Zugabe
Rote Rosen für Angela Merkel

Heute wird die langjährige Bundeskanzlerin mit einem Grossen Zapfenstreich verabschiedet. Die Playlist für die Militärkapelle lässt tief blicken.

Bettina Kugler
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Mehr Farbe in die Politik: Am Grossen Zapfenstreich heute Abend wird für die scheidende Bundeskanzlerin Angela Merkel Nina Hagens Punksong «Du hast den Farbfilm vergessen» gespielt.

Mehr Farbe in die Politik: Am Grossen Zapfenstreich heute Abend wird für die scheidende Bundeskanzlerin Angela Merkel Nina Hagens Punksong «Du hast den Farbfilm vergessen» gespielt.

Bild: John Macdougall / AP

«Sag beim Abschied leise Servus», mit dieser Peter-Alexander-Schnulze hätte Angela Merkel heute Abend die Bürotür im Kanzleramt hinter sich zuziehen können, nach strengen Dienstjahren versonnen vor sich hinträllernd. Ein leiser Abschied aber ist ihr nicht vergönnt; das Protokoll sieht einen Grossen Zapfenstreich vor. Vor dem Verteidigungsministerium wird die Militärkapelle aufmarschieren und Frau Merkel, manche nennen sie nach wie vor dämlich verniedlichend «Mutti», ein letztes Ständchen spielen.

Ihre persönliche Playlist zeugt einmal mehr von Eigensinn und diplomatischem Geschick zugleich. Mit dem Choral «Grosser Gott, wir loben Dich» erinnert die Pastorentochter noch einmal daran, dass ihre Partei ein «C» im Namen trägt; für sie war das vor allem ein irdischer Auftrag. Schön schräg daneben, aber ein sympathischer Gruss gen Osten ist Nina Hagens DDR-Punksong «Du hast den Farbfilm vergessen». Das hat Esprit und Witz; Farbe ist immer gut in der Politik.

Dann aber wird es rührend: «Für mich soll’s rote Rosen regnen» – soviel Romantik hätte man ihr nicht zugetraut. Sicher ist: Als Eiserne Lady will Angela Merkel nicht nach Hause gehen. Was sie dort abends wohl noch hört? Vielleicht die Bachkantate «Ich habe genug», ganz entspannt.

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