«Wir wollen nicht, dass der gesellschaftliche Diskurs aufhört»: Das St.Galler Palace plant eine wöchentliche Fernsehsendung

Das Kulturlokal Palace in St.Gallen hat eine zweiwöchige Verschnaufpause eingelegt. Jetzt melden sich die Betreiber zurück, mit frischen Ideen und zwei krisenresistenten Veranstaltungsformaten.

Roger Berhalter
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Nummerierte Tische, abgeklebte Sitze: Einblick in den Konzertabend im Palace vom 23. Oktober.

Nummerierte Tische, abgeklebte Sitze: Einblick in den Konzertabend im Palace vom 23. Oktober.

Bild: Ralph Ribi

«Wir bleiben offen!», meldet das Palace in seinem aktuellen Newsletter. Im Kulturlokal im St.Galler Stadtzentrum finden weiterhin Anlässe statt. Zum Beispiel sind Konzerte mit Schweizer Bands unter Coronaauflagen nach wie vor möglich. Erst am vergangenen Donnerstag ist das Dream-Punk-Duo Sun Cousto aufgetreten.

Dass das Palace offen bleibt, ist nicht selbstverständlich. Soeben hat sich das Team eine zweiwöchige Verschnaufpause gegönnt, um das weitere Vorgehen zu überdenken. «Wir wollten innehalten und suchten einen Perspektivenwechsel», sagt Co-Leiter Fabian Mösch.

Verschieben, verkleinern oder absagen

Wie alle Kulturveranstalter sind die Palace-Betreiber in den vergangenen Wochen jeweils der Coronaaktualität hinterher gehechelt, haben Konzerte abgesagt, verschoben, verkleinert. Die Taufe des neusten Albums von Manuel Stahlberger und Bit-Tuner zum Beispiel fand gestaffelt, am selben Abend zweimal, statt. So konnte man die Auflagen erfüllen und dennoch möglichst vielen Interessierten einen angenehmen Konzertbesuch ermöglichen.

«Unser Programm ist in sich zusammengefallen, wir planen schon seit Monaten vor allem rollend und häufig kurzfristig», sagt Mösch. Das hat auch der Besucher gemerkt, der sich auf der Webseite informierte. Da standen noch manche Konzerte in der Agenda, doch wenn sie näher rückten, erhielten sie meist den roten Vermerk «Abgesagt».

Notfalls auch ohne Publikum

Dennoch geben sich die Palace-Leiter Johannes Rickli und Fabian Mösch nach der zweiwöchigen Pause zuversichtlicher. Man wolle im Palace nach wie vor kulturelle Erlebnisse und Möglichkeiten der Auseinandersetzung bieten. Konkret habe man sich zwei «krisenresistente Formate» überlegt, die eine inhaltliche Perspektive bieten. Anlässe, die unabhängig von den erlaubten Zuschauerzahlen und notfalls auch ohne Publikum durchführbar wären:

  • Das erste Format ist schon sehr konkret: Die Diskussionsreihe «Erfreuliche Universität», die sich aktuellen gesellschaftspolitischen Themen widmet, soll künftig jeden Dienstag als eine Art Fernsehsendung stattfinden. Die Betreiber versprechen mehr als nur abgefilmte Podiumsdiskussionen. Die «Erfreuliche Uni» werde vielfältig und interaktiv daherkommen. «Wir wollen nicht, dass der gesellschaftliche Diskurs aufhört», sagt Fabian Mösch.
  • Das zweite Format ist noch vage und wird erst fertig entwickelt. «Wir haben mit dem Palace einen Raum, und diesen Raum wollen wir Künstlern zur Verfügung stellen», sagt Mösch. Konkreter möchte er nicht werden, bevor nicht das ganze Team informiert ist und die Idee unterstützt. Werden im Palace bald Theaterstücke geprobt? Wird der Saal zum Bandproberaum umfunktioniert? Werden Videokünstler dort ihre Installationen aufbauen? Jedenfalls wolle man den Raum, den das Palace biete, stets mitdenken, sagt Mösch. Das Programm soll nicht komplett ins Digitale abwandern.
Damals war Gedränge noch erlaubt: Die Warteschlange vor dem Palace vom 6. März, kurz vor dem Lockdown.

Damals war Gedränge noch erlaubt: Die Warteschlange vor dem Palace vom 6. März, kurz vor dem Lockdown.


Bild: Nik Roth

Schliessen wäre billiger

In der zweiwöchigen Pause haben die Palace-Betreiber auch darüber diskutiert, das Lokal vorübergehend zu schliessen. Rein finanziell betrachtet wäre dies sinnvoll, denn mit nur 50 Personen im Publikum sei der Betrieb hochdefizitär. «Die Rechnung ist einfach», sagt Johannes Rickli. Für einen Konzertabend seien Mitarbeiter an der Bar, an der Kasse, in der Ton- und Lichttechnik tätig, zudem brauche die Band eine Gage, Übernachtung, Essen und mehr:

«Es sind locker zehn Leute, die an so einem Abend etwas verdienen möchten, aber höchstens 50 Leute, die Eintritt zahlen.»

Klar, dass diese Rechnung nicht aufgeht, zumal 50 Personen auch weniger konsumieren und deshalb mit weniger Bareinnahmen zu rechnen ist. Als subventioniertes Lokal habe man aber eine Verantwortung gegenüber den Gästen, weiterhin kulturelle Erlebnisse zu ermöglichen, sagt Rickli. Und es sei trotz Corona gut möglich:

«Wir öffnen auch deshalb weiterhin, weil wir einen sicheren Raum bieten können. Die Leute können bei uns Abstand und Hygienemassnahmen einhalten.»

Bis Ende Jahr stehen im Palace folgende Anlässe auf dem Programm:

  • 25. November, 20.15 Uhr: Passend zur Abstimmung am kommenden Wochenende diskutieren die Fotografin Claude Bühler und der «WOZ»-Redaktionsleiter Kaspar Surber in der «Erfreulichen Universität» zum Thema «Die Rüstungsindustrie in der Ostschweiz».
  • 26. November, 20 Uhr: Der Gaiser Kontrabassist Patrick Kessler stellt seine Klanginstallation Chuchchepati Orchestra im Palace auf und spielt zusammen mit Julian Sartorius (Schlagzeug) und Ludwig Berger (Feldaufnahmen)
  • 27.-29. November: Das Filmfestival «Pantalla Latina» zeigt im Palace Kino- und Kurzfilme aus Lateinamerika in Originalversion.
  • 3. Dezember: Jugendliche des Integrationskurses des gewerblichen Berufs- und Weiterbildungszentrums St.Gallen (GBS) stellen vor, was sie in einem zehntägigen Workshop erarbeitet haben.
  • 5. Dezember: Doppelkonzert der zwei Schweizer Bands Omni Selassi und Film 2.
  • 10.-12. Dezember: Die Compagnie Buffpapier zeigt ihr clowneskes Kabarett-Theaterstück «Isabelle La Belle, Me Myself And I».

www.palace.sg