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Klopapier, Royal de Luxe: Das Theater St.Gallen verschickt handgeprägte Einladungen zum Musical «Lady Bess»

Für die Produktion über die junge Prinzessin Elizabeth «Bess»Tudor, Tochter des legendären Königs Henry VIII und der berüchtigten Anne Boleyn, darf es ruhig ein bisschen edel sein. Bei weniger königlichen Aufführungen verwendet das Theater St.Gallen aber ganz umweltbewusst und profan Recyclingpapier.

Bettina Kugler
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Seit nunmehr fünfzig Jahren jettet Floriana Frassetto, Mitbegründerin der Schweizer Maskentheaterkompanie Mummenschanz, um den Globus, stets mit einer Tonne Material in 25 Aluminiumkoffern. Dazu gehört auch Klopapier, für die berühmte Nummer, die derzeit an der Jubiläumstournee nicht fehlen darf. Made in Germany muss es sein, verriet die Grand Old Lady diese Woche an einer Medienkonferenz – und hat es oft schon verdutzten Zollbeamten erklären müssen: Nur das sei hart genug perforiert, um die Nummer nicht zu ruinieren.

An Klopapier erinnert leider auch, was neuerdings in St.Gallen als Programm für Tonhalle und Theater ausgegeben wird. Zuvor war es ein handfestes Heft oder Leporello mit Szenenbildern und gehaltvollen Texten, das man gern archivierte. Jetzt aber sind die Fridays und Saturdays for Future angebrochen: Gratis, vierlagig und umweltfreundlich ist das neue Standard-Faltblatt der Spielzeit 2021/22, mit unglamourösen Schwarzweissfotos. Es raschelt garstig, meist im zarten Pianissimo, und sieht nach zwei Stunden nur noch abgegriffen aus: zum Wegwerfen.

Vornehm dagegen lädt man zu «Lady Bess», dem neuen königlichen Musical. Handversiegelt sind da die Karten, wie schon auf Instagram zu sehen war, Royal de Luxe. Die Tickets dürften entsprechend teuer sein. Bleibt zu hoffen, dass wir uns anschliessend noch das Klopapier leisten können.

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