Pop
Verlorene Gitarren und euphorische Jauchzer: Mischgewebe veröffentlichen ihr erstes Album

«Violet» heisst das erste Album des st.gallisch-bündnerischen Indie-Pop-Duo Mischgewebe. Es nimmt dem Zuhörer jedes Zeitgefühl.

Roger Berhalter
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Melanie Danuser und Bill Bühler alias Mischgewebe.

Melanie Danuser und Bill Bühler alias Mischgewebe.

Bild: PD

Die meisten Bands gehen ins Studio, um ihre Songs aufzunehmen. Mischgewebe hingegen sind ins Studio gegangen, um ihre Songs erst einmal zu schreiben. Von manchen Liedern hatten sie nur Zeichnungen angefertigt, «John-Cage-Partituren», wie Melanie Danuser sagt.

Nicht einmal ihre Texte hatte die Sängerin aufgeschrieben, als sie sich mit Mitmusiker Bill Bühler und Produzent Simon Jäger in ein Bündner Berghäuschen verkroch, um ihr erstes Album aufzunehmen. Das war schon 2019, als Mischgewebe auch den Bandwettbewerb «bandXost» gewannen.

Ausprobieren und Improvisieren

Zuvor hatte das st. gallisch-bündnerische Duo seine Songs zwar schon oft live gespielt, aber immer wieder anders. «Das klappte mal besser, mal schlechter», erinnert sich Bill Bühler lachend an die unstrukturierten ersten Konzerte.

Aber genau dieses Ausprobieren und Improvisieren war und ist ein wichtiger Teil von Mischgewebe. Es macht ihren elektronisch unterfütterten Pop im besten Sinn unberechenbar.

Ein nach eigenen Angaben «junges, ultra paniertes & next-Level-motiviertes Elektro-Pop-Duo de la Suisse»: Aufruf von Mischgewebe zum Crowdfunding zur Finanzierung ihres Albums.

Quelle: Youtube

Auch auf dem Album «Violet» weiss der Zuhörer nie, was ihn erwartet. Und wenn er es zu wissen glaubt, wird diese Erwartung garantiert unterwandert. Die zehn Songs des Debütalbums sind voller Brüche und abrupter Wechsel. Im Song «Unmade» zum Beispiel drängt sich plötzlich ein böser Synthesizer-Bass in den Vordergrund. Später setzt eine Gitarre zu einem Solo an ­– das dann aber ins Leere läuft und abbricht.

Zwei Minuten Pause mitten im Song

Auch der Titelsong «Violet» beginnt ruhig, mündet aber in einen hypnotischen, tanzbaren Clubtrack. Und mitten im Song «Cornwall» machen Mischgewebe kurzerhand zwei Minuten Pause, nur noch verhallte Stimmfetzen und Atmosphären erklingen. In solchen Momenten verliert der Zuhörer jegliches Zeitgefühl. Dann aber setzt der Beat wieder ein, der Song geht weiter, man fasst wieder Tritt.

Insgesamt also ein facettenreicher Mix – ein Mischgewebe, eben – den das Duo auf seinem ersten Album präsentiert. Und doch zieht sich ein roter Faden durchs Gewebe: einerseits Bill Bühlers warm und flächig gespielten Synthesizer. Anderseits Melanie Danusers dynamische Stimme, die vom leisen Klagen bis zum euphorischen Jauchzen alles abdeckt.

Zusammen steuern die beiden die Energie sehr präzis, drehen laut und wieder leiser, zelebrieren lange Spannungsbögen und foutieren sich um Branchenstandards. Radiotauglich sind allein die beiden vorab als Single veröffentlichten «I Wanna Know You» und «Come Down». Zwei kraftvolle Popsongs, die im Ohr bleiben. Zu «I Wanna Know You» hat das Künstlerduo Rico & Michael einen sehenswerten Videoclip produziert:

Quelle: Youtube

Am 7. Mai erscheint das Debütalbum «Violet» auf allen digitalen Kanälen, zudem auf Vinyl – und als Waschmittel mit Downloadcode. Von Melanie Danuser selber gemixt und bestens geeignet, um Misch- und anderes Gewebe zu waschen.

www.mischgewebemusic.com