Porträt
Zwischen Lodenstoff und Glitzerbordüren: Laura Oertle und Marisa Mayer schneidern Kostüme fürs Theater

Laura Oertle und Marisa Mayer haben sich in der Ausbildung zur Damenschneiderin kennen gelernt. Unter dem Label Oema Kostüm kleiden sie Laien- und Profidarsteller in der ganzen Ostschweiz ein. Ein Besuch in ihrem Atelier in Lichtensteig.

Mirjam Bächtold
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Laura Oertle und Marisa Mayer schneidern Kostüme für verschiedene Laientheatergruppen sowie fürs Theater St.Gallen.

Laura Oertle und Marisa Mayer schneidern Kostüme für verschiedene Laientheatergruppen sowie fürs Theater St.Gallen.

Bild: Michel Canonica

Marisa Mayer zieht der Schneiderpuppe das Tutu aus weissem Tüll über, Laura Oertle knöpft das paillettenbesetzte Top zu und richtet den Spitzenkragen. Es ist das Kostüm des Clowns für ihre nächste Produktion «Es Kamel im Zirkus» der Theaterkompanie Cirque de Loin, welche das St. Galler Theaterfestival Jungspund am 17. Februar eröffnen wird. Die beiden Kostümbildnerinnen sind derzeit sehr gefragt, von Laientheatergruppen bis zum Theater St.Gallen.

In ihrem Atelier im Rathaus für Kultur in Lichtensteig stapeln sich Stoffballen in den Regalen, auf dem Tisch liegen Schnittmuster und Stoffe in Arbeit und auf einem Kleiderständer hängen verschiedene Kostüme. Vor viereinhalb Jahren haben sich Marisa Mayer und Laura Oertle immer mehr in die Selbstständigkeit gewagt. «Der Übergang war fliessend. Wir reduzierten unsere Jobs nach und nach und konnten mit der Zeit mehr Aufträge annehmen», sagt Laura Oertle.

Mittlerweile haben sie viel zu tun. Ihre Kostüme laufen unter dem Label Oema Kostüm und waren in verschiedenen Stücken in der Ostschweiz wie «Seelig», «Ueli Bräker», «Tigg-Tagg-Toggenburg» und «Lupina – die Legende vom Bodensee» zu sehen. Für die Theatertanzschule St.Gallen haben sie die rund 200 Darstellerinnen und Darsteller des Kinderstücks «Räuber sein ist ganz schön schwer» 2017/18 eingekleidet.

Im Atelier im Rathaus für Kultur in Lichtensteig arbeiten die beiden an Stoffen und Schnittmustern.

Im Atelier im Rathaus für Kultur in Lichtensteig arbeiten die beiden an Stoffen und Schnittmustern.

Bild: Michel Canonica

Leidenschaft für historische Kostüme

Die beiden lernten sich während der Lehre zur Damenschneiderin am Couture-Lehratelier der GBS in St.Gallen kennen. «Seither sind wir befreundet», sagt Marisa Mayer. Nach der Lehre absolvierten beide die Aufnahmeprüfung zur Modeco, der Schweizerischen Fachschule für Mode und Bekleidung, und absolvierten während eines Jahres die Ausbildung zur Theaterschneiderin. «Von etlichen Prüflingen wurden lediglich sieben genommen. Es war ein grosses Glück, dass wir beide diese Ausbildung absolvieren konnten», sagt die 25-jährige Marisa Mayer. Ihre gleichaltrige Kollegin ergänzt:

«Dieses Jahr hat uns noch mehr zusammengeschweisst.»

Während der Ausbildung haben die Schneiderinnen auch gelernt, historische Kleiderteile wie etwa Mieder und Reifröcke zu nähen. Ausserdem hatten sie Kostümgeschichte und Modedesign als Fächer. «Ich liebe historische Kostüme. Am liebsten wäre ich einmal bei einem grossen Filmset eines historischen Films dabei», sagt Marisa Mayer.

Eigene Kollektion entworfen

Für die beiden war immer klar, dass sie etwas Gestalterisches lernen möchten. «Meine Grossmutter hat viel genäht und ich hatte schon immer gerne unterschiedliche Kleider», sagt Laura Oertle und ergänzt: «Die Stoffe, mit denen wir arbeiten, sind so vielseitig: Glitzerbordüren, Spitzen, raue Stoffe. Das gefällt mir.»

Bunte Jacken aus gebrauchten Perserteppichen: Im ersten Pandemiejahr haben Marisa Mayer und Laura Oertle ihre eigene Kollektion entworfen.

Bunte Jacken aus gebrauchten Perserteppichen: Im ersten Pandemiejahr haben Marisa Mayer und Laura Oertle ihre eigene Kollektion entworfen.

Bild: Hanes Sturzenegger

Nebst den Theaterkostümen schneidern sie auch Kleider auf Bestellung. Als weiteres Standbein geben sie zweimal pro Jahr eine Woche einen Nähkurs für Jugendliche in Zürich. Marisa Mayer erzählt: «In der Lehre haben wir gelernt, alles auf den Millimeter genau zu nähen. Mit den Jugendlichen müssen wir uns von dieser Perfektion verabschieden. Das ist sehr erfrischend.»

Während des ersten Pandemiejahres hatten die beiden keine Aufträge. Aus der Not haben sie eine Tugend gemacht und ihre eigene Kollektion entworfen. «Da uns Nachhaltigkeit sehr wichtig ist, haben wir dazu gebrauchte Perserteppiche verwendet», schildert Laura Oertle. Daraus nähten sie bunte Jacken, jedes Stück ein Unikat.

«Es Kamel im Zirkus», Premiere am Donnerstag, 17. Februar, 19 Uhr, Lokremise St. Gallen. Infos unter jungspund.ch

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