Zu wenig Besucher, zu viel Reformbedarf: Steckborner Tanzfestival «tanz now» hat ausgetanzt

2005 wurde das Festival gegründet, 2021 findet es zum letzten Mal statt . Der Rückzug der Kulturstiftung des Kantons Thurgau aus der Finanzierung bedeutet das Ende für das Festival, aber nicht für den Tanz im Phönixtheater Steckborn.

Christina Genova
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Das St.Galler Panorama Dance Theater war 2019 beim Steckborner Tanzfestival «tanz: now» zu Gast.

Das St.Galler Panorama Dance Theater war 2019 beim Steckborner Tanzfestival «tanz: now» zu Gast.

PD

Nach 15 Jahren kommt das Aus für das Tanzfestival «tanz:now» im Phönixtheater in Steckborn. Die Kulturstiftung des Kantons Thurgau zieht sich aus dessen Finanzierung zurück. Dies bedeutet, dass das Festival, an welchem jeden Frühling renommierte Tanzkompanien auftraten, in seiner bisherigen Form nicht mehr stattfinden kann. Denn die Stiftung hat jeweils rund 40 Prozent der Kosten getragen, zuletzt 67 000 Franken. Der Anteil ist in den letzten Jahren gestiegen, da die Stiftung Pro Helvetia seit einiger Zeit aufgrund ihrer Neuausrichtung die Unterstützung für «tanz: now» kontinuierlich verringert hat. Philippe Wacker, der Leiter des Phoenixtheaters, nimmt das Ende des Festivals erstaunlich gelassen:

Philippe Wacker.

Philippe Wacker.

Reto Martin
«Wir haben schon vor ‹tanz:now› Tanz programmiert und das werden wir auch weiterhin tun.»

Tanz werde im Phoenixtheater ein Schwerpunkt bleiben, aber eine Reihe mit Festivalcharakter werde es mit grösster Wahrscheinlichkeit nicht mehr geben. Wackers entspannte Haltung hat auch damit zu tun, dass er weiss, dass die Kulturstiftung sich auch in Zukunft für die Tanzförderung engagieren wird.

Stefan Wagner, seit Dezember 2019 Beauftragter der Kulturstiftung, sagt: «Wir beabsichtigen, das Geld, das bisher für das Festival bestimmt war, weiterhin für Tanzprojekte einzusetzen.» Das Phönixtheater könne also weiterhin Unterstützung für einzelne Veranstaltungen beantragen: «Wir ziehen ihm nicht den Boden unter den Füssen weg. Der Ball liegt jetzt bei Philippe Wacker.»

Stefan Wagner.

Stefan Wagner.

PD

Für den Rückzug der Kulturstiftung bei der Finanzierung des Festivals gibt es mehrere Gründe. Einer besteht darin, dass die Kulturstiftung Projekten Anschubfinanzierungen gewährt und keine längerfristigen Engagements anstrebt. Wagner sagt:

«Wir sind keine Veranstalterin, lediglich Initiatorin.»

Das Budget sei zu klein, um Kulturanlässe auf Dauer zu finanzieren, denn dadurch seien zu viele Mittel gebunden. Man wolle lieber neue Projekte anstossen.

Veränderungen bei «tanz:now» waren schon vor Wagners Stellenantritt angedacht. Man hatte eine Evaluation bei der Zürcher Hochschule für angewandte Wissenschaften in Auftrag gegeben. Diese empfahl, beim Festival einige Kursänderungen vorzunehmen. Doch ohne eine stärkere finanzielle Unterstützung von Seiten der Kulturstiftung wäre dies für das Phönixtheater nicht zu stemmen gewesen.

Letztes «tanz: now» findet 2021 statt

Die eher tiefen Besucherzahlen beim Festival waren ebenfalls ein Grund für den Rückzug der Kulturstiftung. Die Auslastung betrug in den vergangenen Jahren durchschnittlich 60 Prozent. Wacker will deshalb in Zukunft zugänglicher programmieren. Das bedeute aber nicht, dass man trivial werde. Experimentelle, performative Tanzprojekte stiessen bei «tanz:now» auf wenig Publikumsinteresse, seien aber von Seiten der Kulturstiftung gewünscht gewesen. «Im ländlichen Raum funktionieren Performances aber nicht», sagt Wacker.

Doch bevor es mit «tanz: now» endgültig zu Ende geht, wird das Festival im März und April 2021 in einer «Miniversion» durchgeführt, da es 2020 wegen der Pandemie nicht stattfinden konnte. Die Tessiner Tanzkompanie AIEP, die im März das Festival hätte eröffnen sollen, ist jedenfalls für 2021 definitiv gesetzt.