St.Galler Festspiele
«Es ist grossartig, dass so etwas wieder möglich ist»: Das sagen prominente St.Galler nach der Premiere von «Notre Dame»

Am Freitagabend feierten die St.Galler Festspiele auf dem Klosterplatz Premiere. St.Gallens Stadtpräsidentin, der Rektor der HSG und andere Prominente erzählen nach der Aufführung, wie ihnen die Oper «Notre Dame» gefallen hat.

Rolf App
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«Notre Dame» feierte am Freitagabend Premiere.

«Notre Dame» feierte am Freitagabend Premiere.

Bild: Toni Suter / T+T Fotografie
Laura Bucher, Regierungsrätin Kanton St.Gallen.

Laura Bucher, Regierungsrätin Kanton St.Gallen.

Bild: Nik Roth

Coronabedingt fällt die Premierenfeier diesmal aus an den St.Galler Festspielen. Doch ein paar Prominente sind auf unsere Einladung hin am Freitagabend noch geblieben, um die Aufführung der Oper «Notre Dame» von Franz Schmidt zu würdigen. Deren Entstehung hat Regierungsrätin Laura Bucher hautnah miterlebt; ihr Büro geht direkt auf den Klosterhof. «Eindrucksvoll war, wenn während unserer dienstäglichen Regierungssitzung diese schöne Musik ins Sitzungszimmer gedrungen ist», erzählt sie, wie alle andern noch ganz animiert von der Premiere.

Maria Pappa, Stadtpräsidentin St.Gallen.

Maria Pappa, Stadtpräsidentin St.Gallen.

Bild: Nik Roth

Dass unsere Gäste trotz eher kühler Temperaturen so beschwingt-beeindruckt daherkommen, hat nicht nur mit den berührend-kraftvollen Stimmen zu tun, welche die St.Galler Stadtpräsidentin Maria Pappa als Erstes erwähnt. Sondern auch mit dem Rahmen, in dem sich das düstere Spiel um die Zigeunerin Esmeralda, den buckligen Quasimodo und den ruchlos-hilflosen Archidiaconus abspielt. «Es ist fantastisch, wie die riesige Rosette auf der Bühne mit der Barockfassade im Hintergrund korrespondiert», sagt Bernhard Ehrenzeller, Rektor der Universität St.Gallen (HSG).

Bernhard Ehrenzeller, HSG-Rektor.

Bernhard Ehrenzeller, HSG-Rektor.

Bild: Nik Roth

Wobei sich das Materielle desto stärker mit dem Immateriellen mischt, je länger der Abend dauert. «Du kommst, wenn es noch hell ist, merkst, wie es langsam dunkel wird, und erlebst dann die ersten grossen Lichtinszenierungen», beschreibt die Olma-Direktorin Christine Bolt ihre Faszination. Für all dies hat Martin Jara, als CEO von Helvetia Schweiz Vertreter einer der Hauptsponsoren, nur ein Wort:

«Absolut beeindruckend».
Christine Bolt, Direktorin Olma-Messen.

Christine Bolt, Direktorin Olma-Messen.

Bild: Nik Roth

Nicht dass es nicht auch kritische Stimmen gäbe. Schon der Dichter und Librettist Hugo von Hofmannsthal hat seinerzeit das Libretto der 1914 uraufgeführten Oper als «absurd» und «albern» bezeichnet. Stiftsbibliothekar Cornel Dora sagt heute: «Die Handlung ist crazy, der Stoff nicht zeitgemäss – aber halt Victor Hugos <Glöckner von Notre-Dame> entlehnt.» Schon allein die vielen Männerrollen! «Inhaltlich ist <Notre Dame> schwere Kost», sagt Christine Bolt denn auch.

«Ich hätte gern ein wenig mehr Karneval gehabt.»
Martin Jara, CEO Helvetia Schweiz.

Martin Jara, CEO Helvetia Schweiz.

Bild: Nik Roth

Empört sich da nicht die Feministinnenseele, wenn eine Frau so zum Spielball der Männerwelt und der Kirche wird – und am Ende sterben muss, wie so oft in der Oper? «Ich habe gehofft, dass noch ein Retter kommt», sagt Maria Pappa. «Aber so ist die Oper halt. Und andererseits passt das ganz gut zu fünfzig Jahren Frauenstimmrecht: Da sieht man, wie schlecht Frauen über die Jahrhunderte behandelt worden sind.»

Ja, so kann man es auch sehen. Wobei etwas ganz Wichtiges noch gar nicht erwähnt wurde – die Musik. Ihretwegen ist Cornel Dora nämlich gekommen. Die spätromantische, in einem breiten sinfonischen Fluss sich ergiessende Musik von «Notre Dame» hat es ihm angetan. «Franz Schmidt ist ein Geheimtipp», sagt er. Auf solche Opern-Raritäten haben die St.Galler Festspiele sich spezialisiert – und bekommen dafür viel Lob von unseren Premierenbesuchern. «Es ist schön, einmal etwas ganz anderes zu sehen», sagt Christine Bolt.

Cornel Dora, Stiftsbibliothekar.

Cornel Dora, Stiftsbibliothekar.

Bild: Nik Roth

In diesem Jahr kommt noch das Corona-bedingte Wagnis dazu. «Dass man das durchgezogen hat, ist ausserordentlich verdienstvoll», sagt HSG-Rektor Ehrenzeller. Und findet bei Laura Bucher lebhafte Unterstützung.

«Es ist ganz grossartig, dass so etwas wieder möglich ist – und dass Konzert und Theater St.Gallen den Mut gehabt haben. Es hat ja auch Widerstände gegeben.»

«Das Leben ist zurück», sagt Christine Bolt. Die Oper auf dem Klosterhof aber markiert den «Auftakt in eine neue Normalität», fügt Laura Bucher hinzu. Sie freut sich schon darauf, dass vor ihrem Büro wieder geprobt wird – im kommenden Jahr dann für «Die Jungfrau von Orléans» von Pjotr Tschaikowsky.