Rock
Das St.Galler Rockduo Elio Ricca fährt mit dem Weltraumzug durch die Grabenhalle

Die Konzertlokale und Clubs stehen leer, doch in einigen wird nach wie vor gearbeitet. Ein Besuch beim Duo Elio Ricca, das in der Grabenhalle St.Gallen gerade einen ganzen Zugwaggon aufbaut.

Roger Berhalter
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Unter dem Regenbogen: Philip Meienhofer (links) und Elio Ricca beim Aufbau ihrer Kulisse für den Videodreh in der Grabenhalle.

Unter dem Regenbogen: Philip Meienhofer (links) und Elio Ricca beim Aufbau ihrer Kulisse für den Videodreh in der Grabenhalle.

Bild: Michel Canonica

Ein längliches Gerippe aus Holz und Metall steht mitten in der Grabenhalle. Dort, wo normalerweise das Publikum vor der Bühne feiert und der Tontechniker den Live-Sound steuert. Die Bühne ist verschwunden und hat dem Gerippe Platz gemacht. «Das ist unser Zug, der durchs Weltall fliegt», sagt Elio Ricca, Sänger des gleichnamigen Rockduos. Mit seinem Bandkollegen Philip Meienhofer hat sich der 28-Jährige in der Grabenhalle eingerichtet, um die Kulisse für einen Videoclip zu bauen und diesen vor Ort zu drehen. «Zwei Wochen lang dürfen wir hier sein», sagt Ricca

Seit Dezember meist ungenutzt

Zwei Wochen lang durchgehend die Grabenhalle zu belegen: Im Normalbetrieb wäre das unmöglich. Doch wegen Corona sind Veranstaltungen mit Publikum bis auf weiteres verboten, die Konzertlokale bleiben geschlossen und stehen leer.

Die Grabenhalle, die vor allem von externen Veranstaltern gebucht wird, blieb seit Dezember ebenfalls meist ungenutzt. Doch vor ein paar Wochen wurde Theater gespielt. Die Compagnie Buffpapier probte vor Ort ihre neue Produktion. Zu den anschliessend geplanten Aufführungen kam es aber nicht.

Storen aus dem Abfall und alte Kuchenformen

Und jetzt bauen hier also Elio Ricca ihren Weltraumzug auf. «Es ist eine Low-Budget-Produktion», sagt Elio Ricca über die Bau- und Dreharbeiten zum Videoclip. Die Holzlatten für das Gerippe stammen aus dem Baumarkt. Die grauen Storen für die Innenverkleidung des Zugs haben die Musiker aus einer Abfallmulde gefischt. Das Miniaturmodell des Zugs (für die Aussenaufnahmen) ist aus alten Kuchenformen geschnitten. Alles in allem habe man vielleicht 300 Franken ausgegeben, sagt Ricca.

Das St.Galler Duo Elio Ricca.

Das St.Galler Duo Elio Ricca.

Bild: Michel Canonica

So improvisiert das alles scheint: Die Rockmusiker arbeiten professionell. Seit Monaten bereiten sie den Videodreh nun schon vor. Ricca zeigt ein Storyboard, das er gemalt hat, und das den Clip zum Song «Rainbow» Szene für Szene zeigt. Die Baupläne für den Weltraumzug stammen aus einem 3D-Modell, das alle Masse genau auflistet, von der Zugspitze bis zum «Födle», wie auf einem Plan steht. Zudem arbeiten die Musiker mit Tänzerinnen und einem Animationsduo zusammen.

Das dritte Album ist fast fertig

Im Herbst soll der Clip zu «Rainbow» fertig sein. Es ist die Vorabsingle zum neuen, dritten Album von Elio Ricca, das noch keinen Namen hat. «Wir hatten im Lockdown sehr viel Zeit», sagt Ricca, der als Lichttechniker im Palace und in der Grabenhalle in den vergangenen Monaten kaum noch Arbeit hatte.

Das Gute daran: Die beiden St.Galler Musiker konnten so ein ganzes Album schreiben und aufnehmen. Doch abgesehen davon sei das vergangene Jahr schwierig gewesen, sagt Ricca:

«Es war ein Struggle, auch finanziell.»

Dann schrauben die beiden weiter an ihrem Weltraumzug. So vertieft in ihr Projekt waren sie in den vergangenen Tagen, dass sie beinahe Ostern vergessen hätten. Auch die Festtage werden Elio Ricca in der Grabenhalle verbringen.

Videoclip zum Song «Surveillance» von Elio Ricca.

Youtube

Nur wenige Clubs organisieren Zwischennutzungen

Veranstaltungen mit Publikum sind weiterhin verboten, seit Dezember stehen Konzertlokale und Clubs leer. Das öffnet wortwörtlich Räume. Doch wie eine Umfrage zeigt, sind die meisten Kulturveranstalter inzwischen ernüchtert angesichts der nach wie vor herrschenden Planungsunsicherheit und nach all dem Verschieben, Absagen und Umplanen von Anlässen. Die meisten warten jetzt darauf, bis sie wieder Publikum einlassen dürfen.

Residenzen und Theaterproben

Manche Veranstalter versuchen inzwischen aber, ihre Räume wenigstens ein bisschen zu beleben. Das St.Galler Palace zum Beispiel hat Anfang Jahr begonnen, Musiker einzuladen und eine Artist-in-Residence-Reihe zusammenzustellen. Jeweils zwei Künstlerinnen oder Künstler dürfen ihre Instrumente aufstellen und das ehemalige Kino eine Woche lang als Proberaum nutzen.

Auch das Eisenwerk in Frauenfeld führt das fort, was nach wie vor erlaubt ist. In erster Linie sind es Theaterproben hinter verschlossener Tür. Das Junge Theater Thurgau probt im Eisenwerk sein neues Stück «Level up», das am 23. April Premiere feiern soll. In der Shedhalle finden ab und zu Fotoshootings statt, und auch die Mitglieder des Improtheaters trainieren nach wie vor – wenn auch gestaffelt und in coronakonformen Kleingruppen.