Kunst
Hohe Qualität und Vielfalt beim Performancepreis Schweiz in St.Gallen: Zwei Performances gewinnen

Die Jury hat den jährlich vergebenen Performancepreis Schweiz 2021 aufgeteilt auf Dorota Gawęda und Eglė Kulbokaitė aus Basel und die Waadtländerin Léa Katharina Meier. Letztere erhielt auch den Publikumspreis. Der Performancepreis wurde zum ersten Mal in St.Gallen ausgetragen. Lika Nüssli und Marc Jenny, die einzigen Ostschweizer Nominierten, gingen leer aus.

Christina Genova
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Für ihre Performance «-lalia» erhielten Dorota Gawęda und Eglė Kulbokaitė ein Preisgeld von 15'000 Franken.

Für ihre Performance «-lalia» erhielten Dorota Gawęda und Eglė Kulbokaitė ein Preisgeld von 15'000 Franken.

Bild: Emmanuelle Bayart

Den Performancepreis Schweiz haben am Sonntag in St.Gallen zwei Künstlerinnen gewonnen, die ihre Performance zwar live, aber nicht vor Publikum aufgeführt haben. Die Zuschauerinnen und Zuschauer konnten «-lalia» von Dorota Gawęda und Eglė Kulbokaitė aus Basel im Saal der Lokremise St.Gallen nur über Grossleinwand verfolgen.

Die Performance spielte sich ausserhalb ab, in und um die Bar des Genfer Konzeptkünstlers John M. Armleder beim Eingang zur Lokremise. Der Performancepreis Schweiz, der von den Kantonen Aargau, Basel-Landschaft, Basel-Stadt, Luzern, St.Gallen, Zürich und der Stadt Genf finanziert wird, wurde am Samstag zum ersten Mal in St.Gallen ausgetragen. Nominiert waren sechs Performances von Künstlerinnen und Künstlern aus der ganzen Schweiz. Die Preisübergabe erfolgte am Sonntag durch Tanja Scartazzini, die neue Kulturamtsleiterin des Kantons St.Gallen.

Mit ihrer experimentellen Performance, die von der dämonischen slawischen Sagengestalt Poludnica inspiriert ist, gelang es Dorota Gawęda und Eglė Kulbokaite, die Jury zu überzeugen. Diese lobt die körperliche und sprachliche Intensität des Auftritts und die gewandten Wechsel zwischen Realität und filmischem Bild. Die Kamera sei zu einem Gegenüber geworden «in diesem dichten Stück über Natur, Technologie und das Subjekt in seiner Umgebung». Ausgeführt wurde «-lalia» nicht von Dorota Gawędas und Eglė Kulbokaitės selbst, sondern von der Performerin Giulia Termino.

Tabus und schmutzige Geheimnisse

Doch offenbar fiel der Jury die Wahl nicht leicht, denn sie entschloss sich, wie sie in einem Statement schreibt, «aufgrund der Vielfalt und der hohen Qualität» den Preis aufzuteilen. Und so gibt es 2021 mit der Waadtländerin Léa Katharina Meier und ihrer Performance «Tous les sexes tombent du ciel» eine weitere Siegerin, mit einem gänzlich anderen, stark am Theater angelehnten Ansatz. Meier erhielt ausserdem den Publikumspreis von 6500 Franken.

Léa Katharina Meier hat mit ihrer Performance «Tous les sexes tombent du ciel» ein Gesamtkunstwerk geschaffen.

Léa Katharina Meier hat mit ihrer Performance «Tous les sexes tombent du ciel» ein Gesamtkunstwerk geschaffen.

Bild: Emmanuelle Bayart

Während Dorota Gawędas und Eglė Kulbokaitės Arbeit in vielen Teilen rätselhaft und schwer zugänglich bleibt, vor allem auch, weil die englischen Texte schwer verständlich waren, bezauberte Meier die Zuschauerinnen und Zuschauer mit einem aufwendig gestalteten, poetischen Bühnenbild. Ausserdem wandte sich Léa Katharina Meier während ihrer Performance immer wieder direkt ans Publikum und bezog es mit ein. Inhaltlich rührt Meier an Tabus und schmutzigen Geheimnissen wie sexuellem Missbrauch, kratzt an scheinbar properen Oberflächen und scheut sich auch nicht vor dem Exzess.

Die Jury schreibt, Meier habe mit «Tous les sexes tombent du ciel» ein Gesamtkunstwerk geschaffen: «Die Bühnensituation, die Objekte, Licht und Klang und der künstlerische Auftritt bilden eine ausserordentlich starke Einheit.» Die Künstlerin spiele mit verschiedenen Genres wie Stummfilm, Komödie und Clownerie und sei dabei stets höchst präsent und authentisch.

Die Ostschweiz war im Final durch Lika Nüssli und Marc Jenny aus St.Gallen vertreten. Ihre thematisch dichte, plakative Performance «As Long As I Can Be A Sculpture, I Don't Wanna Die» fokussierte auf die «Ismen» unserer Zeit – Feminismus, Rassismus, Sexismus – und die Klimakrise.

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