Panorama Dance Theater: Daheim zwitschern die Vögel

Was ist Heimat, und was macht es mit einem, wenn man die Heimat verlassen muss? Die St. Galler Kompanie Panorama Dance Theater verhebt sich mit ihrem Tanzstück «Green Green Grass of Home» an grossen Begriffen.

Julia Nehmiz
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Rakesh Sukesh, Tobias Spori und Giulia Tornarolli (von links) bauen sich Häuser und kommen doch nicht an. (Bild: Tine Edel)

Rakesh Sukesh, Tobias Spori und Giulia Tornarolli (von links) bauen sich Häuser und kommen doch nicht an. (Bild: Tine Edel)

Tiefschwarz der Raum. Im Dunkeln Geräusche vom Band, ein Schlüssel klappert, eine Tür klappt zu, Vögel zwitschern. Da gleisst grell das Licht auf. Vier Menschen stehen im scharfen Lichtrechteck und schreien. Es wird wieder dunkel, sie verstummen. Das Licht geht an: «Ich vermisse das Meer, mein Meer», sagt einer, und: «Grün, ich denke immer an Grün.» Ein anderer: «Ich finde, man muss sich schon auch anpassen können.»

Es sind kurze, poetische Sätze, mit denen die zwei Tänzer, die Tänzerin und der Musiker in der Eröffnungsszene den Grundteppich ausrollen. Was macht es mit einem, wenn man die Heimat verlässt, verlassen muss? «Ich bin wie zwei Schatten, nicht hier und nicht da. Wie eine Welle im Meer.»

Vor lauter Bauen verpassen sie, zu Hause zu sein

Die freie St. Galler Gruppe Panorama Dance Theater, 2014 gegründet von Tobias Spori und Ann Katrin Cooper, will in der neuen Produktion dem Wort und der Bedeutung von Heimat auf den Grund gehen. «Green Green Grass of Home», so der Titel ihrer Uraufführung, die als Koproduktion mit dem Theater am Gleis Winterthur entstand und dort vergangenen Freitag Premiere feierte. Der Titel ist einem Countrysong entlehnt, doch dieser wird nicht zitiert.

Cooper und Spori haben Menschen interviewt, die fliehen mussten oder freiwillig die Heimat verliessen. Diese Aussagen verweben sie zu einem knapp einstündigen Tanzabend. Der Ankündigung, den Begriff Heimat zu eruieren, werden Ann Katrin Cooper und Tobias Spori nicht gerecht. Zu oft verhakt sich ihre Choreografie in Banalitäten und Wiederholungen.

Es erschöpft sich in Endlosschleifen

Ausstatterin Caro Stark hat ein kluges, variables Bühnenbild entworfen: Holzrahmen in Hausform, die sich beliebig zusammenfügen lassen. Ein schönes Bild: Die Globalisierung schreitet unaufhaltsam voran, alles wird verbaut, wuchert zu, ohne Heimat zu sein. Vor lauter Bauen kommen die drei gar nicht dazu, irgendwo auch einmal zu Hause zu sein, anzukommen. Doch auch diese Szene erschöpft sich in Endlosschleifen: Die Tänzer Tobias Spori, Rakesh Sukesh und Giulia Tornarolli bauen Hausgebilde auf und sich gegenseitig ab und wieder auf.

Immer wieder gelingen berührende Momente, finden die drei zu Vogelgezwitscher und etwas eintönigem Gesang spannende Bewegungsformen. Doch der an sich kurze Abend ufert aus, es fehlt an Stringenz. Vogelgezwitscher ist dafür kein Ersatz.

Panorama Dance Theater: «Green Green Grass of Home», 22./23.6. Lokremise St. Gallen

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