Rap
Eine starke Schulter und ein offenes Ohr: Der St.Galler Rapture Boy gibt auf seiner neuen EP Lebenshilfe

Der «bandXost»-Gewinner Rapture Boy hat eine neue EP veröffentlicht. In sechs Songs erzählt der St.Galler von seiner schwierigen Kindheit in Südafrika und von anderen Prüfungen, die er gemeistert hat. Seine poetischen Texte strotzen vor Zuversicht.

Roger Berhalter
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«Ich habe diese Poesie geschrieben in der Hoffnung, dass sie hilft»: Der St.Galler Rapper Shaquille Bernhard alias Rapture Boy.

«Ich habe diese Poesie geschrieben in der Hoffnung, dass sie hilft»: Der St.Galler Rapper Shaquille Bernhard alias Rapture Boy.

Bild: Tobias Garcia (18. Dezember 2020)

Er gehe nirgends hin, er sei da, rappt Rapture Boy immer wieder. Es tut gut, die neue EP des St.Gallers zu hören. Nicht nur wegen der entspannten Beats und des unaufgeregten Sprechgesanges. Sondern auch, weil Rapture Boy seinen Zuhörern ständig auf die Schultern klopft: «Eines Tages wird dein Tag kommen», verspricht er in «Tell em» – und man glaubt es ihm.

Ja, diesen Mann würde man um Rat fragen, wenn es schlimm um einen steht. Seine Reime sind dazu gemacht, einen zu packen und aus persönlichen Tiefs herauszuholen. Sie seien dazu da, um «dich mit etwas zu bewaffnen, womit du zurückschlagen kannst», rappt er in «Time Now». Die Zeilen strotzen vor Hoffnung und Zuversicht und dienen bei Bedarf als Lebenshilfe: «Ich habe diese Poesie geschrieben in der Hoffnung, dass sie hilft», rappt er einmal. Und wieder:

«Ich gehe nirgends hin, also musst du keine Angst haben.»

«Write Your Own Way» heisst die neue EP von Rapture Boy, bürgerlich Shaquille Bernhard. Es ist das Lebensmotto des St.Galler Rappers und bedeutet wortwörtlich: «Schreibe deinen eigenen Weg». Oder frei übersetzt: «Lass dich auf deinem Lebensweg weder einschüchtern noch beirren.» In sechs Songs erläutert Rapture Boy, was er damit meint.

Cover der EP «Write Your Own Way».

Cover der EP «Write Your Own Way».

Bild: PD

Schon zum Auftakt, in «Big Poppa», macht er klar, dass er sich nicht aufhalten lässt und eben: seinen Weg geht. In «Champagne» erzählt er von seiner Kindheit in Südafrika, wo er aufwuchs, von den Kämpfen, die er dort ausfocht und den Hürden, die er überwinden musste. Er sei zerrissen aufgewachsen, rappt er in «Third I Vision» zu taumelnden Synthesizern und einem souligen Frauenchor. Mittlerweile sei er zwar wieder «zusammengenäht», suche aber immer noch fehlende Teile.

Video zur Single «Third I Vision» von Rapture Boy.

Quelle: Youtube

Der 27-Jährige hat offenbar gelernt, sich durchzuschlagen. In Kapstadt, wo er viel Ungerechtigkeit erlebte, und von wo er als Jugendlicher in die Schweiz zu seinen Grosseltern floh. Und auch in St.Gallen, wo er einerseits eine bürgerliche Ausbildung in der Hotelbranche macht und anderseits an seiner Rapkarriere arbeitet. Mit Erfolg: Im vergangenen Jahr gewann er den grössten Ostschweizer Bandwettbewerb «bandXost».

Auf der neuen EP gibt sich Rapture Boy entsprechend geläutert, gefestigt und erleichtert. Prüfungen erfolgreich meistern, aus schwierigen Situationen gestärkt hervorgehen: Das ist sein Lieblingsthema. «Harte Arbeit zahlt sich aus», rappt er auch in «Imma Do Me» über einem melancholischen Beat. Es geht um die eigenen Dämonen, um echte und falsche Freunde.

Präzis, glasklar und mit südafrikanischem Akzent

Der St.Galler trägt seine Lebensweisheiten nicht mit erhobenem Zeigefinger vor, sondern mit einer Lockerheit, die jene harte Arbeit überspielt, die zweifellos in seinen Texten und Reimen steckt. Es gibt nicht viele, die so fliessend und gleichzeitig so tiefgründig rappen können wie Rapture Boy. Präzis und glasklar spricht er seine englischen Zeilen ins Mikrofon, mit dem für ihn typischen Südafrika-Akzent.

Video zum Song «Tell em» von Rapture Boy.

Quelle: Youtube

Einfache Parolen hat er nicht auf Lager, ebenso wenig verbreitet er Hände-in-die-Höhe-Party-Stimmung. Stattdessen liefert er poetische Zeilen mit Tiefgang. Rapture Boy bietet sich an als starke Schulter, an die man sich in stürmischen Zeiten lehnen kann, und als offenes Ohr. «Sag ihnen, dass ich da bin. Sag ihnen, dass ich mich kümmere. Sag ihnen, sie sollen keine Angst haben», heisst es in «Tell em».

Rapture Boy rappt zwar allein, doch ist er kein Einzelkämpfer, was er immer wieder betont. Den Traum, den er verfolge, teile er mittlerweile mit anderen. Seinen Weg geht er heute nicht mehr allein.