«Wir leben doch im Jetzt!»: Die Thurgauerin Naomi Schwarz tanzt auf der Bühne des Rigolo-Theaters

«Sospiri» heisst die aktuelle Produktion des Theaters Rigolo, die derzeit in Kreuzlingen zu sehen ist. Naomi Schwarz aus Oppikon bei Bussnang ist eine von drei Tänzerinnen des Stücks. Die 26-Jährige hat auf Umwegen zum Tanz gefunden.

Dieter Langhart
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Naomi Schwarz, Tänzerin in der Rigolo-Produktion «Sospiri», bei Proben im Fabriggli in Buchs.

Naomi Schwarz, Tänzerin in der Rigolo-Produktion «Sospiri», bei Proben im Fabriggli in Buchs.

Bild: Dieter Langhart

Sie tanzt, seit sie 13 ist, davor spielte sie Fussball wie zwei ihrer drei Brüder. Sie schnupperte als Floristin, Coiffeuse, Kosmetikerin – «alles war langweilig», sagt sie. Sie muss sich in der Bewegung ausdrücken: Naomi Schwarz aus Oppikon bei Bussnang. Tschutten oder Tanzen? Sie studierte Tanz in Zürich, bewarb sich in den Niederlanden, bekam einen Studienplatz und zog mit 19 Jahren aus.

Sie lernte Holländisch und Englisch, machte den Bachelor, erlebte «eine schöne und lehrreiche, aber strenge Zeit», kehrte in den Thurgau zurück, tanzt seither in der freien Szene, tourte auch mit zwei Koryphäen um die Welt. Sie ist 26 Jahre alt, sie fühlt sich ungebunden. Hatte sie nie Existenzängste? Sie sagt:

«Doch. Aber ich hatte immer Glück im Leben, meine Eltern haben mich in allem unterstützt.»

Tanzen sei körperlich und mental anstrengend, «aber ich bin keine, die aufgibt – und alles, was ich mache, bringt mich weiter.» Und jetzt steht sie in der neuen Produktion «Sospiri» des Wattwiler Rigolo Swiss Nouveau Cirque auf der Bühne. Die «Seufzer» waren in Lichtensteig zu sehen und kommen jetzt nach Kreuzlingen, später nach Wil, Buchs, Herisau.

Angenehmes Arbeitsklima

Marula Eugster, Tänzerin und Choreografin der zweiten Generation bei Rigolo, kannte Naomi Schwarz aus Zürich und fragte sie an, bei «Sospiri» mitzumachen – wer könnte da Nein sagen. Naomi Schwarz schätzt das angenehme Arbeitsklima bei Rigolo, den Freiraum, das Ausprobieren in einem Team, das seit Anbeginn, seit 1978, von Mädir Eugster und Lena Roth geleitet wird.

Marula Eugster während der berühmten Sanddorn-Balance im Stück «Sospiri».

Marula Eugster während der berühmten Sanddorn-Balance im Stück «Sospiri».

Bild: Michael Hug

Im Stück «Sospiri» tanzt Naomi Schwarz mit Marula Eugster und Schanika Mohn: 13 Szenen, in denen die altbekannten Rispen von Palmblättern eine wichtige Rolle spielen; die Verwandtschaft mit «Wings» ist unverkennbar, die Sanddorn-Balance bleibt, doch «Sospiri» atmet wie ein Flüstern, ist tänzerischer, poetischer, intimer, reicht von der Geburt bis zum Tod und dem Danach, bewegt sich weg von den Zirkus-Elementen hin zum Tanz, und Musik kommt hinzu.

Master in Tanzpolitik und Soziologie

Wo sieht sich Naomi Schwarz in fünf Jahren, zehn Jahren? Ihre Antwort verblüfft: «Wir leben doch im Jetzt!» Sie räumt ein, dass es in Ordnung sei, Träume zu hegen. Sie will sich einen Raum schaffen für Workshops, Vorträge, Begegnungen rund um den Körper und die Bewegung, vielleicht auch in einem therapeutischen Rahmen. Sie ist dran, in England den Master in Tanzpolitik und Soziologie zu machen. Und sie sagt auch, sie wolle ungebunden sein.

Was bedeutet Naomi Schwarz das Publikum? «Natürlich ist es wichtig, wir können etwas teilen.» Auch wenn sie sich gern auf der Bühne bewegt, steht sie privat nicht gern im Mittelpunkt. In «Sospiri» gebe es keine Hauptfigur, nur das harmonische Zusammenspiel der drei Tänzerinnen und, eben, ihren Atem. Marula als Choreografin setze ganz auf dieses Zusammenspiel, wolle den beiden andern nichts aufoktroyieren. «Wir harmonieren sehr gut.»

«Sospiri» wird bis 11. Oktober 2020 im Seeburgpark in Kreuzlingen aufgeführt.
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