Nachwuchswettbewerb
Mit psychedelischen Klängen zum Sieg: St.Galler Rockband Choose The Juice gewinnt «bandXost»

Acht Bands kämpften am Samstagabend in der St.Galler Grabenhalle um den Sieg beim Newcomerwettbewerb «bandXost». Am meisten überzeugt hat die Jury die Gruppe Choose The Juice mit ihrem atmosphärischen Psychedelic Rock.

Claudio Weder
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Kurz nach Mitternacht waren die Sieger des diesjährigen «bandXost» bekannt.

Kurz nach Mitternacht waren die Sieger des diesjährigen «bandXost» bekannt.

Bild: Michel Canonica

Bevor die vierte Band des Abends die Bühne betrat, empfahl Moderatorin Rosie Hörler dem Publikum, die Augen zu schliessen und sich vom Sound tragen zu lassen. Sie hatte nicht zu viel versprochen: Schon die ersten sphärischen Gitarrenmelodien katapultierten einen in eine andere Welt, kurzzeitig hatte man das Gefühl, an einem Pink-Floyd-Konzert zu sein.

Doch in Wahrheit waren es fünf Jungs aus St.Gallen und Rehetobel, genannt Choose The Juice, die am Samstagabend am Finale des Nachwuchswettbewerbs «bandXost» das Publikum in der St.Galler Grabenhalle mit psychedelischem Rock in Trance versetzten. Fünfzehn Minuten dauerte der «Trip», gerade ausreichend für zwei siebenminütige Songs, die so smooth ineinanderflossen, dass es sich wie ein einziges grosses Rock-Epos anhörte.

Am Ende quittierte das Publikum den Auftritt mit tosendem Applaus. Auch die Jury war überzeugt – und so standen Choose The Juice kurz nach Mitternacht als Sieger fest. Ihnen winken Gewinne im Gesamtwert von 9000 Franken, darunter ein Beitrag für eine professionelle Albumproduktion sowie zahlreiche Auftritte, unter anderem am Clanx-Festival. Moderator Joe Keller wollte direkt nach der Verkündung von den neuen Siegern wissen: «Was bedeutet euch der Sieg?» Gitarrist und Sänger Moritz Bernasconi musste kurz nach den richtigen Worten suchen:

«Es isch chrank. Eifach geil!»
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Bild: Michel Canonica

Thurgauer Popband The Pigeons auf Platz zwei

Acht Newcomerbands traten am grossen Finale gegeneinander an. Vertreten waren Formationen aus den Kantonen St.Gallen, Thurgau, Ausserrhoden und Graubünden – ebenso vielfältig war das musikalische Spektrum, das von Pop, Rock über Soul bis hin zu Hip-Hop reichte. Zwischendurch wurde es auch mal laut: Vom wuchtigen Sound des Wiler Hardcore-Punk-Duos Discomfort of Existence wurde das Publikum so richtig durchgeschüttelt. «In-Die-Fresse-Sound», nannte es Moderator Joe Keller, und bezeichnenderweise stülpte sich der Gitarrist für den Auftritt einen Pamir über.

Leisere Töne kamen von den Drittplatzierten, der Bündner Formation Anik. Das Trio um die gleichnamige Frontsängerin überzeugte mit verträumt-melancholischen Popsongs, vorgetragen von einer charismatischen Stimme, die an Billie Eilish erinnerte.

Den stimmlich überzeugendsten Auftritt lieferte aber die Frontsängerin der Thurgauer Popband The Pigeons ab. Ihrer angerauten Soulstimme hätte man gerne noch länger zugehört, doch die Spielzeit ist pro Band bekanntlich auf 15 Minuten begrenzt. Die groovigen, leicht melancholischen Soulnummern des Thurgauer Quartetts bildeten den krönenden Abschluss des Abends. Verdient holten sie sich den zweiten Platz.

Für eine Band war es erst der zweite Auftritt

Das «bandXost»-Finale konnte in diesem Jahr unter einigermassen normalen Umständen stattfinden. Dank 3G-Regel hatten die Acts wieder ein reales Publikum vor sich – einen Livestream gab es aber trotzdem für alle diejenigen, die nicht vor Ort sein konnten oder wollten. Das Interesse war gross, auch kurz vor Konzertbeginn standen die Leute vor dem Eingang Schlange. Die Grabenhalle war gerappelt voll, die Stimmung von der ersten Minute an grandios.

Das ist aber auch den teilnehmenden Bands zu verdanken, die qualitativ auf hohem Niveau spielten – selbst wenn manche Acts zuvor noch nie vor so grossem Publikum gespielt hatten: Für die Bündner Pop-Rock-Band «Secret Tension» etwa war der Auftritt am «bandXost»-Finale erst der zweite überhaupt. Schliesslich waren unter den Teilnehmenden auch ein paar ältere Füchse: Die beiden Musiker von Discomfort of Existence sagten vor dem Auftritt, sie hätten es stets «verhängt», am «bandXost» mitzumachen, und wollten die Chance nun packen, bevor sie zu alt seien.

Selbst die Gewinnerband Choose The Juice kann noch nicht auf allzu viel gemeinsame Bühnenerfahrung zurückblicken, die fünf Musiker spielen erst seit diesem Frühling zusammen. Ein Umstand, der sich mit dem Sieg am «bandXost» aber bald ändern wird.

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