Porträt
Ein Jahr mit nur einem Komponisten: Brahms auf Schloss Wartegg

Die Zürcher Cellistin Maja Weber widmet sich mit ihrem Stradivari Quartett in dieser Saison ausschliesslich der Kammermusik von Johannes Brahms. Im Rahmen der Reihe «Klangwelle Brahms» macht das Quartett morgen auf Schloss Wartegg Halt. Zusammen mit dem Klarinettisten Fabio di Càsola.

Martin Preisser
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Das Cello begleitet Maja Weber, seit sie drei Jahre alt ist.

Das Cello begleitet Maja Weber, seit sie drei Jahre alt ist.

Marco Borggreve

Die Gattung Streichquartett wurde ihr fast in die Wiege gelegt. Und die Rolle als Cellistin ebenso. Mit dreieinhalb Jahren hat Maja Weber, geboren 1974, mit dem Cellospiel begonnen. Vater Rudolf Weber-Erb hat Bratsche gespielt, Mutter Elisabeth Geige, die Schwester ebenfalls Geige. Da blieb für Maja das Cello fürs familiäre Quartettspiel übrig. Schon als Schülerin hat sie mit ihrer Schwester ein Streichquartett gegründet, das heute bekannte Amar-Quartett, das seit 1995 professionell unterwegs ist.

Höhepunkt in Maja Webers kammermusikalischer Ausbildung sind ihre Studienjahre mit dem Alban Berg Quartett. Einige Jahre holte sie sich bei den vier Herren den letzten Schliff im Quartettspiel. «Ich habe dem Alban Berg Quartett unendlich viel zu verdanken», sagt sie heute. Und erinnert sich besonders gerne auch an das spielerisch Wienerische, an die Raffinesse des Klangs dieses Quartetts.

Ein Unterrichtstag beim Alban Berg Quartett sei paradiesisch gewesen, erzählt Maja Weber.

«Sechs bis acht Stunden Arbeit an einem Werk und dabei viermal Unterricht bei jedem einzelnen Mitglied des Alban Berg Quartetts. Einfach traumhaft.»

Sie habe dabei das Denken aus den einzelnen vier Stimmen heraus gelernt, und dass es für Interpretation auch in einem festen Quartett keine starren Sichtweisen gibt, sondern die individuellen Varianten letztlich dem ganzen Quartett die Prägung ermöglichen.

Das Stradivari Quartett spielt Beethoven.

Quelle: Youtube

Eine 20-jährige Liebesbeziehung

Ihr heutiges Ensemble, das Stradivari Quartett, wurde 2007 gegründet. Die vier Instrumente aus dem Hause Stradivari und ausgeliehen von der Habisreutinger Stiftung haben dem Quartett den auch werbemässig geschickten und sogleich patentierten Namen gegeben. 2019 musste Maja Weber (wie das gesamte Quartett) allerdings ihr Stradivari-Cello abgeben − nach zwanzig Jahren Liebesbeziehung zu diesem Meisterinstrument aus Cremona.

«Ich hatte mir die Trennung schlimmer vorgestellt. Aber auch ohne unsere Stradivaris haben wir unseren Klang gefunden. Von der Musikkritik wurde das Fehlen der Stradivaris nie bemängelt.»

Maja Webers letzte Einspielung mit ihrem Stradivari-Cello namens Bonamy Dobree-Suggia sind J. S. Bachs Solo-Cello-Suiten. Über zwanzig Tonträger zeugen von der breiten kammermusikalischen Leidenschaft der Cellistin, auch als Duo Leonore mit ihrem Kammermusikpartner am Klavier, dem schwedischen Pianisten Per Lundberg.

Zurzeit beschäftigt sich Maja Weber mit ihrem Stradivari Quartett mit Johannes Brahms. Wie schon in früheren Konzertreihen schätzt die Cellistin die konzentrierte Auseinandersetzung mit nur einem Komponisten über längere Zeit hinweg. Dass sie sich ein Jahr in verschiedenen kammermusikalischen Besetzungen ganz intim auf einen Komponisten einliessen, das schätze auch das Publikum, erzählt Maja Weber.

«Und als Quartett profitieren wir nachhaltig von dieser Fokussierung auf einen einzelnen Komponisten. Wir lernen enorm viel über den Personalstil und entwickeln darüber hinaus zusammen eine Interpretationssprache. Nach einem Jahr Beschäftigung herrscht im Quartett eigentlich stets Einigkeit, wie wir den jeweiligen Komponisten verstehen und klanglich umsetzen wollen.»

Musikalischer Adventskalender

Maja Weber und ihr Stradivari-Quartett haben sich ein treues Publikum aufgebaut, aber auch das will immer wieder neu gepflegt werden. Gerade in Coronazeiten ist das für ein freischaffendes Streichquartett in einem Umfeld grosser internationaler Konkurrenz eine Herausforderung. Im Lockdown 2020 hat Maja Weber die Idee des musikalischen Adventskalenders entwickelt und sich jeden Tag im Dezember aus einem anderen Schweizer Hotel mit einem musikalischen Adventsfenster gemeldet.

Aktuell ist das Stradivari Quartett mit Freunden in insgesamt 22 Konzerten in verschiedener Besetzung mit Johannes Brahms unter dem Motto «Klangwelle Brahms» unterwegs. Auf Schloss Wartegg (Rorschacherberg) sind am Donnerstag zwei Perlen aus Brahms’ Kammermusik zu hören: Sein Streichquartett a-Moll op. 51,2 und sein spätes Meisterwerk, das Klarinettenquintett h-Moll op. 115 (mit dem Schweizer Klarinettisten Fabio di Càsola).

Klangwelle Brahms: 9. 12., 19 Uhr (Konzerteinführung: 18.15 Uhr), Schloss Wartegg (Rorschacherberg); www.majaweber.com

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