Rock
«Ein letztes Instrument noch, dann ist Schluss»: Wie Vanja Vukelic zu ihrem Bass kam

So laut und so viel wie möglich ist Vanja Vukelics Devise bei Konzerten. Doch derzeit macht die Bassistin, bekannt aus Rockbands wie Neckless und Mama Jefferson, erst einmal Pause in einem Bündner Bergdorf.

Emil Keller
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Der Kanton St.Gallen hat Vanja Vukelic einen Werkbeitrag über 30'000 Franken verliehen.

Der Kanton St.Gallen hat Vanja Vukelic einen Werkbeitrag über 30'000 Franken verliehen.

Bild: Regina Jäger

Aufgewachsen am «Füdeli» der Welt, in einem kroatischen Dorf mit drei Fernsehsendern, gab es als Kind nicht viel zu tun ausser im Wald Hütten zu bauen und Klavier zu spielen. Vanja Vukelic beschäftigte sich vor allem mit Letzterem und entdeckte damit ihre Faszination für die Musik.

Mit ihrer alleinerziehenden Mutter zügelte das Einzelkind in die Schweiz nach Uzwil, wo Unterricht und jedes Weihnachtsfest ein neues Musikinstrument folgten. Handorgel, Gitarre und Schlagzeug brachte sich Vukelic teils selbst bei und gründete mit Freunden die Indierock-Band Neckless.

Nationaler Erfolg mit Neckless

Weil Klavierspielen nicht viel Auslauf auf der Bühne bot und der damalige Bassist nie in die Probe kam, griff sie kurzerhand selbst zu den vier Saiten. «Ein letztes Instrument noch, dann ist Schluss», versprach Vukelic ihrer Mutter und wünschte sich einen E-Bass.

Die Jugendliche sollte Wort halten: Beim Bass «nahm es ihr den Ärmel rein», konnte sie ihre Liebe zu Harmonien doch mit der Leidenschaft für Rhythmen verbinden. Mit Vukelic als neues Bindeglied zwischen Melodie und Groove nahm die Rockband Fahrt auf und gewann 2014 den mit 50'000 Franken dotierten nationalen Musikwettbewerb «MyCokeMusikc Soundcheck».

Direktes, brachiales, erdiges Spiel: Vanja Vukelic live am Bass.

Direktes, brachiales, erdiges Spiel: Vanja Vukelic live am Bass.

Bild: Regina Jäger

Pop ohne Plan B

Sie ging an die Zürcher Hochschule der Künste, um Pop zu studieren. Ihr Umfeld riet ihr davon ab und empfahl ihr, zuerst einmal etwas «Richtiges» zu lernen. Doch zu dem Zeitpunkt stand die Musik im Mittelpunkt, konnte sich Vukelic keinen Plan B mehr vorstellen. Eine Entscheidung, die bezeichnend für die mittlerweile fertig ausgebildete Bassistin ist. «Ich höre mir Ratschläge oder Musik von anderen an», sagt Vukelic. Diese blind anzunehmen oder nachzuspielen, sei jedoch nicht ihr Ding.

So scheint es auf den ersten Blick, als würde Vukelic gerne mit Konventionen unserer Gesellschaft brechen. Das bezieht sich nicht nur auf ihr Spiel, welches direkt, brachial und erdig ertönt. Auch in Sachen Beziehung, Arbeit oder Wohnort geht sie ihren eigenen Weg. Nicht aus Trotz, sondern vielmehr, weil sie Altbewährtes hinterfragt.

Was ist ihr Eigenes, was wird ihr nur von aussen aufgedrängt? Dieser Frage geht sie beständig nach. «Für die Antwort musste ich schon oft aus meiner Komfortzone herauskommen. Mittlerweile habe ich mir dadurch aber auch neue Freiheiten geschaffen.»

Pause im Bündner Bergdorf

Derzeit wohnt Vukelic wieder ab vom Schuss, im beschaulichen Bündner Bergdorf Zillis. Eher ungewöhnlich für eine Musikerin, welche gerade am Durchstarten ist. Vom Kanton St.Gallen hat Vukelic für ihre anstehenden musikalischen Projekte einen Werkbeitrag in Höhe von 30'000 Franken erhalten. Doch nach Jahren in Winterthur und Zürich, wo sie als Musikerin sieben Tage die Woche gespielt, geprobt oder geplant hat, um sich finanziell über Wasser zu halten, musste sie eine Pause einlegen.

Dabei geht die 30-Jährige in ihrer Arbeit als Musikerin eigentlich voll auf:

«Ich bin ein Ramba-Zamba-Mensch, für den es immer so laut wie möglich und so viele Menschen wie möglich haben muss.»

Immer im Mittelpunkt des Geschehens zu sein, lenke jedoch von den eigenen Ideen ab. In Zillis kann sie nun in Ruhe arbeiten und ihre kreative Energie bündeln. Die kantonale Förderung kommt deshalb gelegen und gebe ihr den Raum, sich ihren musikalischen Herzensangelegenheiten zu widmen: Beim Badener Balladen Barden Dino Brandão ist sie verantwortlich dafür, dass alle vor der Bühne in Schwung kommen. Mit zwei Freunden werkelt sie zudem an neuen Elektro-Pop-Hymnen, welche ihr Talent für Sounddesign fordern.

Und bei ihrer eigenen Band Mama Jefferson liegen genug Songs bereit, um ein neues Album aufzunehmen. In dem Rock-Trio kann sie als Sängerin und Bassistin den animalischen, wilden Teil ihrer Persönlichkeit ausleben, der sich vor allem bei Liveshows Platz verschafft.

Vukelic mit ihrer Band Mama Jefferson auf der Bühne.

Quelle: Youtube

«Auf der Bühne weiss ich fast nicht, wohin mit meiner Energie», sagt Vukelic und freut sich, dass erste Konzerte jetzt wieder möglich sind. Neben der Bühne zeichne sich aber auch ein ruhiger, in sich gekehrter Teil ihrer Persönlichkeit aus. Es wäre also keine Überraschung, wenn sich der Musikstil oder vielleicht sogar das Instrument von Vukelic in den kommenden Jahren wandelt.

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