Literatur
Das Geheimnis der Ampullen: Der Frauenfelder Autor Gianni Kuhn hat einen spannenden Kurzroman geschrieben

Gianni Kuhns neues Buch «Norwegische Reise» um eine unerwartete Erbschaft und deren unabsehbaren Folgen liest sich süffig und hat viel Lokalkolorit. Doch die Geschichte überzeugt nicht ganz.

Dieter Langhart
Merken
Drucken
Teilen
Der Thurgauer Autors Gianni Kuhn hat einen neuen Roman veröffentlicht. Hier sitzt er in seiner Schreibstube in Frauenfeld.

Der Thurgauer Autors Gianni Kuhn hat einen neuen Roman veröffentlicht. Hier sitzt er in seiner Schreibstube in Frauenfeld.

Bild: Donato Caspari (Frauenfeld, 27. April 2020)

Alexander Brenner, 40, Architekt in Basel, muss wegen einer unerwarteten Erbschaft nach Bergen reisen. Er nimmt sich gleich eine Auszeit auf dem Postschiff der Hurtigrouten von Kirkenes in den Süden. Der Notar in Bergen eröffnet ihm das Erbe, das sein verstorbener Cousin Jan Isaksen ihm hinterlassen hat. Brenner kann Norwegisch seit seiner Kindheit in Oslo, aber von diesem Verwandten wusste er nichts. Er nimmt das Erbe an: einen Trödelladen, eine Wohnung und Beteiligungen an Lachsfarmen. Dann trifft er Kerstin, die ihn für Isaksen hält, und verknallt sich in sie.

Ein mysteriöser Argentinier mit Mordabsichten

Gianni Kuhn: Norwegische Reise. Klaus Isele Editor, 2020, 143 S., Fr.24.–

Gianni Kuhn: Norwegische Reise. Klaus Isele Editor, 2020, 143 S., Fr.24.–

Bild: PD

Brenner räumt den vollgestopften Laden auf, eine Art neue Freiheit, und gerät mitten ins Leben eines anderen. Und Leute kommen in seinen Laden, die viel Geld für Ampullen aus einem geheimen Kästchen bezahlen. Und als Brenner ein Gedichtmanuskript in deutscher Sprache entdeckt und es auf Kerstins Rat unter seinem Namen publiziert, taucht der Autor auf, und ein mysteriöser Argentinier trachtet ihm nach dem Leben. Für Brenner wird es immer enger.

Gianni Kuhn vereint in seinem neuen Kurzroman «Norwegische Reise» eine spannende Geschichte mit viel Lokalkolorit. Das liest sich süffig, doch die beiden Erzählhaltungen beissen sich, und bisweilen vermisst man ein strenges Lektorat. Der Showdown aber kommt völlig überraschend.