Kommentar
Kommunikation tut not am Theater St.Gallen

Der Verwaltungsrat der Genossenschaft Konzert und Theater St.Gallen hat den Kommunikationsbedarf im Vorfeld der Wahl des neuen Theaterdirektors Jan Henric Bogen unterschätzt.

Christina Genova
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Jan Henric Bogen will als neuer Direktor des Theaters St.Gallen verstärkt auf Kommunikation setzen.

Jan Henric Bogen will als neuer Direktor des Theaters St.Gallen verstärkt auf Kommunikation setzen.

Bild: Arthur Gamsa

Jan Henric Bogen ist designierter Superdirektor des Theaters St.Gallen. Diese Berufsbezeichnung hört man dort nicht gerne. Wohl weil sie die mit diesem Amt verbundene neue Machtfülle auf den Punkt bringt. Denn Bogen wird nicht nur geschäftsführender Direktor wie sein Vorgänger, sondern die Gesamtverantwortung für den grössten Kulturbetrieb der Ostschweiz übernehmen.

Im Vorfeld von Bogens Wahl sorgte dies für viel Kritik: von Seiten der Belegschaft, aber auch von Experten. Thomas Schmidt, Professor für Theater- und Orchestermanagement, sprach gegenüber dieser Zeitung von einem «Rückschritt in kurfürstliche Zeiten».

Bogen sind diese Vorbehalte bestens vertraut, und er bemüht sich sehr, diese zu entkräften. Die Werte Gleichstellung, Diversität, Partizipation und Nachhaltigkeit lägen ihm besonders am Herzen, liess er sich in der Medienmitteilung zu seiner Wahl zitieren.Diese Absichtserklärung wird vielleicht einige beschwichtigen.

Doch erst im Alltag wird sich zeigen, ob Bogen auch nach den angestrebten Prinzipien handelt und der Verwaltungsrat ihn im Zweifelsfall an diese erinnert.

Eine offene Frage ist auch, wie er seine Rolle als Direktor der Sparte Musiktheater mit jener des Gesamtleiters in Einklang bringen wird. Was passiert zum Beispiel, wenn sein Erfolg ausbleibt und dann auf einen Schlag zwei Schlüsselpositionen vakant werden?

Den Ängsten der Mitarbeitenden vor Jobverlust und vor den Veränderungen, die anstehen, bringt Bogen Verständnis entgegen und will ihnen mit viel Kommunikation begegnen – laut eigener Aussage eine seiner Stärken. Diese Kompetenz kann das Theater St.Gallen gut gebrauchen. Denn die vergangenen Monate haben gezeigt, dass vor allem der Verwaltungsrat in diesem Bereich gewisse Defizite hat.

Für einen Betrieb, der grösstenteils durch Subventionen der öffentlichen Hand finanziert wird, ist ein kontinuierlicher und klarer Dialog gegen innen und aussen unabdingbar.

Das schafft Vertrauen und Verständnis. Nur damit können die Öffentlichkeit und die Belegschaft mit ins Boot geholt werden. Beide braucht es für die vielen Herausforderungen, die anstehen. Der Verwaltungsrat hat den Kommunikationsbedarf unterschätzt, der nach 23 Jahren Kontinuität in der Direktion nötig ist.

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