Nachruf
Armin Eisenring war Althippie, Plattendealer, St.Galler Stadtoriginal

40 Jahre lang führte Armin Eisenring den Plattenladen «Z Records» in der St.Galler Innenstadt. Jetzt ist das stadtbekannte Original mit 74 Jahren gestorben.

Roger Berhalter
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Armin Eisenring in seinem Plattenladen «Z Records» an der St.Galler Torstrasse.

Armin Eisenring in seinem Plattenladen «Z Records» an der St.Galler Torstrasse.

Bild: Ralph Ribi (4. Mai 2020)

Seinen Plattenladen «Z Records» schloss er schon im vergangenen Sommer. 40 Jahre lang hatte Armin Eisenring in St.Gallen Platten verkauft. Zunächst am Spisertor, ab 1982 dann an der Torstrasse, gleich neben dem Club Africana, wo in den 1970ern internationale Rockbands gastierten. Ein Zentrum der alternativen Kultur, die damals in der Gallusstadt allmählich Fuss fasste – und Armin Eisenring war von Anfang an ein Teil von ihr.

Der gelernte Werkzeugmacher fühlte sich in der Welt der Hippies zu Hause. Zehn Jahre lang arbeitete er für eine Plattenfirma und schleppte als Roadie Instrumentenkisten für Bands. Einmal war er Stage Manager für Frank Zappa und sorgte in dieser Funktion nicht nur dafür, dass die Konzerte pünktlich begannen, sondern auch für den Haschisch-Nachschub. Eisenring persönlich drehte für Zappa die Joints.

Solche Geschichten aus den wilden 1970ern erzählte Armin Eisenring gern. Viele davon schrieb er in seinen zwei Büchern nieder. Eines davon, «Jimi und die Evas», handelt von der St.Galler Musikszene und den Anfängen des Open Airs. Eisenring war einer der Mitgründer des Festivals, das 1977 in Abtwil zum ersten Mal stattfand.

Donovan stöbert im Laden nach Platten

Dann eröffnete Eisenring seinen Laden und wurde zum «Plattendealer», wie er sich selber nannte. «Z Records» war eine Institution. Hier traf sich die Musikszene, manchmal schauten auch prominente Schweizer Rockerinnen und Rocker wie Sina oder Toni Vescoli vorbei. Einmal entdeckte Eisenring den Sänger Donovan in seinem Laden. Stumm stöberte der Brite in einer Ecke nach Platten.

St.Gallen und «Z Records» war Armin Eisenrings erste Heimat. Seine zweite fand er auf der kanarischen Insel Gomera, wo er ab Mitte der 1990er Jahre mit seiner Lebenspartnerin regelmässig hinflog. Zunächst jeweils nur für ein paar Wochen, später verbrachte er mehrere Monate pro Jahr auf der Aussteigerinsel. «Villa Aurora» hiess die gemeinschaftlich geführte Hacienda, wo Eisenring wohnte, die Sonne genoss und Geschichten niederschrieb. In seinem ersten Buch «Aussteiger und Meerjungfrauen» beschreibt er seine Erlebnisse vor Ort samt drogeninduzierten Trips in fantastische Sphären.

Schachspielen, Schwimmen und Tschutten

In der Stadt St.Gallen war Armin Eisenring allenthalben anzutreffen. Beim Schachspielen im Splügen, beim Schwimmen auf Drei Weieren, beim Tschutten jeden Freitag. Ein Stadtoriginal, an seinem entspannten Gang und dem langen schütteren Haar bestens zu erkennen. Bis zuletzt radelte er noch mit dem Velo vom Stadtzentrum hinauf an die Demutstrasse, wo er mit seiner Partnerin wohnte.

2016 bot Armin Eisenring «Z Records» im Internet für 35'000 Franken zum Verkauf an. Er fand für das Plattengeschäft keinen Nachfolger, auch sein Sohn wollte den Laden nicht übernehmen. Ein Käufer fand sich ebenso wenig, also betrieb Eisenring den Laden noch mit über 70 Jahren weiter. Im Sommer 2020 schliesslich endete die Ära von «Z Records», der Laden ging zu. «Das Ende kommt. Alles ist vergänglich», sagte Eisenring damals in einem Fernsehinterview.

Am 9. Juni ist Armin Eisenring mit 74 Jahren nach kurzem Spitalaufenthalt gestorben. Seine Asche wird auf seinen Wunsch an seinen zwei Lieblingsorten verstreut: Ein Teil in St.Gallen, ein Teil auf Gomera.