JUGENDORCHESTER
Endlich wieder ein Ziel: Das Wattwiler Jugendorchester Il Mosaico ist zurück

Am Wochenende trat das Jugendorchester Il Mosaico in Wattwil und St.Gallen auf. Es bewies auch nach langer coronabedingter Konzertpause seine bekannte Lebendigkeit und Präzision. Händel, Mozart und Ernest Bloch standen auf dem Programm.

Martin Preisser
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Il Mosaico, das Jugendorchester aus Wattwil bei einem seiner Live-Auftritte 2019.

Il Mosaico, das Jugendorchester aus Wattwil bei einem seiner Live-Auftritte 2019.

Bild: Michel Canonica

Mozarts späte Sinfonie in g-Moll KV 550 ist ein so dramatisches wie auch schon romantisches Stück. Und anspruchsvoll, es in allen Facetten umzusetzen. Dem Jugendorchester Il Mosaico unter Hermann Ostendarp gelang dies auf packende und beeindruckende Weise. Schwungvoll geriet schon der dunkler gefärbte Start mit den bekannten Seufzermotiven. Sehr detailgenau und transparent wirkte dieser Satz.

Eine Mozart-Sinfonie aus einem Guss gestaltet

Auch das hochexpressive Andante nahm Ostendarp nicht zu langsam und regte die jungen Orchestermusikerinnen und -musiker zu warmem Klang, der in die Romantik vorausweist, an. Jeder der vier Sätze startete jeweils präzise, ohne jede Anlaufschwierigkeit. Das überzeugte speziell auch im federnd wirkenden Menuett. Den Schlusssatz konnte das vielfach preisgekrönte Jugendorchester aus Wattwil spannend in einem Bogen gestalten. Sehr gekonnt wurden die Steigerungen aufgebaut. Dieser Mozart (Bläsereinstudierung: Wilfrid Stillhard und David Jud) war einfach gut, aus einem Guss, fesselnd und zog das Publikum (wir besprechen den ersten St.Galler Auftritt) wirklich in seinen Bann. Dirigent Hermann Ostendarp sagt:

Hermann Ostendarp, Dirigent des Jugendorchesters Il Mosaico.

Hermann Ostendarp, Dirigent des Jugendorchesters Il Mosaico.

Bild: Sascha Erni
«Endlich haben die Jugendlichen wieder ein Ziel. Proben ist gut, aber man will auch auf einen Auftritt hin üben. Das motiviert dann nochmals ganz anders.»»

Ein Ziel hatte sich auch die junge Mörschwiler Cellistin und Orchesterspielerin Nathalie Hauser gesteckt, mit ihrem Solopart im Stück «Prayer» von Ernest Bloch. Konzentriert und innig, intim und intensiv gestaltete Nathalie Hauser ihre teils recht exponierte Solostimme. Die Idee eines jüdischen Klagegesangs kam hier ergreifend über die Bühne. Mit dem gekonnten Engagement einer jungen Musikerin, von der man in Zukunft sicher noch einiges hören wird.

Ein Aufatmen nach langer Zwangspause

Händels Concerto grosso G-Dur, op 6, 2 nimmt im Einleitungsteil die Moll-Stimmung des Bloch-Stücks auf, um dann in die typisch sonnige Energie überzugehen, welche die Musik Händels oft ausmacht. Auch hier bewies das inzwischen 31 Jahre alte Jugendorchester Il Mosaico wieder auf konzentriertem Raum, was es kann: Musik so plastisch-intensiv und gleichzeitig lebendig-natürlich erklingen zu lassen. Frische und Genauigkeit machten dieses Händel-Concerto zu einer Kette fein ausgespielter Perlen. Musik muss live sein, dass ist eine Binsenweisheit. Dass jetzt auch das Jugendorchester Il Mosaico aus der Coronapause zurück ist, hat die Zuhörerinnen und Zuhörer sichtlich beglückt. Ein Aufatmen nach langer Zwangspause war bei Hörenden wie Spielenden zu spüren.

Nochmals: So, 20. Juni, 17 und 19 Uhr, evangelische Kirche Rapperswil; www.ilmosaico.ch

Das Jugendorchester Il Mosaico in der Tonhalle St.Gallen 2018.

Quelle: Youtube