«Wir haben uns durch zwei Bildschirme hindurch gespürt»: Wie der Rheintaler Sänger Clark S über den Atlantik hinweg Musik macht

Zusammen musizieren, das geht auch über virtuelle Kanäle, wie Clark S beweist. Der Rheintaler Popmusiker veröffentlicht am 20. November einen Song, den er mit einem Produzenten aus Los Angeles geschrieben hat – ohne diesen jemals getroffen zu haben. Eine Geschichte über eine virtuelle Freundschaft und über das Musikmachen in Pandemiezeiten.

Roger Berhalter
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Bild: PD/Tim Stroeve

Ein sanft pumpender Beat, gut gelaunte Synthesizer-Akkorde und eine Männerstimme, die von verschiedenen Zeitzonen singt: So klingt der Song «Time Zone», den der Altstätter Popmusiker Clark S am 20. November veröffentlicht. Seit etwa einem Jahr gibt Claudio Söldi, wie Clark S mit bürgerlichem Namen heisst, Singles in Eigenregie heraus. Es sind Popsongs in einem zeitgenössischen Klangkleid und mit einer Stimme, die sofort ins Ohr geht.

Man hört Söldi an, dass er sein Musikerhandwerk beherrscht; der 23-Jährige studiert Popgesang an der Zürcher Hochschule der Künste. Man hört auch, dass er seine musikalischen Vorbilder – unter anderem Justin Timberlake und Charlie Puth – ausgiebig gehört hat. Was man dem neuen Song «Time Zone» hingegen nicht anhört: Er ist über zwei Kontinente hinweg entstanden.

Clark S hat dafür mit dem Musikproduzenten Informal aus Los Angeles zusammengespannt. Dieser stammt aus Arizona und ist kurz vor dem Lockdown nach Los Angeles gezogen. Dort arbeitet der 24-Jährige als DJ und Produzent mit Hang zu elektronischer Musik aus den Sparten Dance, Electronic und Indie electronic.

Spotify, Instagram und Videocalls

«Wir kannten uns vorher nicht», erzählt Söldi von der Zusammenarbeit, die in den sozialen Medien startete. Der Produzent Informal habe seine Musik auf Spotify gehört und ihn über Instagram kontaktiert, weil der Amerikaner für seine Instrumentallieder einen Sänger suchte. «Ich bekomme öfter solche Anfragen», sagt der Altstätter. «Aber diese stach heraus, deshalb bin ich drangeblieben.» Informal habe nicht einfach irgendeine Stimme gesucht, sondern genau seine gewollt. Nach vielem schriftlichen Hin und Her folgte der erste Videocall:

«Schon das erste Gespräch war sehr angenehm. Auch durch zwei Bildschirme hindurch haben wir uns gespürt und eine gute Verbindung herstellen können.»

Daraus sei eine virtuelle Freundschaft entstanden: «Heute sind wir fast täglich in Kontakt.»

Allerdings sei die Zusammenarbeit über zwei Kontinente hinweg nicht immer reibungslos verlaufen. Zwischendurch sei der Kontakt auch einmal abgebrochen, bevor man sich wieder zusammengerauft habe. «Es brauchte Zeit, bis wir beide überzeugt waren.»

Tonspur um Tonspur im Heimstudio zusammengesetzt

Die zwei Musiker arbeiteten dabei beide zu Hause, nicht im professionellen Tonstudio. Claudio Söldi nahm seine Stimme selber auf und schickte die Tonspuren über den Atlantik, wo Informal sie weiter verarbeitete. «Nach und nach haben wir so den Song zusammengesetzt. Das klappte erstaunlich gut!» Auch finanziell einfacher, sprich billiger, sei es gewesen. «Und ich habe viel gelernt», sagt Söldi lachend, wenn er an seine ersten Aufnahmeversuche zurückdenkt.

Clark S bei einem Live-Auftritt.

Clark S bei einem Live-Auftritt.

Bild: PD/Simeon Wälti

Nun erscheint «Time Zone» am 20. November auf allen digitalen Kanälen. In zwei Wochen wollen die beiden Musiker zudem einen Videoclip veröffentlichen, den sie ebenfalls gemeinsam und zeitversetzt gedreht haben. Clark S hat seinen Teil in der Schweiz gefilmt, Informal steuert Filmaufnahmen aus Los Angeles bei, und im Videoclip sieht man beide Künstler gleichzeitig auf dem geteilten Bildschirm.

Aus Freude an der Sache, ohne Label im Hintergrund

Wie es nun mit ihnen weitergeht, ist laut Söldi noch offen. «Wir haben's wegen der Musik gemacht», sagt der Popmusiker, der noch bei keiner Plattenfirma unter Vertrag ist. Will heissen: Kein Labelmanager hat den beiden Vorgaben gemacht, und die transatlantische Zusammenarbeit ist nicht Ausdruck einer Marketingstrategie, sondern entstand aus Freude an der Sache. «Es war einfach der perfekte Moment, das einmal auszuprobieren.»

Söldi schielt schon länger auf den internationalen Markt und kann sich gut vorstellen, in London oder Los Angeles zu leben, im englischsprachigen Raum zu arbeiten. Seine Lieder klingen schon jetzt vielversprechend, nach grosser weiter Popwelt. «Schön wäre, wenn Informal und ich einmal live zusammen spielen könnten, zum Beispiel in Zürich und Los Angeles.» Vorerst bleiben solche Pläne wegen Corona Wunschdenken. Doch die beiden wissen ja jetzt, wie sie auch während der Pandemie zusammen Musik machen können.

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