Männerbeine in der Frauenbadi: Die St.Galler Kunstaktion «Stadtprojektionen» zügelt ins Grüne

Vom 17. bis 20. September sind auf Drei Weieren in St.Gallen leuchtende Fotos und Videos im Dunkeln zu sehen. Diese «Stadtprojektionen» finden zum vierten Mal statt und ermöglichen einen frischen Blick auf eine vertraute Umgebung.

Roger Berhalter
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Anna Vetsch (links) und Nina Keel inmitten einer Projektion auf Drei Weieren in St.Gallen.

Anna Vetsch (links) und Nina Keel inmitten einer Projektion auf Drei Weieren in St.Gallen.

Bild: Benjamin Manser (11. September 2020)

Vier nackte Beine räkeln sich im Gras, planschen im Wasser, defilieren über einen Steg. Die Beine gehören den beiden Zürcher Künstlern Rico Scagliola und Michael Meier. Diese haben sich bei Vollmond auf Drei Weieren in St.Gallen selber gefilmt. Eben dort, im Naherholungsgebiet oberhalb der Stadt, ist ihr Videokunstwerk vom 17. bis 20. September zu sehen.

Im Rahmen der «Stadtprojektionen» zeigen 13 regionale und internationale Künstler insgesamt 14 Arbeiten: Wenn es eindunkelt, beginnen die Fotos und Videos im öffentlichen Raum zu leuchten.

Seit 2016 in verschiedenen St.Galler Quartieren

«Eine grandiose Anlage» seien die Drei Weieren, schwärmen Anna Vetsch und Nina Keel. Die beiden Kunsthistorikerinnen sind in St.Gallen aufgewachsen und führen seit 2016 jedes Jahr die «Stadtprojektionen» durch. Die Altstadt sowie die Quartiere Linsebühl und Lachen haben sie schon wortwörtlich in ein neues Licht getaucht.

Mit den künstlerischen Bildern wollen sie einen frischen Blick auf die vertraute Umgebung ermöglichen. Und die Stadt verändern, zumindest vorübergehend.

Ein Schriftzug im Häusermeer

Jetzt ziehen Anna Vetsch und Nina Keel mit ihrem Projekt erstmals ins Grüne oder zumindest an den Stadtrand. Ab heute sind die Projektionen im Familienbad Dreilinden und am Mannenweier zu sehen.

Erstmals ergänzen drei Aussenposten die Kunstwerke an den Weihern. Zwei davon in der Mülenenschlucht: An der Unterseite der Felsenbrücke ist eine Schwarz-Weiss-Fotografie des deutschen Künstlers Herbert Bayer von 1928 zu sehen.

Blick von unten auf die Felsenbrücke.

Blick von unten auf die Felsenbrücke.

Bild: PD

Und im Schaufenster von Lukas’ Bar zeigt die St.Gallerin Salome Schmuki ein digitales Textfeld.

Kryptische Zeichen von Salome Schmuki.

Kryptische Zeichen von Salome Schmuki.

Bild: PD

Verblüffend ist der dritte Aussenposten, ein Video der in New York lebenden Künstlerinnen Michéle Graf und Selina Grüter: Ein riesiger Schriftzug, projiziert auf den Silo der Brauerei Schützengarten an der Langgasse. Weit entfernt von den Drei Weieren, also. Dennoch sind die Worte gut sicht- und lesbar, wenn man vom Hügel herab ins Häusermeer blickt.

Arme auf der Wand der Umkleidekabine

Die meisten Videoarbeiten sind aber kleiner und intimer und als Spaziergänger kann man sich immer wieder überraschen lassen. So begegnet einem an der Wand eines Badhauses am Mannenweier zum Beispiel Rudolf von Laban, ein Begründer des Ausdruckstanzes.

An einer anderen Wand vollführen zwei Männer einen spielerischen Kampf. Über drei Umkleidekabinen des Familienbads erstrecken sich Arme und Beine. Kein Zweifel: So hat man die Drei Weieren noch nie gesehen.

17.–20.9., Drei Weieren, St.Gallen
Vernissage: 17.9., 19 Uhr, Kiosk im Familienbad

Führungen:
18.9., 20 Uhr, Treffpunkt Eingang Familienbad -> Anmeldung
20.9., 20 Uhr, Treffpunkt Eingang Familienbad, -> Anmeldung

www.stadtprojektionen.ch

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