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Neues Performancefestival im Akku lotet den Reiz des leeren Raums aus

Das Festival Eile mit Weile in der Kunstplattform Akku in Emmenbrücke möchte Performancekunst einem breiteren Publikum schmackhaft machen. Unter anderem mit Wurst und Bier oder einer Sekundarschulklasse.
Céline Graf
Auf der Suche nach Gleichzeitigkeit: die Performance «Waves» von Mio Chareteau kommt ans Festival. (Bild: Lee Li/PD, 2014)

Auf der Suche nach Gleichzeitigkeit: die Performance «Waves» von Mio Chareteau kommt ans Festival. (Bild: Lee Li/PD, 2014)

Langweilig oder anregend? Auf alle, die ihn betreten, wirkt er anders, wenn er so leer und nackt daliegt: der grosse, asymmetrische Ausstellungsraum in der Kunstplattform Akku.

Momentan stehen die Chancen gut, an diesem Ort in der Nähe des Bahnhofs Emmenbrücke ab und zu geschäftige Kunstschaffende anzutreffen. Sie vermessen den Boden, umrunden die Säulen in der Mitte des Raumes oder spannen Seile von der einen weissen Wand zur anderen. Zwischen dem 4. und dem 18. Mai nimmt das Festival Eile mit Weile das Akku in Beschlag. An drei Wochenenden zeigen um die 30 Performerinnen und Performer ihre Arbeiten.

Manchmal muss man mitmachen

Die flüchtige Performancekunst lebt stark von der Livesituation und vom Medium Körper. Sie ist spontaner und interaktiver, weniger erzählerisch als Theater oder Tanz. Manchmal bewirkt sie Verwirrung, Fremdscham oder Empörung. Oft muss man ein wenig oder sehr mitmachen statt nur zuschauen.

Wohl deshalb hat sie, ausser bei ihren Stars wie Marina Abramović, eher Mühe mit der Massentauglichkeit. Doch Lena Friedli, Kuratorin des Akku sagt:

«Eile mit Weile soll auch Publikum ausserhalb der Szene ansprechen. Man kann sich bei uns spielerisch an die Performance heranwagen.»

Friedli und die Performancekünstlerin Judith Huber, die im Akku-Haus ihr Atelier hat, organisieren das Festival zusammen. Es läuft im Rahmen des Innerschweizer Kulturprojekts «Die andere Zeit» der Albert Koechlin Stiftung.

Ob da das titelgebende Spiel Eile mit Weile gespielt werden kann, ist noch unklar. Klar ist: Ins Foyer gelockt wird die Kunstkundschaft zunächst ganz banal, mit Essen. In einer selbstgezimmerten Herberge servieren die Künstlerinnen a&a Popcorn, Wurst, Bier und Himbeerbomben. Auch das ist Performance.

«Sobald eine Handlung ein Publikum hat und von den Künstlern selbst als Performance deklariert wird, ist es eine Performance.»

Das sagt Judith Huber. Sie hat letztes Jahr den Schweizer Performancepreis gewonnen mit einer Aktion, in der sie zwei Holzbretter auf den Schultern balancierte.

Performance gegen Reizüberflutung

Besonders ansprechen möchte das Festival zudem ein junges Publikum. Etwa über eine virtuelle Dauerperformance von Anne-Sophie Mlamali auf Instagram und Facebook oder Beiträge von Studierenden der Hochschule Luzern.

Auch Jugendliche sind im Visier. Während Kino, Museum, Theater, Lesung und Poetry Slam häufig zum Unterricht gehören, ist Performance-Früherziehung eine Ausnahme. Nicht so bei der Sekundarklasse aus dem Schulhaus Gersag 2 in Emmenbrücke: Sie zeigt eine Performance, die sie im Fach Bildnerisches Gestalten entwickelt hat. Thema ist der Zeitverschleiss am Handy. Eine Performance im leeren Raum gegen Reizüberflutung – das klingt sinnvoll.

Eile mit Weile: das Programm

(cg.) Jeden Tag um 18.55 Uhr wird Patrizio Welti zwischen dem 4. und dem 18. Mai in der Kunstplattform Akku seine Uhr in Gang setzen. Der Luzerner Kunststudent bedient eine sogenannte Klepsydra, eine Wasseruhr der alten Griechen. Das Programm unter dem Motto «Performance erzeugt ihre eigene Zeit» besteht grösstenteils aus Uraufführungen.

An drei Wochenenden treten viele bekannte Namen aus der Schweiz auf. An der Eröffnung sind etwa die Bernerin Gisela Hochuli und das Basler Duo Alexandra Meyer & Chris Hunter zu sehen (Samstag, 4. Mai, 16 Uhr). Der frisch gekürte Innerschweizer Preisträger Rochus Lussi zeigt seine Performance «on and on» (5. Mai, nachmittags). An der frischen Luft wirkt Benjamin Heller auf dem Seetalplatz (10. Mai, 19 Uhr). Mahtola Wittmer mischt sich am Helvetiaplatz unter die Passanten, und zwar beim ersten Regen während des Festivals (Zeit wird kurzfristig online verkündet). Zum Abschluss am 18. Mai performen die Sek 2a, Martin Chramosta, Lara Buffard, ALMA, Mio Chareteau und die Luzerner Frauenband NICE.

Weiter gibt es einen Spoken-Word-Abend (17. Mai, 19 Uhr) oder Führungen im leeren Raum, mal mit Audioguide, mal mit einem Kunsthistoriker.

www.akku-emmen.ch

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