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PASSIONSSPIEL: Neckischer Teufelsbraten

Am Sonntag feiert im innerrhodischen Oberegg das Stück «Himmel+Höll» für Spielende und lebensgrosse Figuren Premiere. Der künstlerische Leiter Werner Bühlmann gehört zu den Pionieren unter den Figurenspielern in der Schweiz.
Brigitte Schmid-Gugler
Werner Bühlmanns ausdrucksstarke, aus Balsaholz geschnitzte Stabfiguren im Passionsspiel «Himmel + Höll». (Bild: PD)

Werner Bühlmanns ausdrucksstarke, aus Balsaholz geschnitzte Stabfiguren im Passionsspiel «Himmel + Höll». (Bild: PD)

Brigitte Schmid-Gugler

brigitte.schmid

@tagblatt.ch

Das Totentanz-Thema habe ihn an- und umgetrieben. Lange schon, schildert Werner Bühlmann. Nicht erst, seit es vor sechs Jahren anlässlich der Ausstellung «Lebenskunst und Totentanz» zur Begegnung mit dem Germanisten und Totentanz-Forscher Rainer Stöckli gekommen sei. Dieser setzte sich in der Folge dafür ein, dass die Premiere von «Himmel + Höll» nun in der katholischen Kirche zu Oberegg stattfinden kann.

Werner Bühlmann hatte sich an ihn gewandt mit seiner Idee des Passionsspiels für einen sakralen Raum während der Fastenzeit. «Während ersten Gesprächen begann sich das ewige Spiel um Leben und Tod thematisch aufzufächern», erzählt Werner Bühlmann nach der Generalprobe. Denn in allem Dasein und in jeder Zeit enthalten seien die Fragen von Furcht und Verdammnis, vom Dunkeln, Triebhaften, von Macht und Unterwerfung, aber auch von Verstand und Vernunft, von Glaube und Zuversicht.

Kapazität unter Schweizer Figurenspielern

In der Geschichte verwebt Bühlmann nun Elemente aus Jeremias Gotthelfs Sage «Die schwarze Spinne» mit Motiven aus dem Totentanz. Es ist eine vielschichtige, professionell und behutsam aufbereitete Inszenierung, die Gesang (Leitung: Peter Girschweiler), begleitet von Cembalo sowie teilweise solistisch und chorisch gesprochenen Szenen verbindet. Neben dem lebendigen Publikum steht das Grüppchen aus der schwarzen Spinne nicht minder aufmerksam an der Seite des Geschehens: Menschengrosse Figuren, im Wortsinn holzschnittartig, ausdrucksstark gezeichnet. Entstanden sind die aus Balsaholz geschnitzten Köpfe und Hände im Atelier des Figurenkünstlers in Zusammenarbeit mit der Tochter von Werner Bühlmann. Der 65-Jährige ist Gründer und Leiter der seit den 1980er- Jahren aktiven, erfolgreichen Tösstaler-Marionetten.

Der rülpsende Ritter von Stoffeln, sein segelohriger, hündisch grinsender Adlatus, die grossäugige, aufreizende Lindauerin Christine, der Pfarrer. Sie sind die Hauptpersonen in den szenischen Passagen um das unterdrückte und geschundene Bauernvolk im Emmental. Einige der Texte sind der Originalvorlage entnommen, andere, darunter auch Lieder, stammen aus den Federn von Werner Bühlmann und Pierre Andrey.

Ein feines Gespür für junge Talente

Nun, man muss es sagen: Der Belzebub, hier «Teufelsbraten» genannt, ist der Sunnyboy des Abends. Der junge Toggenburger Schauspielstudent Simon Keller ist ein wendig-biegsamer, verführerischer, gefährlich blendender Gehülfe aus der Unterwelt. Seine Auftritte in ellenbogenlangen grünen Handschuhen und Teufelsfratze sind ein echter Bühnenknaller. Die Begegnung zwischen ihm und der Holzfigur Christine geraten zum prickelnden Pas de deux. Das starke Spiel zeugt aber auch von der dezidierten Handschrift des Regisseurs. Er vertraute auf junge Talente und auf sein neu zusammengewürfeltes Ensemble. Der Prolog wird getragen von einem Solostück der jungen Sopranistin Samina Molfetta. Die bereits mit einem Preis beim Schweizerischen Jugendmusikwettbewerb ausgezeichnete 24-Jährige studiert momentan an der Zürcher Hochschule der Künste (ZHdK).

Dank Renommee kein Problem, Leute zu finden

Ihr zur Seite steht ein zwanzigköpfiges Team aus Spielenden, Sprechenden und Singenden, die sich eigens für diese Inszenierung zusammengefunden haben. Werner Bühlmann erzählt, wie sich die Suche nach interessierten Mitspielenden, nach Sängerinnen und Sängern wundersam ergeben habe. «Ich fragte einen mir bis dahin Unbekannten an für die Rolle des Zwingherren. Dieser erwiderte nebenbei, er sei übrigens Musiker und spiele Klavier und Orgel. Das war ein Riesenglücksfall», erzählt Bühlmann.

Der 26-jährige Matias Lanz, auch er bereits Träger von Förderpreisen, ist es zweifellos. Seine ungekünstelte, lockere musikalische Begleitung auf dem Cembalo lenkt das Stück in eine meditative Gelöstheit – selbst dann, oder sei’s drum, wenn er «S Ramseiers wei go grase» anstimmt.

Hinweis

Premiere So, 11. März, katholische Kirche Oberegg, 19.30 Uhr; 28., 29. März, 19.30 Uhr, reformierte Kirche Winterthur; Ganzer Spielplan: toesstaler-marionetten.ch

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