Kreuzlinger Theater an der Grenze startet in die neue Saison

Ab 24.September wird wieder gespielt! Das Theater an der Grenze in Kreuzlingen startet nach langer Coronapause mit der «Nacht der Kleinkünste» in die neue Spielzeit. Doch dürfen nun viel weniger Zuschauer das kleine Haus besuchen: Nur 32 sind pro Vorstellung zugelassen.

Inka Grabowsky
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«Unter Artgenossen», ein Figurentheaterstück für Erwachsene von und mit der preisgekrönten Ausserrhoder Puppenspielerin Kathrin Bosshard, gastiert im November in Kreuzlingen.

«Unter Artgenossen», ein Figurentheaterstück für Erwachsene von und mit der preisgekrönten Ausserrhoder Puppenspielerin Kathrin Bosshard, gastiert im November in Kreuzlingen.

Bild: Annelies Seelhofer-Brunner

«Wir wollen Kultur anbieten», sagt Programmleiterin Birgit Auwärter. «Sowohl für die Künstler, die nach Auftrittsmöglichkeiten suchen, als auch für die Menschen, die in Krisenzeiten erst recht kluge Unterhaltung brauchen.» In der vergangenen Spielzeit waren zwei Vorstellungen wegen der Pandemie abgesagt worden, eine weitere fiel wegen der Erkrankung des Künstlers aus. Die lange Flaute soll nun ein Ende haben. «Wir haben versucht zu planen, als ob nichts wäre», sagt der zweite Programmleiter Simon Hungerbühler. «Ob es dann so kommt, wie wir es uns wünschen, weiss allein die Zeit.»

Statt eines Programmheftes gibt es dieses Jahr einen Flyer, der bei Kreuzlingen Tourismus ausliegt und dessen Inhalt auf der Homepage des Theaters abgerufen werden kann. «Wir wussten ja lange nicht, ob wir überhaupt eröffnen können», erklärt der Präsident des Trägervereins Fritz Brechbühl. «Das selbst ausgedruckte Faltblatt spart uns Zeit und Geld.»

Abwechslungsreiches Programm

Birgit Auwärter und Simon Hungerbühler haben ein Programm zusammengestellt, das dem Theater wohl auch in normalen Zeiten ein ausverkauftes Haus beschert hätte. «Ausverkauft werden wir nun wohl auch öfter sein», sagt Kommunikationsleiter Lukas Huggenberg mit schwarzem Humor, «leider aber nur auf 32 Sitzplätzen.»

Lukas Huggenberg (links) und Fritz Brechbühl im kleinen Zuschauerraum des Theaters an der Grenze Kreuzlingen.

Lukas Huggenberg (links) und Fritz Brechbühl im kleinen Zuschauerraum des Theaters an der Grenze Kreuzlingen.

Bild: Andrea Stalder

Eröffnet wird die Spielzeit am 24. September mit einer neuen Ausgabe der «Nacht der Kleinkünste». Der Variété-Abend – moderiert von Margrit Bornet – bietet Kabarett von Simon Chen, Lieder von Res Wepfer, Akrobatik von GemEINsam und Stepptanz von Daniel Borak. Nach dem Querschnitt durch die Kleinkunst kommt am 2. Oktober Anet Corti mit der Satire zur Zeit: Ihr Programm «Echt?» informiert über halbes Wissen und harte Fakten. Die Zuschauer im Theater an der Grenze werden zu den Ersten gehören, die in den Genuss von «Echt?» kommen, das Stück ist noch im Try-Out Stadium.

Am 23. Oktober will Pasta del Amore das Theaterkabarett «Show zäme!» nachholen, das in der vergangenen Spielzeit dem Lockdown zum Opfer fiel. Am 30. Oktober präsentiert das Duo Strohmann-Kauz «Sitzläder – der letzte Stammtisch». Die beiden kultigen Senioren, die schon von fünf und vor zwei Jahren in Kreuzlingen zu Gast waren, beleuchten die Welt von ihrem gemütlichen Zufluchtsort aus.

Puppenspiel und Liederabende

Speziell ist das Theaterprojekt, das Cornelia Montani, Joe Fenner und Daniel Schneider am 7. November zeigen wollen: «Klärli und der belgische Pilot – eine Liebe im 20. Jahrhundert» heisst das Dialektstück nach einem biografischen Roman. Man begleitet eine Arztfrau in den zwanziger Jahren, im 2. Weltkrieg, im kalten Krieg und zur Zeit des Mauerfalls.

Dann prägen Tiere den November. Am 15.11. spielt das Theater «Fleisch und Pappe» das Puppenspiel «Unter Artgenossen» auf Hochdeutsch für Erwachsene. Dann, am 21.11., zeigt das Theater «Roos und Humbel» ebenfalls mit Puppen «Tomte, der Fuchs und der süsse Brei» auf Mundart für Kinder. Schliesslich nimmt sich der Bewegungsschauspieler Samuel Mosima den Zootieren an. Am 28.11. stellt er in «Affengaffen» dar, was Uhu, Löwe oder Kamel unter artgerechter Haltung verstehen.

Letztes Jahr waren Heinz de Specht auf Abschiedtournée, jetzt treten die Protagonisten getrennt auf.

Letztes Jahr waren Heinz de Specht auf Abschiedtournée, jetzt treten die Protagonisten getrennt auf.

Bild: Rudolf Steiner

Der Dezember wird musikalisch. Nachdem sich vergangenes Jahr das Trio «Heinz de Specht» aufgelöst hatte, kommen nun die Protagonisten getrennt nach Kreuzlingen. Christian Weiss hat sich mit dem St. Galler Slammer Ralph Weibel zusammengetan und singt am 11.12. vom Fluss des Lebens – mit schwarzem Humor und poetischer Satire. Die beiden anderen Mitglieder von Heinz de Specht, Roman Riklin und Daniel Schaub, ziehen am 18.12. nach: Mit «Was wäre wenn» geben sie einen Liederabend im Konjunktiv.

Veränderungen im Verein

Mit einem weinenden und einem lachenden Auge gibt Fritz Brechbühl zur kommenden Jahresversammlung sein Präsidentenamt auf. Sieben Jahre hatte er den Trägerverein auf Kurs gehalten und insbesondere beim Einbezug von Sponsoren, Partnern und Mitgliedern Erfolge verbucht. Andreas Heuke aus Oberhofen, der sich schon länger im Team engagiert, stellt sich als Nachfolger zur Verfügung. Der Vorstand soll mit Marcello Indino um eine Person erweitert werden. Er soll als Vizepräsident Bindeglied zum Kulturzentrum Kult-X sein, in dessen Trägerverein er ebenfalls im Vorstand ist. Die bisherigen Vorstandsmitglieder Birgit Auwärter (Programm), Vreni Ellenbroek (Finanzen), Andrea Betz (Aktuarin), Roland Wohlfender (Gastronomie), Simon Hungerbühler (Programm) und Lukas Huggenberg (Kommunikation) sind bereit, ihre Aufgaben weiterzuführen.

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