Kunst
Der Thurgauer Felix Brenner erhält den zweiten Preis der wichtigsten europäischen Auszeichnung für Aussenseiterkunst

Dem Altnauer wird heute in München der Euward überreicht. 341 Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus 22 Ländern hatten dafür eine Auswahl ihrer Werke eingegeben. Ausserdem wird Brenner mit einer Ausstellung im Münchner Haus der Kunst geehrt.

Christina Genova
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Der Künstler Felix Brenner lebt seit 2001 im Thurgau.

Der Künstler Felix Brenner lebt seit 2001 im Thurgau.

Bild: PD/Franziska Messner

Der Altnauer Felix Brenner gewinnt den zweiten Preis des Euward. Der Preis, der zum achten Mal verliehen wird, ist die international wichtigste Auszeichnung für Aussenseiterkunst. 341 Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus 22 Ländern reichten für den Euward eine Auswahl ihrer Werke ein. Die Preisverleihung findet heute um 18 Uhr als digitaler Livestream unter www.euward.de/live direkt aus München statt.

Felix Brenner und die zwei weiteren prämierten Künstler, Andreas Maus (1. Preis) und Kar Hang Mui (3. Preis), werden mit einer Ausstellung im Haus der Kunst in München geehrt. Sie ist vom 30. April bis zum 27. Juni zu sehen, dazu erscheint auch ein Katalog. Die Ausstellung kann ab dem Abend des 29. April unter www.euward.de auch digital besucht werden. Mitglied der Euward-Jury ist unter anderen Monika Jagfeld, die Leiterin des St.Galler Museums im Lagerhaus.

Felix Brenner, O.T. (Untersuchungsgefängnis Lohnhof), 2014, Lithografie, 49,9 x 65,3 cm.

Felix Brenner, O.T. (Untersuchungsgefängnis Lohnhof), 2014, Lithografie, 49,9 x 65,3 cm.

Bild: PD/Felix Brenner

Felix Brenner wurde 1955 in Basel geboren. Aus den kleinbürgerlichen, bald zerrütteten Verhältnissen bricht er bereits als 13-Jähriger das erste Mal aus, verlässt Elternhaus und Schule. Seine wechselvolle Vita führt ihn durch die Zürcher Hippie-Szene und in die Kommune H9. Er macht intensive Drogenerfahrungen und landet im Gefängnis.

1980 besucht Brenner die Kunstgewerbeschule in Basel und erhält danach ein Kunststipendium und einen Atelieraufenthalt in New York mit Ausstellung im dortigen Swiss Institute (1987). Später folgen Aufenthalte in den psychiatrischen Kliniken von Basel und Münsterlingen und 1987 eine Kandidatur für das Stadtparlament Basel mit der Politbewegung «Blauer Planet».

Odyssee vom Jura über Holland nach Altnau

Felix Brenner, Albert Hoffmann, 2014, Lithografie, 50,8 x 34,4 cm.

Felix Brenner, Albert Hoffmann, 2014, Lithografie, 50,8 x 34,4 cm.

Bild: PD

Im Jura gründet Brenner ein Atelier und betreibt ethnobotanische Forschungen. Er flüchtet von dort und verbrennt seine eigenen Werke, dann folgt ein Asylantrag in Holland, woraufhin er ausgewiesen wird. Nach dieser Odyssee und seiner Rückkehr in die Schweiz helfen ihm frühere Wegbegleiter dabei, wieder sesshaft zu werden.

Durch Therapeuten seines Münsterlinger Klinikaufenthalts kommt Brenner 2001 nach Altnau im Thurgau und bezieht eine kleine Wohnung. In Altnau lebt er heute eingebunden in die dörflichen Strukturen und betreibt seine Lithografie- und Radierwerkstatt. Hier bereitet er auf wandfüllenden Bildern, die ihn selbst, seine Wohnung oder die Menschen in seinem Leben zeigen, eine Flut von biografischen Foto- und Bilddokumenten immer neu auf. Zwischen 2003 und 2019 bestreitet Brenner 15 Ausstellungen und Beteiligungen, unter anderem in Paris, Zürich, St.Gallen und immer wieder im Kunstmuseum Thurgau.