triennale
Die Odyssee der Skulpturen-Nachzügler: Die Ausstellung «Bad Ragartz» ist fast komplett

Fast alle Skulpturen kamen rechtzeitig zur Vernissage am 8. Mai in Bad Ragaz an: Drei Kunstwerke aus den Arabischen Emiraten finden ihren Weg ins Sarganserland erst zwei Monate später, eines wird vermisst.

Kathrin Signer
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Der «Ford 71» von Mahmoud Obaidi steht vor dem Hotel Grand Resort.

Der «Ford 71» von Mahmoud Obaidi steht vor dem Hotel Grand Resort.

Bild: Armando Bianco

Nichts ahnend tuckerte ein Containerschiff Anfang März aus dem Hafen von Doha, der Hauptstadt von Katar. An Bord vier Kunstwerke der irakischen Künstler Mahmoud Obaidi und Dia Azzawi, die ab dem 8. Mai Teil der Freiluftausstellung «Bad Ragartz» im Sarganserland sein sollten. Das Schiff liess die Vereinigten Emiraten hinter sich, passierte den Golf von Aden – und geriet in einen Schiffsstau, wie ihn das Rote Meer noch nie gesehen hatte.

370 Schiffe warteten auf die Weiterfahrt, weil der Frachter «Ever Given» im Suezkanal auf Grund gelaufen war. Nach einer Woche war das Schiff freigelegt, nach 14 Tagen ging die Reise weiter. Das Mittelmeer und den Ärmelkanal bereits im Rücken, standen die Schiffe im Hamburger Hafen erneut Schlange. Wochenlang musste sich die Besatzung gedulden, in Hamburg, in Bremen und Rotterdam – von wo die Skulpturen schliesslich per Landweg nach Bad Ragaz transportiert wurden.

Fast alle Kunstwerke erreichten nach der monatelangen Odyssee ihr Reiseziel. Die Skulpturen «Al-Hawasim’s Wagon: Looters», «Ford 71» und «The Hanging Gardens Of Babylon» wurden vergangenen Freitag in Bad Ragaz aufgestellt. Die vierte Skulptur hat es nicht mit in die Schweiz geschafft: Der «Mosquito Effect» von Mahmoud Obaidi wird vermisst. Wo das Kunstwerk verloren gegangen sein könnte, wird abgeklärt. Insgesamt 24'000 Euro habe der Transport der arabischen Kunstwerke gekostet, teilt Rolf Hohmeister mit – er ist Organisator der Skulpturen-Triennale.

Ein stiller politischer Protest

Thematisch sind die Kunstwerke keine leichte Kost: Sie vermitteln politische Botschaften und beschäftigen sich mit den Konflikten im Nahen Osten. Die Künstler wollen mit ihren Skulpturen ein Zeichen gegen Krieg, Unterdrückung und sinnlose Zerstörung setzen. Die Skulptur «Ford 71» von Mahmoud Obaidi ist ein Panzerwagen aus Stahl, darauf befindet sich die Figur eines mesopotamischen Königs. «Die Kunst ist ein Weckruf», sagt Hohmeister. «Ich bekomme Gänsehaut, wenn ich davor stehe.» Auch der Standort der Skulptur soll zum Denken anregen: Der «Ford 71» wurde bewusst provokativ in der Einfahrt des Hotels Grand Resort in Bad Ragaz platziert, direkt neben den schicken Ferraris und Bentleys.

«The Hanging Gardens of Babylon» zeigen das vergängliche Paradies.

«The Hanging Gardens of Babylon» zeigen das vergängliche Paradies.

Bild: Armando Bianco

Das Kunstwerk «The Hanging Gardens of Babylon» des irakisch-englischen Künstlers Dia Azzawi steht im Kurpark Bad Ragaz und beschäftigt sich mit dem Thema der Vergänglichkeit. Auch das Paradies kann verblühen, wenn ihm der Wasserhahn zugedreht wird. Azzawi spielt damit auf aktuelle Themen wie Nachhaltigkeit und Umweltverschmutzung an. Die hängenden Gärten haben ihren Preis: 600'000 Euro müsste ein möglicher Käufer für die weit gereiste Kunst in die Hand nehmen, sagt Hohmeister.

Distanzen überwinden

«Bad Ragartz» ist mit 2,5 Millionen budgetiert– und das bei null Franken Eintritt. Die Freiluftausstellung findet bereits zum 8. Mal statt und umfasst dieses Jahr rund 400 Kunstwerke aus insgesamt 16 Ländern. Dieses Jahr ist erstmals auch Valens im Taminatal Teil des grossflächigen Kunstraumes. Die Skulptur-Triennale steht heuer unter dem Motto «Distanz schärft den Blick». Kunst soll helfen, Distanzen zu überbrücken und zu verringern, sagen die Organisatoren Esther und Rolf Hohmeister. Und das nicht nur symbolisch: 3000 Seemeilen, 600 Kilometer und knapp vier Monate Reisezeit haben die irakischen Kunstwerke hinter sich, die an der «Bad Ragartz» zu sehen sind.