Nachgefragt
Musiker aus aller Welt treffen im Kulturpunkt Flawil zusammen ‒ und spielen live

Der Kulturpunkt Flawil wagt ein musikalisches Experiment: Ab heute verbringen dort an sechs Anlässen insgesamt 24 Musikschaffende mit unterschiedlichsten Hintergründen gemeinsame Wochenenden. Zum Abschluss spielen sie via Livestream ein Konzert. Der Programmverantwortliche Ananda Geissberger sagt im Interview, wie das coronakonform geht.

Urs-Peter Zwingli
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Ananda Geissberger vom Kulturpunkt Flawil vor dem Eingang zum Kulturlokal.

Ananda Geissberger vom Kulturpunkt Flawil vor dem Eingang zum Kulturlokal.

Bild: Lisa Jenny (9. Januar 2020)

Sie bringen in der ersten Ausgabe der Reihe «no live but life» Musikschaffende mit tibetischen, ostschweizerischen und afrikanischen Wurzeln zusammen. Was kann das Publikum erwarten?

Ananda Geissberger: Obwohl die Musikerinnen und Musiker auf den ersten Blick sehr verschieden sind, gibt es doch einen roten Faden. Alle performen in erster Linie als Solokünstler und mischen in ihrer Musik traditionelle mit neuen Elementen. Wie etwa der Rheintaler Enrico Lenzin, der Alphornklänge mit modernen Rhythmen kombiniert. Oder der Tibeter Loten Namling, der in traditioneller Musik verwurzelt ist, aber auch Hardrock macht. Aber natürlich wird das Zusammenspiel für die Musikschaffenden eine Herausforderung, und das musikalische Resultat ist offen.

Der Rheintaler Musiker Enrico Lenzin bei einer Freiluft-Performance.

Quelle: Youtube

Sie planen im Kulturpunkt insgesamt sechs solcher Zusammentreffen. Wie werden diese ablaufen?

Die Musikerinnen und Musiker reisen am Freitag an. Zuerst lernen sie sich kennen und spielen eine Jamsession. Dabei machen wir mit unserem Videoteam auch Interviews. Während des Wochenendes leben die Musikschaffenden in der Künstlerwohnung, die direkt über dem Konzertraum des Kulturpunktes liegt. Die einzige Vorgabe ist, dass sie in dieser Zeit vier Songs erarbeiten. Diese spielen sie dann in einem etwa halbstündigen Konzert, das jeweils am Montagabend um 20.30 Uhr via Livestream übertragen wird.

Wie dokumentieren Sie den Schaffensprozess während dieser drei Tage?

Ein Videoteam wird die Künstlerinnen und Künstler punktuell begleiten. Die dabei entstandenen Beiträge werden wir während des Wochenendes online veröffentlichen, um dem Publikum einen Vorgeschmack zu geben.

Musikschaffende, Techniker, ein Videoteam – wie kann der Kulturpunkt eine solche Veranstaltung coronakonform durchführen?

Die Künstlerwohnung ist grosszügig gebaut, in ihr können die nötigen Abstände gut eingehalten werden. Wir planen so, dass nie mehr als sieben Personen gleichzeitig in einem Raum sind. Das Technik- und Videoteam wird zudem Masken tragen.

War das Booking aufgrund von Reiseeinschränkungen erschwert?

Wir zeigen fast nur Musikerinnen und Musiker, die in der Schweiz leben, viele davon allerdings mit einem internationalen Hintergrund. Neben organisatorischen Gründen ist es uns ein zentrales Anliegen, mit «no live but life» der Schweizer Musikszene eine spannende Plattform zu bieten. Die Kulturschaffenden sind in dieser Zeit darauf angewiesen, Engagements zu haben. Dank finanzieller Unterstützung durch die kantonale Kulturförderung, die Gemeinde Flawil sowie die St.Galler Kantonalbank können wir zudem alle Kulturschaffenden und das technische Personal angemessen bezahlen.

Ab kommender Woche sind überraschend wieder Veranstaltungen mit bis zu 50 Personen erlaubt. Ändert das etwas am Konzept der Reihe?

Nein, denn die Verhältnisse beim Einlass, in der Bar und im Konzertraum des Kulturpunktes sind eher eng. Um uns wieder für physisch anwesendes Publikum zu öffnen, bräuchte es voraussichtlich noch weitere Lockerungen.

Livestream am Montag, 19. April, 20.30 Uhr, unter kulturpunkt-flawil.ch (kostenlos bzw. mit freiwilliger Kollekte).
Ein erster Videobeitrag wird schon heute Freitagabend, 16. April, um 20 Uhr aufgeschaltet.