Wegen Corona wurde aus dem Filmprojekt ein Roman: Der Drehbuchautor und frühere Manager Andreas Benz aus Benken schreibt über fünf Senioren, die aus dem Altersheim ausbrechen

Die Grande Dame des Schweizer Films, Heidi Maria Glössner, und Tatort-Kommissar Stefan Gubser hatten zugesagt, die Drehorte waren bereits gefunden. Doch dann verunmöglichte die Pandemie die Finanzierung des Films. Der Autor liess sich nicht entmutigen und schrieb das Drehbuch um zu einem Roman.

Tobias Söldi
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Vom Banker zum Autor: Andreas Benz hat beim Wörtersee-Verlag sein erstes Buch veröffentlicht.

Vom Banker zum Autor: Andreas Benz hat beim Wörtersee-Verlag sein erstes Buch veröffentlicht.

PD

Eigentlich hätte der Roadtrip der fünf Seniorinnen und Senioren vor der Kamera stattfinden sollen: der Ausbruch aus dem Altersheim, der Überfall auf die Bijouterie, die Flucht vor der Polizei, die rauschende Party im Hotel Montreux Palace. Doch jetzt erlebt die «Sonnenuntergäng», wie sich die Gruppe nennt, ihre Abenteuer zwischen zwei Buchdeckeln. Luky, Inge, Hans und Frida wollen ihrer todkranken Freundin Maria den letzten Wunsch erfüllen: noch einmal in den Bergen Heiligabend zu feiern.

«Mission: Weisse Weihnachten» heisst der Roman, der kürzlich beim Schwyzer Verlag Wörterseh erschienen ist. Geschrieben hat ihn der gebürtige Zürcher Andreas Benz, der heute in Benken lebt. Die Geschichte der fünf Rentner hat den ehemaligen Finanzmanager, der vor zehn Jahren zum Drehbuchautor geworden ist, unerwartet zum Buchautor gemacht.

Eine neue Freiheit

Die Verfilmung von «Mission: Weisse Weihnachten» war auf Kurs. Benz hatte das Drehbuch bereits fertig geschrieben, die Grande Dame des Schweizer Films, Heidi Maria Glössner, und Tatort-Kommissar Stefan Gubser waren mit an Bord, sogar die Drehorte waren bereits gefunden. Nur die Finanzierung war noch offen. Doch dann kam Corona – und an einen Film mit älteren Schauspielerinnen und Schauspielern war nicht mehr zu denken. «Das war frustrierend. Wir hatten viel Zeit und Herzblut investiert», erinnert sich Benz. Es wäre sein erster Langspielfilm gewesen.

Doch das Drehbuch beiseitelegen und verstauben lassen, das war keine Option. «Dafür war die Geschichte zu gut. Ich musste etwas daraus machen», sagt Benz. Seine Idee: ein Roman. Nachdem er den Verlag von seinem Vorhaben überzeugen konnte, machte er sich an die Arbeit. In einem halben Jahr verwandelte er das 100-seitige Filmskript in ein 200-seitiges Buch. Keine leichte Aufgabe: Im Gegensatz zum Drehbuch, das die Emotionen der Protagonisten in Bildern und Szenen spiegelt, schaut das Buch sozusagen ins Innere der Protagonisten. «Was ich im Drehbuch visuell umgesetzt hatte, musste ich zurück in die Köpfe der Figuren bringen.» Dafür erlebte Benz auch eine neue Freiheit: Er konnte schreiben, was er wollte, ohne Rücksicht darauf, ob sich eine Szene filmisch gut umsetzen lässt.

Eigene Wünsche und Träume ernst nehmen

Ein bisschen schrieb Benz dabei auch über sich. «Wie in einem Film gibt man auch in einem Buch etwas von sich preis», sagt er. Denn eigentlich gehe es in «Mission: Weisse Weihnachten» darum, dass man seine Wünsche und Träume lieber früher als später erfüllen soll.

Benz wartete lange damit. Über 20 Jahre war er als Manager in der Finanzbranche tätig, richtig erfüllt hat ihn die Arbeit aber nicht. 2010 zog er einen Schlussstrich und orientierte sich neu. Er folgte seiner Leidenschaft für Filme. In New York besuchte er eine Filmschule, in Los Angeles eine Drehbuchschule:

«Es war das erste Mal in meinem Leben, dass ich mit Leuten zu tun hatte, die geliebt haben, was sie machten.»
Andreas Benz: Mission: Weisse Weihnachten. Ein Rentner-Roadtrip in die Berge. Wörtersee, 208 S., Fr. 24.90.

Andreas Benz: Mission: Weisse Weihnachten. Ein Rentner-Roadtrip in die Berge. Wörtersee, 208 S., Fr. 24.90.

pd

Das sagt Benz in Erinnerung an den Kulturschock, als er den Massanzug gegen T-Shirt und Sneakers tauschte und in die Filmszene eintauchte. Er begann, Drehbücher zu verfassen, drehte Kurzfilme und Auftragsfilme für Banken und Manager, heute arbeitet er zudem als Coach. «Ich hatte immer das Gefühl, dass ich irgendwann eine Geschichte dazu schreiben muss, wie wichtig es ist, seine Träume zu ernst zu nehmen», sagt Benz. Er weiss, wovon er spricht.