Wie man Mozart einen Floh ins Ohr setzt: In der Kellerbühne St. Gallen wird die «Zauberflöte» zur Ein-Mann-Show mit Kammertrio

Mozarts Opern-Geniestreich gäbe es nicht ohne Emmanuel Schikaneder, der ihn zum Komponieren anstiftete. Matthias Peter schlüpft in der Kellerbühne ins Gewand des Theatermachers, springt aber auch gern in andere Rollen. Das Edes-Ensemble spielt dazu Zauberflöten-Hits in origineller Kleinbesetzung.

Bettina Kugler
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Schikaneder (Matthias Peter) wittert den Bühnenknüller «Zauberflöte» – und hofft auf volle Kassen. Das Edes-Trio (Daniel Pfister, Christian Bissig, Johanna Degen) spielt dazu Mozarts Hits.

Schikaneder (Matthias Peter) wittert den Bühnenknüller «Zauberflöte» – und hofft auf volle Kassen. Das Edes-Trio (Daniel Pfister, Christian Bissig, Johanna Degen) spielt dazu Mozarts Hits.

Bild: Ralph Ribi

Ach, man würde es allzu gern sehen: Wie Sarastro, der salbungsvolle Sonnenfürst aus der «Zauberflöte», im Triumphwagen einfährt, gezogen von sechs Löwen. Lebhaft stellt Matthias Peter alias Emmanuel Schikaneder die Szene vor Augen; dem Impresario kann es nicht grossspurig genug sein. Feuer und Flamme ist Schikaneder beim Erzählen, und kräftig weibelt er bei seinem Spezl Wolferl Mozart: Der soll ihm, bittschön, eine Oper komponieren. Eine, die Zaubermärchen, ägyptisches Ambiente und Freimaurerriten flott verquickt und kräftig Geld in die Theaterkasse spült. Der Wolferl hat zwar anfangs seine Zweifel - was den Prolog dann etwas in die Länge zieht -, aber danach lässt die zauberhafte, wohlbekannte Musik nicht mehr auf sich warten.

Einen Triumphwagen und sechs echte, fauchende Löwen, soviel Prunk kann sich die kleine Kellerbühne natürlich nicht erlauben. Schon gar nicht an einem Abend, an dem man überhaupt froh ist, dass der Lappen hochgeht, wie es so schön heisst im Theaterjargon. Das Virus nämlich wütet gerade schlimmer denn je; der Bundesrat hat erst am Nachmittag ein Machtwort gesprochen und Veranstaltungen mit mehr als 50 Personen verboten. Für Matthias Peter, der nicht nur Schikaneder auf der Bühne spielt, sondern als Theaterleiter auch in dessen Nachfolge steht, heisst das: noch mehr Sitzplätze mit übergezogenen Oberhemden sperren. Lieber wäre ihm schon, dass jemand darauf sitzen darf.

«Ich konnte schon immer hehr!»

Aber immerhin: Es sind genügend Premierengäste da, die sich auf gepflegte Unterhaltung freuen – ohne womöglich ansteckenden Gesang –, und die sich vorbildlich an das Schutzkonzept halten. Sie erfahren in «Schikaneder» aus dem Munde des Anstifters und Librettisten höchstpersönlich, wie es zur kongenialen Zusammenarbeit zwischen Mozart und Schikaneder kam. Im imaginären Dialog springt Matthias Peter, noch ganz allein auf der Bühne, zwischen den Rollen hin und her. Leider kommt Mozart da, verständlich, aber schade, eher knapp zu Wort; er hätte unsere volle Sympathie.

Auch später, wenn die drei Musiker des Edes-Ensembles als Miniorchester die Geschichte so herrlich und schön zum Klingen bringen, als hätten sie Zauberglöckchen und eine magische Flöte im Gepäck, sind es die kurzen, blitzartigen Rollenwechsel, die das Erzählen Schikaneders sehr erfrischen. Ob es nun Papageno ist oder der Sklave Monostatos – sie bringen Witz in den Weiheton, den Schikaneder gerne anschlägt. Ewig den Hanswurst spielen mag er eben nicht, «Ich konnte schon immer hehr!», beteuert er treuherzig. Dabei mag doch das Publikum lieber, Hand aufs Herz, über den Hanswurst lachen.

Oper in virensicherer Besetzung

Arien dürfen nicht fehlen, wenn es um eine Oper wie die «Zauberflöte» geht; die hat der Arrangeur Antoine de Lhoyer, als hätte er das fatale Coronajahr 2020 bereits Anfang des 19. Jahrhunderts vorhergesehen, virensicher in feine Hausmusik für Flöte, Gitarre und Bratsche überführt. Das Edes-Ensemble wiederum hat sie der eigenen Besetzung angepasst; den Bratschenpart spielt Johanna Degen erdig auf dem Cello. Flötist Daniel Pfister vermag auch auf der handelsüblichen Querflöte Opernglück herbeizuzaubern, Christian Bissig sitzt dazwischen und hält mit Gitarrensaiten Flöte und Cello sanft im Zaum.

Zum Schluss, soviel sei verraten, trifft das Dreamteam Wolferl und Emmanuel noch einmal zusammen und lässt den Erfolg der Oper Revue passieren – 229 Jahre später, im kühlen Grab. Von der seltsamen Gegenwart ist da zwar nicht die Rede. Macht nichts: Die «Zauberflöte» wird, nicht zuletzt dank solcher liebevoller Huldigungen, auch den Coronawinter überleben.

Nächste Vorstellungen: 30./31.10., 20 Uhr, 1.11., 17 Uhr, Kellerbühne St. Gallen