Perfektionist mit Frühreife

Geburtstag der Woche

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Gerade mal 1,67 Meter klein und mit umso grösserer Nase schien er kinomässig weder zum Helden noch zum Liebhaber zu taugen. Und doch spielte Dustin Hoffman, der morgen 80 wird, beides und vieles mehr. Da gab es dramatische Rollen wie als todkranker Kleingauner in «Asphalt-Cowboy» (1969) oder als der um seinen Sohn kämpfende Vater in «Kramer gegen Kramer» (1979). Da gab es Thrillerrollen wie als Journalist im Watergate-Film «Die Unbestechlichen» oder gejagter Student in «Marathon Man» (beide 1976). Den Liebhaber gab er gleich bei seinem ersten grossen Auftritt in «Die Reifeprüfung» (1967), der ihn zum Star machte. Komödiantisches Talent zeigte er in «Tootsie» (1982), «Hook» (1991) oder «Meine Frau, ihre Schwiegereltern und ich» (2004).

Und da war noch «Rain Man». Für den Part als autistisches Genie holte er 1989 den Oscar, seinen zweiten nach «Kramer gegen Kramer». Co-Star Tom Cruise brachte auf den Punkt, was Hoffman so stark macht: «Er ist grenzenlos neugierig und tritt erst dann vor die Kamera, wenn er die ganze Wahrheit einer Figur ergründet hat.»

Zuletzt brillierte Hoffman in «The Meyerowitz Stories» als Oberhaupt einer kaputten Künstlerfamilie. Selber ist er seit 37 Jahren glücklich verheiratet. 2016 erfuhr er in einer TV-Show über Ahnenforschung von seiner jüdischen Urgrossmutter, die fünf Jahre in einem Sowjetlager lebte, nachdem ihr Mann und ihr Sohn von der Geheimpolizei getötet worden waren. Mit 62 Jahren erreichte sie die USA. «Sie war eine Heldin», sagte Hoffman. Anders als seine Eltern, die ihre Herkunft verheimlicht hatten, steht er klar zu seinen jüdischen Wurzeln. (are)