Krimi
Die St.Galler Krimiautorin Isabel Rohner veröffentlicht Texte über Frauenrechte und übers Morden

Die in Berlin lebende Autorin Isabel Rohner gibt zwei unterschiedliche Bücher heraus, «Gretchens Rache» und «50 Jahre Frauenstimmrecht». Auf den zweiten Blick haben sie einiges gemeinsam.

Rolf App
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Die St.Gallerin Krimiautorin Isabel Rohner.

Die St.Gallerin Krimiautorin Isabel Rohner.

Bild: Benjamin Manser (29. Mai 2021)

Es ist ein Morgen von seltener Schönheit und himmlischer Ruhe im Park von Drei Weieren oberhalb der Stadt St.Gallen. Mehr als ein Jahr ist Isabel Rohner nicht mehr in ihrer Heimatstadt gewesen, morgen schon wird sie zurückkehren nach Berlin Kreuzberg, mitten ins Getümmel der deutschen Hauptstadt. Wo sie die langen Monate der Pandemie kreativ genutzt hat.

Entstanden ist – zusammen mit Irène Schäppi - das Buch «50 Jahre Frauenstimmrecht». Und entstanden ist «Gretchens Rache», ihr dritter Krimi. Wobei das nur auf den ersten, oberflächlichen Blick zwei Paar Schuhe sind. Das eine Buch kommt ernst und sachlich daher, das andere humorvoll und verspielt. Die Augen öffnen wollen beide, nur auf verschiedenen Wegen.

Cover des Buches, das Isabel Rohner zusammen mit Irène Schäppi herausgegeben hat.

Cover des Buches, das Isabel Rohner zusammen mit Irène Schäppi herausgegeben hat.

Bild: PD

Ihr publizistisches Lebensthema hat Isabel Rohner früh entdeckt. 1989, als sie gerade zehn Jahre alt war, zog die Innerrhoderin Theresia Rohner trotz massiver Drohungen vor das Bundesgericht, welches ihr und ihren Geschlechtsgenossinnen dann im Jahr darauf das Frauenstimmrecht verschaffte.

«Dass Appenzell den Frauen so lange ihre Bürgerrechte verweigert hat, das hat mich damals tief empört.»

Im Studium hat sich die Literaturwissenschafterin dann der deutschen Frauenrechtlerin Hedwig Dohm zugewendet, einer ungemein umtriebigen Frau, die ihre Gegner bis zu ihrem Tod 1919 gern in humorvoller Manier bekämpfte.

Die Regeln des kapitalistischen Literaturbetriebs

Ein ernstes Anliegen, gewürzt mit satirischem Schwung: Das findet man auch in Isabel Rohners Spiegelkabinett von «Gretchens Rache» wieder, wo nichts und niemand so ist, was er oder sie auf den ersten Blick zu sein scheinen. Ausser Linn Kegel, nur halb erfolgreiche Krimiautorin, die von ihrem Verleger zusammen mit einer Schar grell karikierter Autorinnen und Autoren zu einem Treffen mit Pressevertretern in den idyllischen Spreewald geschleppt wird.

Noch bevor ein Mord geschieht und ein übergewichtiger Literaturpapst mit dem sprechenden Namen Caspar Brimborius zum Verdächtigen avanciert, macht die Literaturpäpstin Doris Kranich Linn Kegel mit dem Regeln des kapitalistischen Literaturbetriebs vertraut, indem sie ihr vorschlägt, ihre feministisch angehauchten Krimis doch unter männlichem Pseudonym zu veröffentlichen.

Wer auffallen will, sollte Mann sein

So absurd, wie es klingt, ist das im Übrigen nicht, das macht Isabel Rohner auf unserem Spaziergang in idyllischer Landschaft klar. Denn eine Untersuchung der Universität Rostock hat ergeben, dass zwei Drittel aller Rezensionen Büchern aus männlicher Feder gelten. Stammen die Rezensionen von Männern, dann sind es sogar drei Viertel. Wer also auffallen will, sollte Mann sein.

Was aber natürlich keineswegs in Stein gemeisselt sein muss, wie die Debatten unserer Tage zeigen. An ihnen nimmt Isabel Rohner mit jener Lebhaftigkeit Anteil, die schon Hedwig Dohm zu eigen war. Und weil es den Podcast bisher nur in seiner männlichen Form gibt, hat sie zusammen mit Regula Stämpfli «Die Podcastin» ins Leben gerufen, ihrer beider feministischen Wochenrückblick.

Die Berner Politologin Regula Stämpfli macht zusammen mit Isabel Rohner «Die Podcastin».

Die Berner Politologin Regula Stämpfli macht zusammen mit Isabel Rohner «Die Podcastin».

Bild: Imago

Was die beiden im manchmal kontroversen Gespräch an neuen Sichtweisen auf Frauen und Männer entwickeln, das kann durchaus auch Letztere interessieren, die sich ja vielleicht nicht immer nur von Männern die Welt erklären lassen wollen. Isabel Rohner und Regula Stämpfli setzen jedenfalls ganz andere Akzente.

«50 Jahre Frauenstimmrecht» von Isabel Rohner und Irène Schäppi ist erschienen im Limmat Verlag, «Gretchens Rache» im Ulrike Helmer Verlag.