KUNST
Ein Jahr Pandemie: Visarte Ost zeichnet dennoch kein düsteres Bild der Kunstszene im Kanton St.Gallen

Patricia Holder und Michael Bodenmann vom Künstlerverband Visarte Ost sehen den Stellenwert von Kunst im Corona-Jahr gestiegen. Für die Kunstschaffenden war das Corona-Jahr allerdings ein bürokratisch eher anstrengendes.

Martin Preisser
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Im Vorstand der Visarte Ost: Die Kulturwissenschafterin Patricia Holder und der Künstler Michael Bodenmann.

Im Vorstand der Visarte Ost: Die Kulturwissenschafterin Patricia Holder und der Künstler Michael Bodenmann.

Bild: Michel Canonica

Rund 170 Ostschweizer Kunstschaffende sind im Verband ­Visarte Ost Mitglied. Die wenigsten von ihnen können allein von ihrer Kunst leben. Die meisten gehen noch einem Brotberuf nach, arbeiten etwa als Dozierende oder Freischaffende und auf Stundenbasis in Museen, Galerien, Kinos oder Bars. Sie hat die Coronapandemie häufig doppelt getroffen. Patricia Holder, studierte Kulturwissenschafterin und seit April 2021 im Vorstand von Visarte Ost, sagt, dass für viele Kunstschaffende auch schon vor Corona finanziell eher enge Verhältnisse herrschten.

Michael Bodenmann, der neue Präsident der Visarte Ost, selbst Künstler und in der hart gebeutelten Gastronomie tätig, konstatiert:

«Es war für viele Kunstschaffende, die sich oft neu organisieren mussten, vor allem auch bürokratisch ein eher anstrengendes Jahr.»

Ausfallentschädigungen auch für Freischaffende

Immerhin könnten seit kurzem nicht mehr nur Kulturschaffende, die von den Ausgleichskassen als selbstständig erwerbend erfasst sind, sondern auch Freischaffende Ausfallentschädigungen beantragen, berichtet Patricia Holder. Der St.Galler Kantonsrat habe zudem jüngst darüber abgestimmt, dass für Kulturschaffende mit tiefen Einkommen von monatlich weniger als 3470 Franken im Kanton neu nicht nur achtzig, sondern hundert Prozent der nachweisbaren Ausfälle entschädigt werden sollen. Der Ostschweizer Künstler Michael Bodenmann, der in Zürich lebt und in St.Gallen ein Atelier hat, bemerkt bei vielen seiner Kolleginnen und Kollegen auch eine gewisse Stagnation im künstlerischen Schaffensprozess. Und sagt: «Im ­Coronajahr hat sich die Kunst teilweise ins Digitale verschoben.» Hoffen und Bangen, ob wieder ausgestellt werden könne, das habe bei vielen das Fenster der ungewissen Zeit immer grösser werden lassen. Michael Bodenmann und seine Visarte-Kollegin Patricia Holder merken an, dass vor allem auch das gesellschaftliche Leben weggebrochen sei. Sie sagen:

«Für viele Kunstschaffende wurde das Leben, wie für die meisten Menschen, statischer, die Gelegenheiten zum Austausch fielen weg.»

Die verschiedenen Sparten haben sich mehr vernetzt

Auf der anderen Seite sieht Michael Bodenmann den Stellenwert von Kunst im Corona-Jahr deutlich gestiegen. «Kultur wurde, natürlich vermehrt im Netz, sogar präsenter. Kultur­interessierte haben aktiver danach gesucht, was noch zu sehen war.» Patricia Holder doppelt nach: «In der Szene selbst haben sich die verschiedenen Kunstsparten mehr vernetzt. Das Bewusstsein für die Notwendigkeit von Kunst und Kultur scheint mir gewachsen, Auseinandersetzung mit Kultur bewusster geworden zu sein.»

Sowohl Patricia Holder wie auch Michael Bodenmann sind über die Kunstaktion «hier und danach» in den letzten acht Wochen in dieser Zeitung erfreut. «Diese Aktion macht Hoffnung, auch auf andere Formate von Kunst nach der Pandemie», sagt Michael Bodenmann. Damit setze eine Tageszeitung ein gutes Zeichen für die Wichtigkeit von Kunst und Kultur, unterstreicht auch Patricia Holder. Kunst habe durch diese Aktion in Zusammenarbeit mit Nadia Veronese vom Kunstverein St.Gallen ein neues, zusätzliches und spannendes Schaufenster bekommen.