Täglich bis zu acht Stunden am Schlagzeug: Den Thurgauer Samir Böhringer lässt sein Instrument nicht mehr los

Der mit dem Thurgauer Förderpreis ausgezeichnete Schlagzeuger Samir Böhringer kennt auf seiner musikalischen Entdeckungsreise weder Genre- noch Landesgrenzen. Einmal pro Semester fliegt er nach New York – obwohl er weiss, dass dort kein Hahn nach ihm kräht.

Emil Keller
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Trois Imaginaires spielen «Manga-Jazz» oder «Geek-Rock»: So haben Schlagzeuger Samir Böhringer, Gitarrist Anatole Buccella und Bassist Pino Zortea selbstironisch die Musikrichtung ihrer Band getauft.

Trois Imaginaires spielen «Manga-Jazz» oder «Geek-Rock»: So haben Schlagzeuger Samir Böhringer, Gitarrist Anatole Buccella und Bassist Pino Zortea selbstironisch die Musikrichtung ihrer Band getauft.

Bild: PD

Es scheint als könnte Samir Böhringer in die Zukunft blicken. Noch bevor der Gitarrist das Tempo rausnimmt, hat der Schlagzeuger den Groove schon gesetzt. Bevor der Bassist den Akkordwechsel zupft, schwingen die Besen schon ruhiger über die kleine Trommel.

Fern ist Böhringers Blick, während Hände und Füsse sich alle in andere Richtungen bewegen, doch antizipiert er jede Regung seiner Mitmusiker. Er ist ein Schlagzeuger, der für seine Bandkollegen den roten rhythmischen Teppich ausrollt und manchmal auch selbst darüber geht.

Angefixt mit vier Jahren

Schon mit vier Jahren soll es den aus Lengwil stammenden Samir Böhringer zur Cajón gezogen haben. Als er dann bei einem Schulfreund ein Schlagzeug hörte, war es um ihn geschehen. Er erinnert sich:

«Ich habe diesen popeligen Beat gehört und gedacht, das ist das grösste auf der Welt.»

Seither hat ihn das Instrument nicht mehr losgelassen. Den Beat von damals hat er schon längstens raus, dennoch sitzt der Student der Zürcher Hochschule der Künste täglich vier bis acht Stunden am Set und übt. «Musik zu machen ist wie eine umgekehrte Pyramide. Je mehr man kann, desto mehr sieht man, was es noch zu entdecken gibt», beschreibt Böhringer seine Leidenschaft.

Seit 2017 regelmässig in New York

Und nirgends auf der Welt gibt es für den Jazzer musikalisch so viel zu erforschen wie im Grossstadtdschungel New York. Seitdem er 2017 zum ersten Mal im Big Apple war, plant der 29-Jährige einmal pro Semester einen Aufenthalt in der Metropole. «Die Dichte an talentierten Musikern ist unglaublich. Dort geschieht The real Deal», berichtet er begeistert.

Samir Böhringer in Aktion.

Samir Böhringer in Aktion.

Bild: PD/Paul Märki

Ob man da als Schlagzeuger aus der Schweiz nicht untergeht? «Dort war ich noch gar nie an der Oberfläche», lacht Böhringer. Kein Hahn krähe in New York nach seiner Band und dennoch empfindet er die Energie und verschiedenen Musikszenen der Stadt als unglaublich motivierend.

Zentral, um die vergangenen Konzertreihen und Plattenaufnahmen in Übersee planen zu können, war der 2019 gesprochene Förderbeitrag des Kantons Thurgau. Die 25 000 Franken hätten ihm ermöglicht, sich mehr auf seine Projekte und musikalischen Ideen konzentrieren zu können, anstatt bei jedem «Cüpligig» für eine warme Mahlzeit auftreten zu müssen.

Drei musikalische Musketiere

Ein solches Projekt ist die Band Trois Imaginaires, die für ihn mittlerweile zur Herzensangelegenheit geworden ist. Das Trio erzählt auf ihren Instrumenten von Heldentaten und Gaunereien und lässt die Zuhörenden eigene Wahrheiten aus den musikalischen Narrationen ziehen.

Die Songs überschreiten dabei Genregrenzen, swingender Jazz wird mit krachenden Punk-Riffs zerteilt oder mit Ambiente-Synthesizern überdeckt. «Manga-Jazz» oder «Geek-Rock» haben Gitarrist Anatole Buccella, Bassist Pino Zortea und Schlagzeuger Samir Böhringer ihre Musikrichtung als Anspielung auf ihre popkulturellen Wurzeln selbstironisch getauft.

Beim freien Musizieren kennengelernt

Den Ursprung des Jams, bei dem das Trio einst zusammengekommen ist, hört man auch nach vier Jahren bei jedem Konzert noch heraus. Diese universelle musikalische Sprache des gemeinsamen, freien Musizierens schlägt Böhringer auch heute noch in seinen Bann:

«Ich kann nach Hinterpfupfigen an einen Jam reisen und ein Standardstück auspacken, dass ich schon 1000 Mal gespielt habe. Und dennoch hört es sich mit neuen Musikern jedes Mal anders an.»

Trois Imaginaires live:
Freitag, 25. September, 20 Uhr, Kult-X, Kreuzlingen