «Negerbüblein», dem Kässeli für hungernde Kinder in Afrika auf dem Nebenaltar, schritten. Und mitten drin sind wir in einer «Never ending Story»: Ein ganzes Gestell von Zoggeli stehen gleich rechts beim Eingang in die Ausstellung bereit. In allen Grössen. Man wird dazu eingeladen, die eigenen Schuhe auszuziehen und sie gegen die bereitgestellten Holzschlarpen auszutauschen.

«Clogged», also ungefähr gezoggelt, nennt die aus dem Libanon stammende Mounira Al Solh ihre Installation. Es ist ihre Art des Protestes gegen die zerstörerischen und menschenunwürdigen Zustände im Nachbarland Syrien. Die Zoggeli – auch ihre Erinnerung reicht in die Kindheit zurück – sind ihr Bedeutungsträger für Flucht und Härte: Mittels Holzsohle kann man auch auf missliebige Personen eindreschen. Mit den Zoggeli an den Füssen geht sich’s, tack, tack, takt- und geräuschvoll – vorbei an Yoko Onos Weltkarten, der Fortsetzung ihrer und John Lennons 1969 gestarteten weltweiten Kampagne. «War is over» ist und bleibt eine Aufforderung an jeden einzelnen Menschen, ein Zeichen für den Frieden zu setzen. Yoko Ono stellt Stempel mit der Aufschrift «Imagine Peace» bereit. Ein Frösteln erzeugt die Arbeit des französischen Tänzers und Choreografen Boris Charmatz, der für dieses Projekt mit dem niederländischen Installationskünstler Aernout Mik zusammenspannt. In den zwei parallel laufenden Filmen «Daytime movement», in denen eine Gruppe Menschen scheinbar absichtslos agiert, jagen Bilder von Terrorakten und roher Gewalt wie Blitze durch den Kopf der Betrachtenden.

Man braucht viel Zeit für die 32 Kunstpositionen umfassende, zurück- und in die Gegenwart blickende interaktive Ausstellung (auch Dieter Meier und Valie Export sind vertreten). Es lohnt sich, mehrmals hinzugehen, und bei einem der Besuche vielleicht das Glück zu haben, der Opernsängerin zu lauschen, die rezitativisch anonyme Online-Kommentare von Youtube live interpretiert.

Kunsthaus Zürich, bis 30.7.; Programm zu Live-Performances: action.kunsthaus.ch; ein Ticket berechtigt zu zwei Eintritten.

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