Thriller
Der Horror beginnt harmlos: Der Thurgauer Severin Schwendener hat eine packende Pandemie-Geschichte für Jugendliche geschrieben

Auf 50 Seiten erzählt der mehrfach ausgezeichnete Autor, wie das Leben des 16-jährigen Tom wegen eines Virus aus den Fugen gerät. Horror- und Thrillerelemente ergänzen den Plot.

Urs Bader
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Die unheimliche Figur auf dem Cover von Severin Schwendeners Krimi verweist auf die darin enthaltenen Thriller- und Horrorelemente.

Die unheimliche Figur auf dem Cover von Severin Schwendeners Krimi verweist auf die darin enthaltenen Thriller- und Horrorelemente.

Bild: PD

«Was zum Teufel ist hier los?» Ausgerechnet an seinem 16. Geburtstag gerät die Welt für Tom vollends aus den Fugen. Dabei freut er sich beim Aufstehen auf seine Party am Abend – auch wenn diese wegen der grassierenden Pandemie illegal ist. «Es ist mein verdammtes Recht, meinen Geburtstag zu feiern», sagt er sich. Schliesslich werde er nur einmal sechzehn.

Tom ist die Hauptfigur in «Patient Ø», Severin Schwendeners Pandemie-Geschichte für Jugendliche, die mit Elementen des Thrillers und des Horrorgenres das aktuelle Geschehen zur Sprache bringt und auf die Spitze treibt. Und der mehrfach ausgezeichnete Thurgauer Krimiautor weiss, wie das geht.

Die Glückwünsche bleiben aus

Der Thurgauer Autor Severin Schwendener.

Der Thurgauer Autor Severin Schwendener.

Bild: PD

Tom sieht seine Geburtstagsparty auch als Protest dagegen, «dass uns unser Leben weggenommen wird». Er hat all die Verbote und Zurechtweisungen satt. Er denkt:

«Die Einzigen, die wirklich von dieser Pandemie profitieren, sind all die Ärsche, die schon immer nichts lieber getan haben, als andere zu kritisieren.»

Aber vor allem will Tom an der Party endlich auch seiner Freundin Mia näherkommen, mit der er bisher nur etwas geschmust, aber nicht einmal richtig gefummelt hat, wie er findet. «Heute wird es passieren. Ich spüre es.»

Doch kaum ist Tom an diesem Morgen richtig wach, kommt ihm vieles merkwürdig vor. So haben ihm weder Mia noch sein bester Freud Dejan Glückwünsche geschickt. Was so harmlos beginnt, wird bald zum Horror. Äusserlich ist vieles beim Alten, doch was geschieht, lässt Tom fast verzweifeln. «Es ist, als hätte ich einen Filmriss.»

Den Ton der Jugendlichen getroffen

Erschienen ist Schwendeners 50-Seiten-Geschichte «Patient Ø» im Verlag Da Bux in Werdenberg. Dieser Verlag wendet sich unter dem Motto «Kleine Jugendbücher zu grossen Themen» an Jugendliche von 12 bis 16 Jahren, «die gerne kurze Bücher mit knackigem Inhalt lesen». Der Zugang zu den Büchern soll einfach, aber nicht simpel sein, sie sollen unterhalten und zu Diskussionen Anlass geben.

Schwendener treibt seine Geschichte aus der Perspektive Toms mit meist einfachen Sätzen voran. Geschickt wechselt er dabei den Rhythmus und baut auch mal kurze beschreibende Passagen ein. Im Text gibt es keine Worttrennungen, die den Lesefluss behindern. Die Pandemie und ihre Folgen laufen mit Tom mit. Schwendener trifft sprachlich und inhaltlich den Ton, ohne sich den Jugendlichen anzubiedern.

«Mir ist wichtig, dass sie mit dem Buch ein positives Leseerlebnis haben», sagt der 38-jährige Autor im Gespräch. Er weiss, wie diese ticken.

«Ich bin oft in Schulklassen, sehe, höre die Jugendlichen. Sie sind ein kritisches Publikum, und sie lassen es dich auch spüren.»

Lesungen macht Schwendener kaum mehr, dafür aber Miniworkshops, wie er sagt. «Dabei versuche ich, mit den Schülerinnen und Schülern eine Geschichte zu entwickeln. Sie skizzieren Personen, bringen ihre Ideen ein und das, was sie gerade umtreibt. Sie bekommen so auch eine Ahnung davon, wie ich arbeite und wie auch sie eine Geschichte aufbauen könnten.»

Severin Schwendener: Patient Ø. Da Bux, 51 Seiten, Fr.12.–

Severin Schwendener: Patient Ø. Da Bux, 51 Seiten, Fr.12.–

Was die Pandemie-Thematik angeht, schöpft Schwendener aus dem Vollen. Er hat an der ETH Biologie studiert und danach in der Forschung gearbeitet, wo er auch mit Viren zu tun hatte. Heute hat er ein 80-Prozent-Pensum beim Umweltamt des Kantons Zürich. Für seinen Krimi «Pandemic» (2020) erhielt er den erstmals vergebenen Schweizer Krimipreis.

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