KUNSTPROJEKT
«Azwei Plakat» ist das erste Ostschweizer Kulturmagazin, das gleichzeitig auch ein Poster ist

Der angehende Ausserrhoder Grafiker Pian Gumpp hat ein Format geschaffen, das Kunst und Kultur alltagstauglich macht: Das Magazin «Azwei Plakat», das in wenigen Minuten gelesen ist und als Falt-Poster jeden Monat junge Kunst aus der Ostschweiz bündelt.

Viola Priss
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Der Kopf hinter dem Projekt: Pian Gumpp aus Ausserrhoden.

Der Kopf hinter dem Projekt: Pian Gumpp aus Ausserrhoden.

Bild: Arthur Gamsa

Aus den eingeplanten fünf Stunden für Falten, Verpacken und Frankieren der ersten Ausgabe von «Azwei Plakat» wurden am Ende zehn. Pian Gumpp, Gründer des Magazins und angehender Grafiker aus Niederteufen musste zuletzt den Hauswart bitten, die Pforten des Gewerblichen Berufs- und Weiterbildungszentrum in St. Gallen auch nach 17 Uhr ausnahmsweise noch geöffnet zu lassen.

Noch entsteht hier sein Kulturmagazin, das gleichzeitig auch ein Plakat ist. Hier wird wahr, was bis 2021 «nur eine von vielen Ideen in meinem Kopf war», wie der 18-jährige Gumpp sagt. Die Idee ist inzwischen so gross geworden, dass ganz oben auf seiner Agenda 2021 ein eigenes «Azwei Atelier» steht.

Mehrere Exemplare der Erstausgabe des von Pian Gumpp initiierten Kunstplakats.

Mehrere Exemplare der Erstausgabe des von Pian Gumpp initiierten Kunstplakats.

Bild: Arthur Gamsa

«Konkret wurde mein Projekt definitiv durch Corona», erzählt er. Geredet werde viel und gerne, auch in seiner Blase aus Illustration, Kunst und Design. Irgendwann aber fand er: «Es geht ums Tun». An Silvester 2020 wurde das Projekt dann innert weniger Wochen konkret. Die Grundidee: jungen Gestaltern, die noch keine Reichweite haben, eine Plattform bieten. Eine, die nicht mühsam durchgearbeitet schnell im Papiermüll oder bestenfalls Zeitschriftenständer landet, eine, die bleibt. Genügend gross. um nicht übersehen zu werden, ausreichend klein um in ein Briefkuvert zu passen: das DIN-A2 Format, 420 x 594 Millimetern.

Vorne die Kunst, hinten das Magazin

«Ich liebe Poster, bei mir zu Hause ist alles voll davon», schwärmt Pian Gumpp. Gleichzeitig inspirieren ihn nicht nur Kunst, auch Worte, Illustrationen, Interviews mit Kulturschaffenden: «Daher die Rückseite des Plakats - mit verschiedenen kleinen Beiträgen: Gedicht, Comic, Interview - da ist fast alles möglich, es ist ein wenig der Spielplatz des Magazins.»

Vorne Kunst, hinten noch mehr Kreatives: Das «Azwei Plakat».

Vorne Kunst, hinten noch mehr Kreatives: Das «Azwei Plakat».

Bild: Arthur Gamsa

Zwar ist das Magazin ein Ein-Mann-Projekt, doch dahinter «stecken die Inputs von vielen, die mit mir gehirnt und mir zugesprochen haben», erzählt Gumpp. Nachdem immer mehr Mails mit dem O-Ton «Ich würde das abonnieren» im Instagramkanal eintrafen, der erste Entwurf für die Front entdeckt war, «Gab es kein Zurück».

«Der Spirit war und ist einfach da, ich hab ihn bloss auf Plakatform gebracht.»

Plakatmotiv Nummer 1 stammt von Lino Luginbühl aus Appenzell Ausserrhoden, auch er absolviert derzeit das erste Jahr in der Fachklasse Grafik und ist für Gumpp der «Inbegriff eines Kreativen». Ein wenig an den französischen Maler Henri Matisse erinnert seine «menschliche Figur», die sich in das A2-Format zu biegen scheint. Lange sei der junge Künstler nicht zufrieden gewesen, bis Gumpp erstmals lektorische Strenge walten liess: «ich habe irgendwann gesagt: Doch, perfekt. So drucken wir das.»

Das Format, das Papier, die Kunst, alles kommt aus der Ostschweiz. Für zehn Franken verschickt Gumpp die Exemplare. Die Finanzierung? «Es bleibt wenig Honorar für die Künstler, geschweige denn für mich.»

Ein bisschen Überraschungstüte

Bis zum Ende eines Monats kann das Plakat bestellt werden, die Anzahl aber ist limitiert - so ein bisschen Exklusivität, das sei dem jungen Kreativen wichtig. «Für den April plane ich ein Interview zum Thema <Macht die Krise kreativ?>, später mal möchte ich verschiedene Formate zum Thema <Skaten> in einer Ausgabe vereinen. Aber mehr verrate ich noch nicht.»

140 bestellte Exemplare haben ihre Adressaten vor fünf Tagen erreicht, bei manchem wird das Kunstmagazin in Plakatform am Schreibtisch, über dem Bett oder an der Schranktür hängen. Die Rückmeldungen seien überwältigend, sagt Gumpp: «Ich spüre, das ist jetzt der Anfang. Und es ist verdammt echt.»

Wenige Exemplare der ersten Märzausgabe sind noch bestellbar. Für April oder im monatlichen Abo kann «Azweiplakat» hier bestellt werden.