Und in der Mitte steht immer der Teufel: Tanzverbote haben in der Ostschweiz eine lange Tradition – auch in Seuchenzeiten

Um die Coronapandemie einzudämmen, haben die Kantone St. Gallen, Appenzell Ausserrhoden und Appenzell Innerrhoden ein Tanzverbot verhängt. Diese Massnahme wurde im Verlaufe der Jahrhunderte immer wieder ergriffen. Die Angst vor Seuchen und Naturgewalten verknüpfte sich dabei mit der Angst vor einer anderen Naturgewalt – der Erotik.

Rolf App
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Zu Coronazeiten undenkbar: Stobete im Gasthaus Bollenwees am Fälensee bei Brülisau, 30. Juli 2017.

Zu Coronazeiten undenkbar: Stobete im Gasthaus Bollenwees am Fälensee bei Brülisau, 30. Juli 2017.

Benjamin Manser

Wer jetzt gerade über die Coronaregeln stöhnt und sich in seiner Freiheit arg beschnitten fühlt, der sollte sich mal probehalber ein paar Jahrhunderte zurückbeamen lassen – zum Beispiel ins Jahr 1581. Da erinnern die Innerrhoder Sittenwächter daran, dass «onvergessen» sei, wie der «Allmächtig Gott» die Menschen mit «ongewitter, hagel unnd grossen Wasser» gestraft habe nach den Alpstobeten. Deshalb sollten diese auch verboten sein. Und mit ihnen – wie jetzt wieder – das Tanzen.