St.Galler Festspiele
Grosses Publikumsinteresse, aber drei Ausfälle und ein Abbruch: Das Wetter trübt die Bilanz der 16. St.Galler Festspiele

Das Interesse an der diesjährigen Festspieloper «Notre Dame» war gross, das Medienecho positiv – doch auf die lange coronabedingte Zitterpartie folgte launisches Wetter. Das dämpft die Freude, ermutigt aber umso mehr zum Weitermachen. Nach der Theaterpause, indoor.

Bettina Kugler
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An der Premiere blieb es trocken – die Zusatzvorstellung am 10. Juli aber ging nur bis zum Ende des ersten Aktes.


An der Premiere blieb es trocken – die Zusatzvorstellung am 10. Juli aber ging nur bis zum Ende des ersten Aktes.


Bild: Toni Suter

Das vorzeitige Aus kam nicht gerade jäh am Samstagabend auf der Festspieltribüne im Klosterhof: Um 21.40 Uhr, es regnete schon eine Weile und blitzte aufreizend im Westen, musste die letzte Vorstellung der Oper «Notre Dame» abgebrochen werden. Jammerschade, aber ein vernünftiger Entscheid; die Drohkulisse des aufziehenden Gewitters war kein Special Effect, sondern entsprach exakt der Wetterprognose.

Doch ach, man hätte es den mehr als 600 Zuschauerinnen und Zuschauern an diesem Abend und allen Beteiligten der St. Galler Festspiele vor und hinter den Kulissen dennoch gewünscht, dass die Meteorologen für einmal daneben liegen würden. Zumal das Spiel bereits, wie auch bei der parallel stattfindenden Fussball-EM ziemlich oft, bereits in die Verlängerung gegangen war. Nach drei frühzeitig abgesagten Vorstellungen war die Derniere am Samstag ein Zusatztermin. Der zweite übrigens: Der erste war ganz ausgefallen, wegen Dauerregen seit dem späten Nachmittag.

Erst Corona, dann das Wetter – eine Belastungsprobe für die Nerven

Ein Trauerspiel, wie es nicht im Libretto von «Notre Dame» steht – man könnte sich mit Galgenhumor trösten und sich sagen: Macht nichts, sind’s schon ein paar Bühnenleichen weniger, und der schönen Esmeralda bleibt der Scheiterhaufen erspart. Dennoch war es ärgerlich und traurig. Erst die Planungen und Vorbereitungen unter erschwerten Bedingungen, dann, kaum setzten die Corona-Lockerungen für Kulturveranstaltungen ein, eine Wetterlage, die nicht weniger unberechenbar war als das Virus – das hat den Festspielen die Freude doch ziemlich verhagelt. Immerhin fünf Vorstellungen konnten gespielt werden, aber die wenigen lauen, wolkenlosen Sommerabende lagen dazwischen oder kamen zu spät.

Doch hat die Pandemie Veranstalter wie auch das Publikum gelehrt, solche Unwägbarkeiten mit Fassung zu tragen. Das war nicht nur am Samstagabend zu spüren, beim kleinlauten, enttäuschen Aufbruch der Leute in ihren knisternden Regenponchos aus Klarsichtfolie. Auch Werner Signer, Geschäftsführender Direktor von Konzert und Theater St. Gallen, versuchte es humorvoll zu formulieren in seinem abschliessenden Statement. «Leider hat sich Petrus nicht mehr an unser Wunsch-Drehbuch gehalten», liess er am Montag schriftlich mitteilen – und bedauerte,

«... dass aus diesem Grund nicht alle Interessierten in den Genuss der Festspieloper kamen.»

Immerhin gab es darüber hinaus etliche gut gebuchte Indoor-Programme: das Tanzstück «Echo» in der Kathedrale, sechs exzellente Konzerte mit inhaltlichem und interpretatorischem Tiefgang. Hier sass man weiterhin mit Maske, unter Respekt der Abstand- und Hygieneregeln. Doch auch auf der Tribüne ging es so kultiviert und rücksichtsvoll zu, wie man es sich andernorts vergeblich wünscht, Man freute sich auf Oper, auch ohne Pause, ohne Gastrozelt. Sollte die Zahl der Infektionen in den nächsten Wochen wieder hochschnellen: die Festspiele sind ganz sicher nicht schuld daran.

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